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Die lange Reise geht zu Ende

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So wurde die Geschichtswerkstatt im Museum Torfbahnhof 2008 präsentiert.

Grassau – Mit einem Schenkungsvertrag und einem Versprechen begann die Suche nach einer dauerhaften Unterkunft für die Grassauer Schuhmacherwerkstatt. 26 Jahre nach dem Versprechen, diese Werkstatt – eine Pionierleistung von Franz Lindlacher – nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, gelang es Claus-Dieter Hotz jetzt, eine dauerhafte Bleibe im »Haus der Bayerischen Geschichte« zu finden.


Im Mai 1950 hatte Schuhmachermeister Franz Lindlacher seine Schuhfabrikation in Grassau in einer ehemaligen Baracke des Reichsarbeitsdienstes (RAD), die größtenteils in Staudach-Egerndach abgebaut und in Grassau wieder aufgestellt wurde, eröffnet. Die handzwiegenähten Schuhe erfreuten sich großer Beliebtheit und Franz Lindlacher entdeckte eine weitere Sparte, den Sportschuh. In den zwei Jahrzehnten nach der Eröffnung waren teilweise bis zu 20 Mitarbeiter beschäftigt. Die maßgefertigten Skischuhe der Grassauer Sportschuhfabrik wurden in alle Welt verkauft. Der Betrieb florierte. In den Jahren 1970 und 1971 erkrankten mehrere Fachkräfte, die auch aufgrund des Mangels an Arbeitskräften nicht ersetzt werden konnten und so stellte Lindlacher schließlich 1972 seinen Betrieb ein. Er arbeitete aber noch einige Jahre weiter, übernahm Einzelanfertigungen und Reparaturarbeiten. Doch die goldenen Jahre waren vorbei.

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Franz Lindlacher, dessen Herz sehr an seinem Betrieb hing, wandte sich im Januar 1990 an die Gemeinde und bot seinen Handwerksbetrieb mit Inventar als Schenkung an. Die Gemeinde hatte kein Interesse, dafür aber der Verein für Industrie- und Technikgeschichte mit dem Vorsitzenden Claus-Dieter Hotz. In einer Schenkungsurkunde versprach der Verein dem Schuhmachermeister, die ehemalige Grassauer Sportschuh-Fabrik mit allem Zubehör als Geschichtswerkstatt »Schusterbude« in Grassau zu erhalten.

Tonnenschwere Maschinen wurden verschrottet

1991 wurde Lindlacher zum Ehrenmitglied des Vereins ernannt, im selben Jahr wurde die Geschichtswerkstatt in der ehemaligen RAD-Baracke der Öffentlichkeit zugängig gemacht. Dort blieb sie bis 1995. Dann meldete der Grundbesitzer Eigenbedarf an und die alte Baracke musste weichen. Die schweren Maschinen wurden im Heftergewölbe eingelagert und Barackenteile auf das Gelände des Torfbahnhofs gebracht. 2001 mussten die Maschinen aus dem Gewölbe raus: Die Gemeinde benötigte das Gebäude für Veranstaltungen. Tonnenschwere Maschinen wurden verschrottet und nur ein Teil konnte erhalten werden. Im Museumsgebäude des Torfbahnhofs Rottau wurde 2008 erneut eine kleine Geschichtswerkstatt installiert. Die Rettung der »Schusterbude« schien erst einmal gesichert. Nach dem Wechsel in der Vorstandschaft des Vereins und der Umbenennung sowie Umstrukturierung des Vereins in »Museumsverein Torfbahnhof« im Jahr 2013 wurde das neuerliche Ende der Schusterbude eingeläutet. Der Ausstellungsraum wurde für einen Medienraum benötigt und die Sammlung »Schusterbude« musste erneut weichen. Die Suche nach einer dauerhaften Unterkunft ging weiter. Teil der Sammlung konnte Hotz in einer Zimmerei in Rottau einlagern.

Dann eröffnete sich die Möglichkeit, im Schusterhof in Bergen an Oktober 2014 die Sonderausstellung »Ski und Schuh« zu zeigen. Wieder war es Hotz, der in dem Heimatmuseum eine Ausstellung mit einigen ausgewählten Exponaten, darunter handgenähte Schuhe, Skischuhe und Skier zusammenstellte. Doch diese Unterkunft war wiederum auf lediglich ein Jahr befristet. Die Suche nach einer Heimat für die »Schusterbude« im Chiemgau ging weiter. Doch immer wieder hieß es, kein Platz, kein Geld oder kein Interesse.

Zu den Feierlichkeiten hinsichtlich der 50-jährigen Markterhebung kam die »Schusterbude« noch einmal nach Grassau zurück und wurde bei der Handwerk-Ausstellung im Hefterstadel im September 2015 präsentiert. Anschließend musste der Sammlungsbestand erneut eingelagert werden. Doch vor etwa zwei Monaten erhielt Hotz erneut die Nachricht, dass der eingelagerte Bestand entfernt werden muss. Der Eigentümer benötigte den Platz.

Im Depot in Augsburg

Nachdem alle Bemühungen die »Schusterbude« im Chiemgau zu halten, ausgeschöpft waren, wandte sich Hotz an das Museum »Haus der Bayerischen Geschichte«, das 2018 in Regensburg entstehen wird. Die zuständige Sachbearbeiterin Caroline Wolf zeigte sich sehr interessiert. Die »Schuster-bude« wurde für das Depot gerne angenommen. So tritt nun die Sammlung der Schuhmacherwerkstatt und Lindlachers Vermächtnis ihre vorerst letzte Reise an und wird derzeit gerade an das Depot in Augsburg geliefert. Die Übergabe ist mit der Auflage verbunden, dass die Sammlung auch gezeigt wird, sei es im Haus oder bei Sonderausstellungen.

»Bei der Verleihung des Max-Fürst-Preises habe ich erklärt, dass ich noch eine Aufgabe vor mir habe und zwar den Sammlungsbestand Schusterbude zu erhalten. Diese Aufgabe ist nun geschafft und Franz Lindlachers Lebenswerk wird auf keinen Fall vergessen. Das Versprechen, dass ich einst Lindlacher gegeben habe, konnte ich erfüllen.«, so Claus-Dieter Hotz. fb

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