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»Die Kuh darf im heimatlichen Stall bleiben«

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Temperamentvolle gesangliche Klangfülle bot der Münchner Gospelchor »Gospels at heaven« vor rund 400 Besuchern in der Ottinger Kirche. (Foto: H. Eder)

Waging am See. Eine temperamentvolle gesangliche Klangfülle erlebten die etwa 400 Besucher beim Gospelkonzert der »Gospels at heaven« in der Ottinger Kirche. Ein Musikerlebnis, das alle mitriss, wie dem donnernden Applaus nach Ende der rund zweistündigen Darbietung zu entnehmen war.


Singend zog der Chor mit dem Song »Calling all the clans together« in die dunkle Kirche ein, ehe Scheinwerfer die rund 40 Sänger einfingen. Man wolle die Lieder mit den Besuchern teilen, sagte Charles B. Logan, der charismatische Leiter des Chors. Temperamentvolle, schnelle und rhythmisch betonte Lieder wechselten sich dann mit zurückhaltenden, leisen Gesängen ab. Und immer wieder schnappte sich auch Chorleiter Logan das Mikrofon und steckte das Publikum mit seiner ausdrucksstarken Soul-Stimme und seiner Sangesfreude an.

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War der erste Teil mitreißenden Gospels gewidmet, wie etwa »Operator«, »Glorious Day« oder »I can go to god in prayer«, so gab es dann im weiteren Verlauf des Abends auch leisere Töne zu hören, wie bei dem Lied »The Rose: Some say love«. Die Sänger kamen nicht an »Sister Act« vorbei und sangen zur Freude des Publikums das »Salve Regina« und »I will follow him«. In seinen Anmoderationen, etwa zu »They don´t care about us« scheute sich Charles B. Logan nicht, auch mal kritische und aufrüttelnde Gedanken mit einzubringen.

Einer der Höhepunkte war aus Carl Orffs »Carmina Burana« das Stück »O Fortuna« – das vermutlich stimmlich anspruchsvollste Werk des Abends – das der Chor bravourös präsentierte. Dies wurde dann auch mit langem Applaus belohnt. Leonard Cohens »Hallelujah« wurde mit einem faszinierenden Instrumental-Zwischenstück vorgetragen. Mit dem Stück »Joyful, joyful« wollten sich die Sänger verabschieden. Durch den nicht enden wollenden Applaus des Publikums angeregt, gab der Gospel-Chor noch einige Zugaben aus dem Pop-Genre, etwa Michael Jacksons »We are the world«. Als endgültigen Schluss erklang das »Amen«, bei dem sich die Besucher gerne animieren ließen, kräftig mit einzustimmen. Während der Chor allmählich aus der Kirche auszog, übernahmen die Besucher selber die letzten Klänge des Abends.

Pfarrgemeinderatsvorsitzender Manfred Stöger war der Initiator des Konzerts. Den Pfarrgemeinderat überzeugte er von seiner Idee relativ schnell – aber im Hintergrund blieb die Angst, ob das die Ottinger auch annehmen würden, ob die Kirche voll werde oder aber ob der Pfarrgemeinderat auf den Kosten sitzen bleiben würde. Als Notnagel für den Fall der Fälle habe Stöger sich nämlich vorgenommen gehabt: »Dann opfere ich halt eine von meinen Kühen.« Die Besucher quittierten dieses Geständnis zunächst mit Lachen, dann mit Beifall. Denn zu dem Zeitpunkt war aufgrund der eng besetzten Ottinger Pfarrkirche längst klar: »Die Kuh darf im heimatlichen Stall bleiben.« he