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»Die lassen die Wohnungen verrotten«

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Mit Plakaten machten Mitglieder der gemeinnützigen Wohnbaugenossenschaft Haidforst im Oktober auf Missstände aufmerksam.

Traunstein – Erneut ist die gemeinnützige Wohnbaugenossenschaft Haidforst in den Schlagzeilen: Vor zwei Jahren durchsuchte die Staatsanwaltschaft Traunstein die Büros der Genossenschaft (wir berichteten), nun gibt es massiven Ärger mit einigen Mitgliedern. Sie kritisieren, dass zahlreiche Wohnungen leerstehen – und das bei der derzeitigen Wohnungsnot in Traunstein. Außerdem steht der Vorwurf im Raum, dass mit Geldern der Genossenschaft Leistungen beglichen wurden, die nichts mit der Genossenschaft als solche zu tun haben.


Den Leerstand streiten Vorstand und Aufsichtsrat nicht ab. Aktuell stünden 23 Wohnungen leer, an drei werde gerade gearbeitet und fünf seien bezugsfertig, sagt Vorstandsvorsitzender Uwe Wieteck. »Wir können nicht mehr Geld ausgeben als wir einnehmen«, betont er. Letztes Jahr seien rund 40 Wohnungen saniert worden. Dies habe sich finanziell natürlich auch ausgewirkt.

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»Da kümmert sich keiner drum«

Doch einige der Wohnungen sind nun seit Jahren nicht vermietet, bei anderen passiert seit Monaten nichts. »Da kümmert sich keiner drum«, kritisiert Alfred Eckhardt, eines der Mitglieder, die äußerst unzufrieden sind mit dem Vorstand. »Diese Wohnungen müssen gelüftet werden, da muss geschaut werden, ob sich irgendwo Schimmel bildet oder ob in der Regenrinne Blätter liegen.« Er und seine Mitstreiter könnten das Argument der Vorstandschaft nicht verstehen, dass für die leerstehenden Wohnungen erst ein Sanierungskonzept erstellt werden müsse. »Da brauche ich kein Konzept. Ich schaue, was gemacht gehört und dann richte ich die Wohnung her, damit möglichst schnell wieder jemand einziehen kann. So wurde das bislang ja auch gemacht.« Es gehe hier schließlich um Geld, das der Genossenschaft verloren gehe, wenn die Wohnungen nicht vermietet würden.

Seine Vermutung ist, dass die alten Wohnungen Neubauten weichen sollen. »Die lassen die Wohnungen verrotten, damit sie die Häuser dann abreißen können. Für Neubauten ist Geld da, für die Sanierung der alten Wohnungen nicht«, kritisiert Alfred Eckhardt. Er spielt damit auch auf den Neubau an der Watzmannstraße mit 30 Wohnungen an, der gerade entsteht.

»Wir müssen das historisch günstige Zinsniveau für Neubauten nutzen«, betont auf der anderen Seite Uwe Wieteck. Alle alten Wohnungen hätten keinen Aufzug, was vor allem für alte Menschen und Menschen im Rollstuhl ein großes Problem darstelle. Der demografische Wandel bringe einen höheren Bedarf an altersgerechtem Wohnraum mit sich, »gerade in Haidforst, wo das Durchschnittsalter der Mieter über 70 liegt«, ergänzt Vorstandsmitglied Karl-Heinz Blank.

Verzögerungen bei der Neuvermietung

Die Verzögerungen bei der Neuvermietung begründen die Vorstandsmitglieder wie folgt: Durch den Weggang des Geschäftsführers im November 2016 sei nicht – wie eigentlich geplant – an einem Sanierungskonzept weitergearbeitet worden und ein neuer Geschäftsführer habe bereits nach einem halben Jahr wieder aufgehört. »Bei der Genossenschaft liegen derzeit 800 Anträge auf eine Wohnung vor«, betont der Vorstandsvorsitzende. Doch nachdem es arge Mängel bei der Elektrik gebe, müssten erst einmal die Wohnungen diesbezüglich in Ordnung gebracht werden. »Da haben wir einiges aufzuarbeiten. Wir können nicht wie früher schnell, schnell renovieren. Sonst stehen wir mit einem Bein im Gefängnis.«

Viele Mieter betonen nämlich, dass es früher deutlich schneller ging mit der Sanierung der frei gewordenen Wohnungen. Bis Anfang 2017 gab es in Haidforst einen eigenen Bauhof. Die Mitarbeiter dort kümmerten sich unter anderem auch um die Sanierung der Wohnungen, wenn es einen Mieterwechsel gab. Der Bauhof wurde jedoch auf Beschluss des Vorstands zum 31. März 2017 geschlossen. Die Aufgaben werden nun von Fremdfirmen erledigt. Das hat zu großem Unmut bei vielen Mitgliedern geführt. Bei einer außerordentlichen Versammlung im Frühling sprach sich eine große Mehrheit für die Wiederinstallation des Bauhofs aus. Doch diese Abstimmung war im Grunde nichts wert, weil die Vorstandschaft allein entscheidungsbefugt ist. Das ärgerte viele, der Wille der Genossen sei hier einfach ignoriert worden, hieß es.

»Da ging es um 27 Euro im Monat«

Zum Hintergrund: Die Vorstandschaft aus ehrenamtlichen Mitgliedern wird alle drei Jahre von den Mitgliedern/Mietern gewählt. Eine Versammlung mit Neuwahlen ist für den 10. November anberaumt. Derzeit im Vorstand sind Manfred Dandl (seit 1996), Karl-Heinz Blank (seit 2008), Waltraud Thoni (seit 2010) und Ralph Wollmann (seit 2012). Vorstandsvorsitzender ist Uwe Wieteck (seit 2007). Kontrolliert wird die Arbeit des Vorstands vom Aufsichtsrat. Wenn drei der fünf Vorstandsmitglieder eine Entscheidung treffen, ist das bindend – egal, ob es um Wohnungen, den Bauhof oder Einmalzahlungen geht, wie im Fall eines ehemaligen Mitarbeiters des Bauhofs. Er selbst (seinen Namen möchte er nicht in der Zeitung lesen) bringt eine Zahlung in Höhe von 10 000 Euro vom Konto der Genossenschaft in Verbindung mit Renovierungsarbeiten, die er bei einem ehemaligen Geschäftsführer privat zu Hause gemacht hat.

Vorstand Uwe Wieteck betont, dass dieser Vorwurf »völliger Irrsinn« sei. Es sei festgestellt worden, dass der besagte Arbeiter im Zeitraum von 1993 bis 2011 tariflich falsch eingestuft gewesen sei. »Da ging es um 27 Euro netto im Monat. Das haben wir mit den 10 000 Euro beglichen.«

Um Geld ging es auch bei den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft vor zwei Jahren. Es stand der Vorwurf im Raum, dass zwei Häuser der Genossenschaft an der Schützenstraße und Zirnberger Straße unter Wert verkauft worden waren. Die Ermittlungen wurden jedoch eingestellt. KR