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»Die Kosten sprengen jeden für uns vertretbaren Rahmen«

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Das Sanitärgebäude am Campingplatz in Taching wird vorerst weder saniert, noch neu gebaut. Darauf verständigte sich der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung. Unabhängig von dieser Entscheidung will man jedoch an der Weiterentwicklung des Campingplatzes arbeiten. (Foto: Aßmann)

Taching am See – Das Sanitärgebäude am Campingplatz in Taching wird vorerst weder saniert, noch neu gebaut. Darauf verständigte sich der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung mehrheitlich. Grund sind die hohen Kosten, das negative Ergebnis der Wirtschaftlichkeitsprüfung sowie die bestehenden Unwägbarkeiten, unter anderem aufgrund der Eigentumsverhältnisse.


Vor dem Votum schilderte Bürgermeisterin Ursula Haas noch einmal die Stationen der schwierigen Entscheidungsfindung. Seit knapp zwei Jahren beschäftigt sich das Tachinger Kommunalparlament intensiv mit der Thematik. Zunächst wurden die Kosten für einen Neubau auf rund 887 650 Euro netto geschätzt. »Aber bereits damals wurde erwähnt, dass die Möglichkeit einer Sanierung nicht außer Acht gelassen werden soll«, erinnerte Haas. Daher verständigte sich der Gemeinderat darauf, zusätzlich die Kosten für eine Instandsetzung zu ermitteln, da man bezweifelte, dass die Kosten für Heizung, Lüftung, Sanitär (HLS) ausreichend hoch geschätzt waren.

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Kosten für Sanierung höher als für Neubau

Im Zuge eines möglichen Sanierungskonzepts wurden dem Gemeinderat im Februar nunmehr die exakten HLS-Kosten vorgestellt, die mit nahezu 670 000 Euro zu Buche geschlagen wären. »Addiert man dazu noch die eigentlichen Baukosten von fast 632 000 Euro netto, so ist für einen Neubau mit einer Investition von rund 1,3 Millionen Euro zu rechnen«, erklärte Haas. Die Kosten für eine Instandsetzung, bei der die Ausgaben für Heizung, Lüftung, Sanitär unverändert geblieben wären, hätten sogar noch etwas höher gelegen als die Investition für den Neubau.

»Diese Erkenntnis stellte den Gemeinderat vor völlig veränderte Tatsachen. Die Kosten, egal ob neu gebaut oder saniert wird, sind wesentlich höher als angenommen«, lautete das Fazit der Bürgermeisterin. Auch die von Kämmerer Bernhard Kraus aufgrund der neuen Zahlen vorgenommenen Kalkulation ergab, dass ein wirtschaftlicher Betrieb nicht mehr möglich sei. »Die notwendige Preiserhöhung hätte einen nicht mehr wettbewerbsfähigen Preis ergeben. Die Gebühren hätten in diesem Fall weit über denen des Waginger Campingplatzes gelegen. Und hier handelt es sich um eine Fünf-Sterne-Einrichtung«, erklärte Haas und gab zu bedenken, dass der Campingbetrieb eine rein freiwillige Aufgabe sei.

Gemeinde hat noch weitere Verpflichtungen

»Es ist daher gut zu überlegen, ob für dieses Projekt Mittel aus den Rücklagen verwendet werden sollten«, so die Gemeindechefin, die in diesem Zusammenhang an weitere anstehende gemeindliche Pflichtaufgaben erinnerte, deren Umsetzung noch viel Geld kosten werden. Auch bei der Klausurtagung des Gemeinderats in Thierhaupten habe die weitere Vorgehensweise bezüglich des Sanitärgebäudes auf der Tagesordnung ganz oben gestanden.

Michael Kaiser rechtfertigte die zusätzlich entstandenen Kosten für die Gemeinde. »Kein Euro ist durch die Erstellung des Gutachtens verschwendet worden. Denn erst durch das Sanierungskonzept waren ein Vergleich und letztlich eine objektive Entscheidungsfindung möglich. Die Kosten sprengen jeden für uns vertretbaren Rahmen.« Dritte Bürgermeisterin Bärbel Mayer bekräftigte, dass die Gemeinde – unabhängig von der Entscheidung pro oder contra Sanitärgebäude – weiter an der Gestaltung des Campingplatzes weiterarbeiten wolle. Zweiter Bürgermeister Christoph Wamsler regte an, sich vielmehr über Konzepte zur Gewinnung eines neuen Gästeklientels Gedanken zu machen.

Ebenfalls mehrheitlich abgelehnt wurde der Antrag der Firma City Bay, in einem der gemeindlichen Seebäder einen aufblasbaren Kletterturm aufzustellen. Ursprünglich hatte das Unternehmen aus Neuötting das Klettermodul in Form eines Eisbergs im Leitgeringer See in Tittmoning aufgestellt. Dort war das Wasserspielzeug aber aus haftungsrechtlichen Gründen wieder entfernt worden.

Bedenken wegen der Haftungsfrage

Auch die Bürgermeisterin hatte Bedenken wegen der Haftungsfrage. Sie erinnerte an einen Fall in der Gemeinde, in dem eine Zivilklage persönlich gegen den seinerzeit amtierenden Bürgermeister gerichtet wurde. Zwar verfüge die Kommune über eine Haftpflichtversicherung, doch falls die Versicherungsgesellschaft ein erhöhtes Unfallrisiko feststelle, könne es durchaus vorkommen, dass der Versicherungsvertrag nicht aufrecht erhalten werde. »Das möchte ich keinesfalls haben«, betonte die Gemeindechefin.

Sprungtürme mit großem Aufwand installiert

Haas erinnerte an die neuen Sprungtürme, die vor einigen Jahren mit großem Aufwand installiert worden waren: »Seinerzeit waren als Alternative auch Eisberge angedacht, die jedoch abgelehnt wurden.« Erich Koller verwies in diesem Zusammenhang auf die geltende Plakatierverordnung der Gemeinde, mit der ausufernde Werbung aus dem Ortsbild herausgehalten werden soll. »Und in einem unserer Strandbäder würden wir dann einen Eisberg installieren, der als Werbeträger für eine ortsfremde Firma dient«, gab er zu bedenken.

Ein Teil des Gemeinderats konnte die vorgebrachten Erwägungen nicht recht nachvollziehen. »Wenn es danach geht, dürfen wir gar nichts mehr machen«, erwiderte Zweiter Bürgermeister Christoph Wamsler, der sich dafür stark machte, den Kletter-Eisberg unter Einhaltung strikter Vorgaben zur Absicherung aufzustellen. Auch Michael Kaiser war dem Gedanken nicht abgeneigt, befürwortete jedoch, dass sämtliche Kosten für Genehmigung und Versicherung von der Firma City Bay getragen werden. Letztlich fand sich im Kommunalgremium allerdings keine Mehrheit für das Klettermodul. mia