weather-image

Die »Königin der Alpenseen«

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Dr. Ulrich Wunner beim Ausbringen der Seeforelleneier, beaufsichtigt von der Labradordame »Paula«.

Seeforellen aus dem Chiemsee hatten früher einen internationalen Ruf, der bis nach England reichte. Eine Begegnung mit der »Königin der Alpenseen« war für viele frühe (und betuchte) Touristen ein Grund, den Weg aus dem fernen England nach Bayern auf sich zu nehmen. Inzwischen ist die Seeforelle selten geworden. Das soll sich wieder ändern. 10 000 frisch befruchtete Seeforelleneier wurden deshalb von der Fischereifachberatung des Bezirks Oberbayern in den Schlechinger Bach, ein Seitengewässer der Tiroler Achen, eingebracht.


Durch die umfangreichen Baggerarbeiten im Flussbett der Achen im Anschluss an das zerstörerische Junihochwasser war der Fischbestand erheblich beeinträchtigt worden. Die Fischereiberechtigten bemühen sich derzeit, mit Unterstützung der Fischereifachberatung, die Fischfauna dieses Alpenflusses wieder auf die Beine zu bekommen. Neben Seeforellen werden auch junge Äschen und Bachforellen besetzt.

Anzeige

Massive Bauchschmerzen bereiten den Fachleuten aber die Pläne, neue Wasserkraftanlagen in den Fluss einzubauen. »Wir haben große Sorge, dass die jungen Seeforellen bei ihrer Wanderung in den Chiemsee in den Turbinen der Wasserkraftanlagen getötet werden – das ganze Bemühen, diese einmalige Fischart wieder einzubürgern, wäre in Frage gestellt«, warnt Dr. Ulrich Wunner, Fachberater für Fischerei beim Bezirk Oberbayern. Die Seeforelle kam bis in die 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts in großen Exemplaren im Chiemsee vor. Sie wird auch Chiemseelachs genannt. Durch den Besatz mit Eiern im Oberlauf der Achen möchte Dr. Wunner bei laichreifen Tieren den sogenannten homing-Effekt auslösen: Danach schwimmen, wie beim Lachs, zur Fortpflanzung die Eltertiere an den Ort zurück, wo sie geboren wurden. Dass sie sich genau an diesen Platz erinnern können, gehört zu den Geheimnissen unserer heimischen Unterwasserwelt. Und früher schwammen zur Hochzeit die Seeforellen die Achen vom Chiemsee hinauf bis ins Kössener Tal.