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Die Liebe und eine sichere Zukunft führten sie zu uns

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Bergens Bürgermeister Stefan Schneider (links) und Chiemings Bürgermeister Benno Graf begrüßten den nun deutschen Staatsbürger Franziskaner-Pater Gabriel Budau. (Foto: Effner)

Die meisten von ihnen leben schon seit Jahrzehnten in Deutschland, sind hier verheiratet, haben einen Beruf gelernt, wollen sich eine Existenz aufbauen und fühlen sich gut integriert: Mit der Überreichung der Einbürgerungsurkunde im Landratsamt Traunstein haben sie den letzten Schritt vollzogen, als vollwertiger deutscher Staatsbürger alle Rechte und Pflichten der Bundesrepublik wahrnehmen zu können.


Als Willkommensgruß überreichte Landrat Siegfried Walch 34 neuen Mitbürgern aus dem Landkreis im Rahmen der Einbürgerungsfeier ein kleines Geschenk. Die Hürden seien hoch gewesen, erklärte der Landrat: Sie reichten von Urkunden und Nachweisen über Verdienst, Alterssicherung sowie Arbeits- und Mietverträge über die Deutschprüfung und den Einbürgerungstest zur Rechts- und Gesellschaftsordnung bis hin zur Überprüfung durch die Sicherheitsbehörden.

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Brexit gab Anstoß für die Einbürgerung

Wie bunt die Vielfalt an Biografien und Motiven für die Einbürgerung ist, zeigte eine kleine Umfrage unter den Geehrten. Bereits seit 40 Jahren lebt die gebürtige Britin Dorothy Schade-Maurice in Deutschland. Seit 1998 ist sie in Traunstein. Ihr Vater arbeitete am dortigen Klinikum. »Ich fühle mich hier inzwischen wohler als in Großbritannien«, sagt sie. Das Brexit-Votum ihrer Landsleute habe sie in ihrer Entscheidung bestärkt, sich in Deutschland einbürgern zu lassen. »Bei der Wahl wurde über meinen Kopf eine Entscheidung getroffen, die ich nicht teile.« Man wisse nicht, wie sich die Verhältnisse in Zukunft ändern. Deshalb wolle sie auf der sicheren Seite sein. Parallel zu ihr ließ sich auch ihre 92-jährige Mutter Dorothy Schade einbürgern.

»Mir sind die Menschen dieser Region sehr vertraut geworden und ans Herz gewachsen«, sagt der Franziskaner-Pater Gabriel Budau. Er ist in Rumänien geboren, lebt aber seit 2006 als Seelsorger in Deutschland. Nach einer Stelle in Köln war er die letzten fünf Jahre als Pfarrer für den Pfarrverband Bergen-Vachendorf-Grabenstätt-Erlstätt tätig. Seit Anfang Dezember betreut er von Chieming aus einen größeren Pfarrverband. »Ich identifiziere mich sehr mit der Mentalität hier, habe viele Freunde und fühle mich zugehörig. Die Einbürgerung erleichtert viele Formalitäten«, sagt er.

In der Kantine einer Fliesenfabrik in Spanien haben sich vor mehr als zwei Jahrzehnten Rainer Putz aus Nußdorf und seine Frau Sueli Nacimento-Putz aus Brasilien kennengelernt. Er war damals als Fernfahrer unterwegs. Seit 1996 ist die Südamerikanerin in Deutschland. Sie spricht fließend Deutsch mit bairischem Akzent. Als große Erleichterung sieht sie es an, mit dem deutschen Pass unbeschwert reisen zu können.

Ähnlich geht es Deborah Spaltmann aus Grassau. Sie ist in den USA geboren, lebt aber seit 1981 in Deutschland. »Mit dem deutschen Pass ist man überall willkommen, in Dubai hatte ich seinerzeit mit dem US-Pass Probleme«, sagt sie. »Es bestürzt mich tief, was derzeit in den USA passiert«, ergänzt die Marketing-Fachfrau. »Die Unabhängigkeit, die Differenzierung und der Weitblick – auch in den Medien – wie hierzulande gehen mir dort ab.« Ein wichtiges Motiv für die Einbürgerung war für sie auch die Doppelbesteuerung in Deutschland und den USA. »Da gibt es kein Abkommen und man fragt sich, wofür man arbeitet.«

Die Begegnung bei einem kirchenhistorischen Kongress in der ecuadorianischen Hauptstadt Kito stand 2008 am Anfang der Beziehung des Sozialpädagogen und Theologe Dr. Norbert Wolff und der Psychologin Carmen Carvajal Tirado. »Vom ersten Moment an waren wir uns sympathisch«, erklärt Wolf, der seit 2013 mit seiner Frau und zwei Töchtern in Traunreut wohnt und im Traunsteiner Amt für Kinder, Jugend und Familie arbeitet. Zwei erwachsene Kinder von Carmen leben noch in Ecuador. Nach längerer Fernbeziehung und mehreren Monaten Aufenthalt von Wolff in Kito 2012 entschieden sich beide bewusst, ihre Zukunft nach der Hochzeit 2013 in Deutschland zu planen. »Die Sicherheitslage, die Absicherung und die Bildungschancen spielten eine wichtige Rolle dabei«, sagt der gebürtige Westfale.

Was ist typisch deutsch?

Als Student für Holzbautechnik kam Georges Njoya aus Kamerun vor über zehn Jahren nach Deutschland. Inzwischen arbeitet er als Ingenieur bei einem Papierunternehmen und ist in Traunstein bestens integriert, inklusive Freundeskreis. »Als 'typisch deutsche Eigenschaften' hat eine Freundin meine Vorliebe für genaues Arbeiten und Pünktlichkeit bezeichnet«, sagt er. In seiner neuen bayerischen Heimat fühlt er sich »sehr wohl«. Die Einbürgerung war für ihn auch aus beruflichen Gründen »ein wichtiges Ziel«.

»Sehr stolz« als frischgebackene Deutsche fühlt sich zudem Sarah Ghannouchi. Die studierte Physik- und Chemielehrerin aus Tunesien lebt mit einem Deutsch-Tunesier und kleiner Tochter in Traunstein und arbeitet als Arabisch-Lehrerin bei der VHS. eff