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»Die Lage ist in einigen Branchen bitterernst«

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Die Unternehmen im Landkreis Traunstein leiden in Zeiten der Corona-Krise. Nach Ansicht der IHK hilft nur eine Strategie: »Impfen – Testen – Öffnen.« Foto: dpa

Die Corona-Krise hat viele Betriebe im Landkreis Traunstein an den Rand des Abgrunds gebracht. »Die Lage ist in einigen Branchen bitterernst«, sagte Nikolaus Binder, der Vorsitzende des Regionalausschusses Traunstein der Industrie- und Handelskammer (IHK) für München und Oberbayern, in einer Online-Pressekonferenz anlässlich der bevorstehenden Neuwahlen. »Der Kampf um die wirtschaftliche Existenz gehört inzwischen zum Alltag vieler Unternehmer.«


Seit einem Jahr bestimmt das Corona-Virus den Alltag. Die Krise stelle die Wirtschaft, wie Binder betonte, vor Herausforderungen, wie es sie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gegeben habe. Der Vorsitzende des Regionalausschusses Traunstein der IHK sagte, dass der harte Lockdown mit Einschränkungen bis hin zu Grenzschließungen verbunden sei, die die Lieferketten gefährden. Und Binder weiter: »Arbeiten im Homeoffice, Einhalten von Quarantänemaßnahmen oder auch die Wirtschaftshilfen sind Themen, die uns Unternehmer tagtäglich stark beschäftigen.«

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Besonders hart getroffen habe die Krise die Gaststätten, die Hotels, die Veranstalter, die Reise- und Tourismusbranche und den Einzelhandel. Es gebe aber auch Gewinner wie den Lebensmittelhandel, die Drogeriefachmärkte und vor allem den Onlinehandel. Binder freute sich, branchenübergreifend zu sehen, »mit welcher Flexibilität und Kreativität viele Geschäftsleute auch neue Verkaufskanäle für sich entdeckt haben«.

Stark mache den Landkreis Traunstein, so Binder, die wirtschaftliche Vielfalt, die vom Ein-Mann-Betrieb bis zum Mittelständler, vom Start-up bis zum Marktführer reiche. »Diese Wirtschaftsstruktur darf durch Lockdown und Betriebsschließungen nicht kaputtgehen, daran würde auch der Wohlstand im Landkreis Traunstein Schaden nehmen.« Binder betonte: »Die IHK für München und Oberbayern und wir als Mitglieder des IHK-Regionalausschusses setzen uns dafür ein, dass diese Vielfalt erhalten bleibt, die Nöte der Unternehmen in dieser schweren Zeit gehört werden und die Wirtschaft bald wieder durchstarten kann.« Der Landkreis brauche für die Zukunft eine starke Unternehmerschaft, die unter guten Standortbedingungen mit innovativen Geschäftsideen vorangehe.

Zahlen, wie viele Unternehmen im Landkreis Traunstein Corona-bedingt am Abgrund stehen oder gar schon geschlossen haben, kennt Binder nicht. Die Lage sei unübersichtlich. In vielen Fällen erhalten Selbstständige finanzielle Hilfe. Binder: »Geld fließt und hilft über die erste Not hinweg« – womöglich kommen dann aber, wenn die Krise immer weiter und weiter geht, einmal Nöte, die nicht mehr mit Hilfe des Staates gemeistert werden können.

Industrie »mit hellblauem Auge«

Robert Obermeier, der Chefvolkswirt der IHK für München und Oberbayern, berichtete, dass in Bayern über eine Million Betriebe angesiedelt seien. Von ihnen seien 150 000 bis 160 000 »im Bereich der Gefährdung«. Während die Betriebe in den Bereichen Tourismus, Hotellerie und Gastronomie wie auch der Einzelhandel und alle Veranstalter von der Krise hart getroffen worden seien, so der Volkswirt, »ist die Industrie mit einem hellblauen Auge unterwegs«.

Mit der Politik, die die Regierungen in Berlin und München an den Tag legen – nicht zuletzt auch mit dem Hin und Her in Sachen Osterruhe –, ist der Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses Traunstein als Vertreter der Unternehmen im Landkreis alles andere als zufrieden. Der Kurs sei, so Binder, »nicht sehr konsequent und führt nicht dahin, wo wir alle hin wollen – zur Normalität.«

Jens Wucherpfennig, der Leiter der IHK-Geschäftsstelle Rosenheim, sagt, dass die Corona-Politik mit der Fokussierung auf die Inzidenz »nicht mehr tragbar« sei. Vielmehr müsse die Strategie lauten »Impfen – Testen – Öffnen«. Mittlerweile fehle ihm »jegliches Verständnis für einen Lockdown ohne Ende«. pü

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