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Die Lehrlinge im Metzgerhandwerk hat es kalt erwischt

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Traunstein. Mit einem Paukenschlag hat gestern das Schuljahr für neun Metzgerlehrlinge und drei Auszubildende zum Metzgereifachverkäufer begonnen: Die Berufsschule I in Traunstein musste die zwölf frischgebackenen Berufsschüler kurzerhand wieder wegschicken. Sie werden ihre Berufsschulzeit in Rosenheim absolvieren müssen – weil es in den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land zu wenig Lehrlinge für eine Berufsschulklasse gibt.


»Was heute passiert ist, ist noch nie passiert«, sagt Willi Barke, Schulleiter der Berufsschule I. Er ist geknickt, das ist nicht zu überhören. »Wir bedauern das sehr«, meint er. Aber, so resümiert er, im Vergleich zu aktuell boomenden Ausbildungsberufen etwa in der Elektro- oder IT-Branche hätten Lehrberufe wie Metzger einfach oft das nachsehen. Und da es momentan genügend Lehrstellen für alle Schulabgänger gäbe, blieben die »weniger attraktiven Berufe« oft auf der Strecke. »Im Bereich Ernährung, wo unsere Schule wirklich ein Kompetenzzentrum ist, haben wir generell Probleme, genügend Schüler zusammenzubekommen.«

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In den vergangenen Wochen habe es sich zwar abgezeichnet, dass sich selbst bei einer gemeinsamen Beschulung der Metzger- und Metzgereifachverkäufer-Lehrlinge die Mindestklassenstärke von 18 Schülern nicht erreichen lasse, dennoch habe man bis zum Schluss gehofft. Der Grund: Die Berufsschulen wissen tatsächlich immer erst am ersten Schultag, wie viele Schüler und damit auch Klassen sie tatsächlich haben. Zwar meldet sich ein Großteil der Schüler vorab an – aber eben doch nicht alle. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass offene Lehrstellen manchmal erst in letzter Minute besetzt werden.

Für die Berufsschule I ist der Wegfall der »Metzger-Klasse« ein großer Verlust, schließlich hat sie eine nach Barkes Worten »hervorragend ausgestattete Metzger-Abteilung« – und von der haben jetzt nur noch die heimischen Auszubildenden aus dem dritten Lehrjahr etwas, denn auch die Schüler, die im zweiten Lehrjahr sind, müssen ab sofort nach Rosenheim pendeln. Sie wussten immerhin rechtzeitig Bescheid.

Es liegt auf der Hand, dass Rudolf Riedler, der Obermeister der heimischen Metzgerinnung, nicht begeistert ist, dass die Lehrlinge des Metzgerhandwerks jetzt einen längeren Berufsschulweg haben. »Das macht es uns noch schwerer, Lehrlinge zu kriegen«, sagt er. In seiner Metzgerei in Petting hat Anfang September ein Lehrling aus Fridolfing angefangen – er hat jetzt einen mehr als doppelt so weiten Weg in die Berufsschule.

»Gezwungen, die Lehrstelle zu kündigen«

Kalt erwischt hat es gestern auch Franziska Angerer aus der Gemeinde Kirchweidach (Kreis Altötting), Auszubildende zur Metzgereifachverkäuferin. Von ihrem Wohnort aus gibt es zwar eine einigermaßen akzeptable Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Traunstein, aber eben nicht nach Rosenheim. »Meine Tochter sieht sich gezwungen, ihre Lehrstelle zu kündigen«, meinte gestern die verzweifelte Mutter im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt.

Das gibt einem weiteren drohenden Lehrlingsschwund im Metzgerhandwerk natürlich Nahrung. Doch genau dem versuchen die Berufsschule und die Innung seit längerer Zeit entgegenzuwirken. »Wir haben die letzten Jahre viel Nachwuchswerbung gemacht«, sagt Innungsobermeister Riedler. Auch Berufsschullehrer Willi Barke versichert, dass gemeinsam viel dafür getan worden sei, genügend Lehrlinge zu bekommen. »Aber es ist uns nicht gelungen.«

In einem Telefongespräch am gestrigen Vormittag mit dem zuständigen Ansprechpartnern in der Regierung von Oberbayern hatte der Berufsschulleiter noch versucht, eine Ausnahmegenehmigung zu bekommen. Ohne Erfolg: »Die Entscheidung ist gefallen«, so Barke.

Innungsobermeister Rudolf Riedler hofft nun, im nächsten Schuljahr die nötige Schülerzahl wieder zu erreichen. »Wir werden unsere Anstrengungen intensivieren«, sagt er. Schließlich, und das ist die gute Nachricht, ist der Schulsprengel offiziell noch nicht geändert. Doch der Metzgermeister weiß auch, dass das Traunsteiner Problem ein bayernweites ist – und die Entwicklung oft nicht zu stoppen ist. Darum gibt auch Berufsschulleiter Barke zu, dass er nicht sehr optimistisch in die Zukunft blickt: »Wahrscheinlich wird es den Sprengel Metzger im nächsten Schuljahr in Traunstein nicht mehr geben.« san