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»Die Mama hat mich vergessen«

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Vater und Sohn halten sich ganz fest an den Händen, sie halten zusammen und sich einer am anderen fest. (Foto: Mix)

Traunreut – Weihnachten ist das Fest der Liebe, an dem die Familien zusammenkommen und gemeinsam feiern. Für einen achtjährigen Buben aus Traunreut trifft das nicht zu. Obwohl er beide Eltern noch hat, wird er auch heuer das Fest nur mit dem Vater verbringen, zur Mutter hat er keinen Kontakt mehr. »Die Mama hat mich vergessen«, sagt der Bub traurig und klammert sich dabei an seinen Papa.


Seine Eltern haben sich schon lange getrennt, der Sohn blieb ursprünglich bei der Mutter, hatte aber regelmäßigen Kontakt zum Vater. Alle wohnten damals in Grafing, wo der Mann eine Arbeitsstelle und eine kleine Wohnung für sich hatte. Schon von klein an gab es immer wieder mal Probleme, die Mutter hatte von Anfang keine sehr enge Bindung zu ihrem Kind. Das Kindergarten-Personal rief öfter beim Vater an und eröffnete ihm, dass die Mutter wohl nicht mit dem Buben klar komme. Bereits im Alter von drei Jahren ließ sie ihn allein, holte ihn einfach nicht von der Kita ab. Der Vater nahm schließlich den Sohn, als er vier Jahre alt war, zu sich und zog mit ihm nach Traunreut. »Ich wollte einfach ganz neu anfangen«, erzählt er. Durch eine Leiharbeitsfirma erhielt er immer wieder Jobs, musste oft am Wochenende arbeiten. »Das hat mich fertig gemacht, ich bekam eine schwere Lungenentzündung, konnte nicht mehr arbeiten und seitdem ging es nur noch bergab«, fasst er die letzten Monate zusammen. Von seiner Ex-Partnerin konnte er keine Unterstützung erwarten. Nicht einmal, als sich das Kind die Hand brach, besuchte sie ihren Sohn und gekümmert hat sie sich erst recht nicht. Seit April ist der Kontakt zu ihr nun vollständig abgerissen. Damals schrieb der Kleine noch eine SMS mit dem Wortlaut »Mama, ich hab dich lieb«. Darauf kam keinerlei Antwort und die beiden haben es inzwischen aufgegeben, Kontakt herzustellen. »Wenn sich die Mama nicht mehr rührt, dann mag ich auch nicht mehr«, lautet heute der Kommentar des Achtjährigen dazu.

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Sein Vater will nun noch Weihnachten abwarten und dann das alleinige Sorgerecht für den Sohn beantragen. Bisher hat er nur das Aufenthaltsbestimmungsrecht und muss in allen Belangen die Mutter um Zustimmung bitten, was aufgrund der Situation jedoch zunehmend schwierig wird. Vater und Sohn sind nun ganz auf sich allein gestellt. »Ich lebe nur noch für ihn, er ist mein ganzer Lebensinhalt und ist voll auf mich fixiert«, betont der Mann. Sein Sohn will nicht mehr in die Nachmittagsbetreuung, lieber soll ihm der Vater bei den Hausaufgaben helfen. Und er traut sich auch nicht, allein in seinem Zimmer zu schlafen, teilt sich lieber das Bett mit dem Vater. Für den ist die Situation äußerst schwierig und er gesteht: »Ich habe im Moment keine Power mehr, ich fahr auf Reserve und funktioniere nur noch.«

Obwohl es ihn große Überwindung kostet, kommt er manchmal zur Traunreuter Brücke und holt sich dort Hilfe. Sein Sohn erhielt wie viele andere Kinder auch anlässlich der Weihnachtsfeier der Brücke einen kleinen Geldbetrag und eine Geschenktüte. Die holten die beiden aber bei Vera Scheffler in der Brücke ab, weil sie nicht im k1 vor so vielen Leuten nach vorne gehen wollten. Arbeit findet der Vater derzeit aufgrund seines schlechten Gesundheitszustandes nicht. An den Weihnachtstagen machen Vater und Sohn einen Besuch bei Bekannten in Rosenheim. Die meiste Zeit werden sie jedoch allein zu zweit sein. mix