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Die medizinische Versorgung im ländlichen Raum

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Ruhpolding. Um die medizinische Versorgung im ländlichen Raum ging es bei einer Diskussionsveranstaltung der Freien Wähler in Ruhpolding. Dabei stellte der Landtagskandidat Lothar Seissiger besonders die Schwierigkeiten im Landkreis Traunstein, die hausärztliche Versorgung aufrecht zu erhalten, hervor.


Laut Seissiger würden immer mehr Hausärzte im ländlichen Raum keinen Nachfolger mehr für ihre Praxen finden. Auch bei den Bereitschaftsdiensten gebe es Engpässe. Die Kassenärztliche Vereinigung habe deswegen verfügt, dass sich auch Psychotherapeuten, Laborärzte und Pathologen an diesen Bereitschaftsdiensten zu beteiligen haben. Für Seissiger eine wenig sinnvolle Maßnahme, da diese Fachgruppen von einer sinnvollen Diagnostik sicher überfordert seien.

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Bereitschaft: Nur noch eine Dienstgruppe im Achental

Am Beispiel der Entwicklung des Bereitschaftsdienstes im Achental machte Seissiger dies deutlich. Wurde das Achental bisher von drei Dienstgruppen versorgt, so ist auf Grund der neuen Bereitschaftsdienstordnung daraus eine gemacht worden. Der diensthabende Arzt versorge am Wochenende eine Region die von Übersee bis Reit im Winkl und von Staudach-Egerndach bis Schleching reicht. Für Hausbesuche müsse er neben den anzubietenden Sprechstunden viele Kilometer fahren. Dadurch entstünden für die Patienten lange Wartezeiten. Die großen Dienstbereiche seien der Tatsache geschuldet, dass gemäß der neuen Bereitschaftsdienstordnung eine Dienstgruppe dann der nächst größeren Dienstgruppe zuzuordnen sei, wenn die Dienstgruppenstärke 15 Mitglieder unterschreitet. Weiter meinte Seissiger, in der Allgemeinmedizin sei es in der Zwischenzeit zu einer Überalterung gekommen, in den nächsten sieben Jahren werde etwa die Hälfte der Hausärzte ihre Tätigkeit beenden; die meisten würden keinen Nachfolger finden. Seissiger: »Daraus folgt, dass wir im Landkreis Traunstein noch größere Dienstbereiche bekommen werden.«

Karl Vetter, gesundheitspolitischer Sprecher der Freien Wähler im Landtag, sprach sich dafür aus, dass sich Niederlassungen in den Speckgürteln der Ballungszentren am Bedarf ausrichten müssten. Medizinstudienplätze sollten künftig nicht mehr nach Schulnoten, sondern nach Eignung vergeben werden. Eine Eignungsprüfung wäre sicher der gerechtere Weg.

Eigene Lehrstühle für Hausärzte?

Die Wertschätzung und das Ansehen des Hausarztberufes könnten durch Einrichtung von Lehrstühlen an den Universitäten erhöht werden. Eine bessere Vereinbarkeit von Familie, Freizeit und ärztlicher Tätigkeit durch vernünftige dienstliche Regelungen und neue Kooperationsmodelle könnten die Attraktivität erhöhen. Planungssicherheit durch vernünftige Honorarvereinbarungen und Weiterführung der Hausärzteverträge über 2014 hinaus wären ein weiterer Baustein. Der falsche Weg sei es, wenn die Krankenkassen Honorarerhöhungen an Einsparungen im Medikamentenbereich knüpfen.

Auch die Finanzierung der Krankenhäuser in öffentlicher Hand muss in den Augen von Karl Vetter geändert werden. Die Südostbayern Klinik AG hat im Geschäftsjahr 2012 ein Defizit von 5,8 Millionen gemacht. Die Einsatzbereitschaft der Mitarbeiter sei dafür sicher nicht der Grund. Es seien strukturelle Gründe und die Tatsache, dass von den Tariflohnsteigerungen des Jahres 2012 in Höhe von 3,5 Prozent nur 1,5 Prozent von den Kassen im Budget erstattet wurden.