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Die Masernfälle im Kreis Traunstein häufen sich

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Mediziner des Klinikums Traunstein und des Traunsteiner Gesundheitsamts rufen eindringlich dazu auf, dass jeder seinen Impfschutz überprüfen lässt.

Traunstein – Die Masernfälle im Landkreis Traunstein häufen sich – und das, obwohl die Infektionskrankheit noch vor wenigen Jahren als praktisch ausgerottet galt. Heimische Ärzte haben in den vergangenen Wochen gehäuft akute Maserninfektionen bei Jugendlichen, aber auch bei Erwachsenen diagnostiziert, ein Teil der Patienten musste sogar in stationäre Behandlung. Mediziner des Traunsteiner Gesundheitsamts und des Klinikums Traunstein sind sich einig, dass das Wiederaufflammen von Maserninfektionen eine Folge der Impfmüdigkeit ist.


Masern waren über viele Jahre im Kreis Traunstein und in den Nachbarlandkreisen überhaupt nicht mehr vorgekommen, wie Dr. Gerhard Wolf, Chefarzt der Kinderklinik am Klinikum Traunstein, Professor Dr. Thomas Glück, Chefarzt der Abteilung für Klinische Infektiologie der Klinken Südostbayern AG, und Dr. Stephan Gebrande vom Gesundheitsamt Traunstein übereinstimmend berichten.

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Vor allem Erwachsene waren in jüngster Zeit betroffen

Dass die Infektionskrankheit jetzt eine Renaissance erlebt, da sind sich die Medizinexperten auch einig, hängt mit der Impfmüdigkeit zusammen. Diese greife stark um sich – sei es einfach aus Nachlässigkeit, aus falsch verstandener Rücksicht auf das Kind, dem man den Nadelstich für die Impfung nicht zumuten möchte, oder aus schwer nachvollziehbaren weltanschaulichen Gründen.

Gerade mit Blick auf den zuletzt erwähnten Punkt weisen die Ärzte eindringlich darauf hin, dass Masern keinesfalls eine »gutartige Kinderkrankheit« sind. Bis zu drei von 1000 Erkrankten sterben an Masern beziehungsweise den Folgen der Krankheit. »Masern können schwer verlaufen«, warnen die Mediziner. Gerade auch die bei uns in letzter Zeit beobachteten Fälle waren bei den Erwachsenen durch ein schweres Krankheitsgefühl gekennzeichnet; die meisten mussten zur stationären Behandlung ins Krankenhaus. Viele hatten starken Ausschlag, hohes Fieber und begleitend eine Leberentzündung.

Das alles lasse sich durch eine einfache Schutzimpfung verhindern, erklären die Ärzte. Um in Deutschland nicht wieder grassierende Masernausbrüche zu haben, sei es unbedingt erforderlich, dass über 95 Prozent der Bevölkerung gegen Masern geimpft seien.

Die Mediziner rufen daher dringlich auf, dass jeder seinen Impfschutz überprüft oder überprüfen lässt. Dies gelte nicht nur für Kinder, sondern insbesondere auch für Erwachsene. »Rund die Hälfte der jüngst im Landkreis beobachteten Masernfälle betrafen nicht oder nicht ausreichend geimpfte Erwachsene«, so die Ärzte. Wenn kein ausreichender Impfschutz bestehe, könne der Hausarzt eine Impfung jederzeit nachholen.

Bei der Immunisierung gegen Masern handelt es sich um eine unkomplizierte und von der ständigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut allgemein empfohlene Schutzimpfung. Die Impfung wird sehr gut vertragen, eines von zehn Kindern kann einen Ausschlag entwickeln, die sogenannten »Impfmasern«, die allerdings nicht ansteckend sind. Schwerwiegende allergische Reaktionen sind extrem selten.

Masern können zur Gehirnentzündung führen

Im Vergleich zu den Nebenwirkungen einer Impfung ist das Risiko einer echten Maserninfektion ungleich höher: Einer von 1000 Masernpatienten entwickelt eine lebensgefährliche Gehirnentzündung, an der etwa jeder zehnte Patient stirbt.

Mit aller Entschiedenheit treten die Ärzte auch der »irrigen, immer wieder vorgebrachten Meinung« entgegen, dass Impfungen das Immunsystem »schwächen« und Infektionen es »stärken«. Im Gegenteil, eher werde das Immunsystem durch eine schwere Infektion wie eine Masernerkrankung stark beansprucht und es folge nicht selten eine Phase der Immunschwäche.

»Insgesamt gibt es keinen vernünftigen Grund, sich nicht gegen Masern zu impfen«, so das Fazit von Dr. Wolf, Dr. Glück und Dr. Gebrande. fb

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