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»Die Menschen leben wie Gefangene«

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Karl Heinz Müller (rechts) aus Fridolfing will auf alle Fälle in Cherso weiter helfen. Hier steht er vor einer Art Imbisswagen vor dem Lager, wo die Kinder um Essen betteln.

Nach einer Woche Flüchtlingshilfe im griechischen Lager Cherso unweit von Idomeni sind die Helfer aus Salzburg und Karl Heinz Müller aus Fridolfing wieder zurück. Die Arbeit vor Ort war zum Teil ernüchternd: Die militärische Aufsicht im Lager hatte sowohl eine permanente Ausgabe von Hilfsgütern verboten, als auch das Kochen für die Flüchtlinge.


»Das Militär hat uns nur erlaubt, kleine Tüten mit Essen und Hygieneartikel unmittelbar nach der zentralen Essensausgabe zu verteilen«, so Müller. Die 1300 Flüchtlinge in Cherso hätten Angst vor der Abschiebung in die Türkei, im Lager selbst könne niemand einen Asylantrag stellen, »weil schlichtweg kein Behördenvertreter da ist«. Jetzt überlegen Müller und die anderen Helfer, wie sie eine permanente Hilfe in Cherso von Salzburg aus organisieren können.

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Koch-Utensilien wurden an andere Helfer verschenkt

Mit 77 Paletten voll mit Spenden waren die acht Helfer vom ehemaligen Transitlager in Salzburg-Liefering aus nach Cherso gestartet, wo es ein eingezäuntes Lager für 1300 Menschen am Rande eines kleinen Dorfs gibt. »Da sind keine großen Zelte wie in Salzburg, sondern rund 400 kleine, segeltuchartige Militärzelte«, beschreibt Müller die Situation. In diesen Zelten leben die Familien, zu Mittag kommt eine Cateringfirma und verteilt das Essen. Die »Muslim Hands« als Teil der achtköpfigen Gruppe hatten einen großen Topf, einen Brenner und große Reissäcke mitgenommen, um die Flüchtlinge zusätzlich versorgen zu können, »das erlaubte das Militär aber nicht«. Daher verschenkten die »Muslim Hands« die Koch-Utensilien an Flüchtlingshelfer in Idomeni.

Der Inhalt der jeweils 25-Kilo-Säcke Reis und Nudeln musste in kleinere Säcke umgefüllt werden, alle anderen Spenden wie Windeln oder Duschgel mussten ebenfalls in kleine Tüten gepackt werden. Auch das Lagern der Paletten war in den Augen der Militärs ein Sicherheitsrisiko. Sie mussten daher in einer sieben Kilometer entfernten Kaserne zwischengelagert und von dort auf mit einem Kleinlaster nach Cherso gebracht werden.

Obwohl der von »Bauern helfen Bauern« organisierte Hilfskonvoi vorab mit dem Lagerkommandanten abgestimmt war, gestaltete sich die praktische Hilfe laut Müller doch sehr schwierig. »Wir mussten immer lange warten, bis wir überhaupt in das Camp durften. Einem ORF-Journalisten wurde das Betreten des Geländes für Dreharbeiten über unsere Hilfsarbeit überhaupt untersagt.« Da die Helfer aus Salzburg nur wenige Stunden pro Tag im Lager verbringen durften, sind am Ende 45 Paletten mit Spenden übrig geblieben. »Wir haben diese Hilfsgüter an eine private, griechische Hilfsorganisation weitergegeben«, so Müller.

Die rund 1300 Flüchtlinge im Camp Cherso seien hauptsächlich Familien aus Syrien und dem Irak. »Die Menschen leben wie Gefangene, obwohl kein Schloss das Tor des Lagers versperrt«, so Müllers Eindruck nach sieben Tagen. Alle Flüchtlinge hätten Angst vor der Rückschiebung in die Türkei. »Ich vermute, dass Griechenland jetzt erst einmal die Ferieninseln räumen wird, damit der Fremdenverkehr wieder zum Laufen kommt«, so Müller.

»Bräuchten mehr Zeit, um Vertrauen aufzubauen«

Müller ist enttäuscht, dass die Hilfe in Cherso wegen des Militärs nicht so effektiv wie in Salzburg aufgebaut werden konnte. »Ich glaube, wir bräuchten einfach mehr Zeit vor Ort, um Vertrauen zum Militärkommandanten aufzubauen«. Die acht Helfer wollen daher »auf alle Fälle« noch einmal nach Cherso reisen. »Wir werden dort weiter gebraucht, und Hilfsgüter kann man auch in Griechenland kaufen«, so Müller. Ob ein möglicher, zweiter Hilfseinsatz wieder von »Bauern helfen Bauern« organisiert wird, ist jetzt noch genauso ungewiss wie die Frage, wie eine weitere und länger andauernde Hilfe in Cherso finanziert werden soll. hud