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»Die Kinder sind traumatisiert«

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Ein Bild aus glücklichen Tagen: In diesem Heim, gebaut vom Waginger Nepal-Hilfe-Verein, in der Nähe von Kathmandu lebten die Buben und Mädchen bis zur Erdbebenkatastrophe. Nun teilen sie sich alle zusammen einen 20 Quadratmeter großen Raum.

Waging am See – »Nepal ist ein wunderschönes Land«, sagt Johann Burlefinger. »Doch so wie es einmal war, so wird es nach der Katastrophe nie mehr wieder sein. Das stimmt mich sehr, sehr traurig.« Der Vorsitzende des Waginger »Vereins der Freunde zur Förderung von Kindern und Jugendlichen in Nepal und der Dritten Welt« war erst vor zwei Wochen in dem kleinen Land zwischen China und Indien. Dort besuchten er und seine Tochter das Kinderheim, das der Verein in der Nähe von Kathmandu aufgebaut hat.


»Die Nächte sind bitterkalt«

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»Wir hatten wirklich riesiges Glück. Eigentlich wollten wir später fliegen, doch dann konnte meine Tochter nur von 7. bis 15. April. Ich weiß nicht, ob wir sonst noch leben würden«, sagt der 66-Jährige. Seit der Katastrophe in Nepal klingelt bei Johann Burlefinger fast ununterbrochen das Telefon. »Es gibt viel zu organisieren und viele Anfragen. Die Leute wollen wissen, wie sie helfen können.«

Das Kinderheim in der Nähe von Kathmandu ist stark beschädigt. »Wir haben es erdbebensicher gebaut, deshalb ist es nicht eingestürzt«, erzählt Johann Burlefinger. »Unsere Kinder blieben deshalb alle unverletzt.« Doch das Gebäude kann derzeit nicht bewohnt werden und muss vermutlich abgerissen werden. Die 15 Mädchen und drei Buben wurden vorübergehend in einem 20 Quadratmeter großen Zimmer untergebracht. »Sie sind sehr glücklich damit, denn sie haben ein Dach über dem Kopf. Es regnet sehr viel und die Nächte sind bitterkalt.«

Das Heim wurde 2001 fertiggestellt. Der Waginger Verein hat mit Hilfe von Spenden 95 000 Euro in das Projekt gesteckt, um verwaisten oder halbverwaisten Kindern in Nepal zu helfen. »Wie es jetzt weitergeht, wissen wir nicht«, sagt Johann Burlefinger. Der Neubau eines Heims stehe erst mal nicht an. »Zunächst schauen wir, dass wir eine Wohnung mieten können. Außerdem müssen wir die Versorgung der Kinder sicherstellen. Sie müssen zu einem normalen Leben zurückfinden, denn sie sind traumatisiert.« Zum Zeitpunkt des Erdbebens waren die Kinder mit ihrer Heimleiterin Sangita Udas im dritten Stock des Hauses. »Sie sind dann sofort nach unten gelaufen, zum Teil mussten sie springen, weil die Treppe weggebrochen war«, erzählt der 66-Jährige. Das Schlimme sei, dass es ständig Nachbeben gebe. »Alle haben große Angst.« Doch zumindest konnte Sangita Udas Lebensmittel für die Kinder ergattern, »wenn auch zu horrenden Preisen.«

Der Vereinsvorsitzende war seit 2006 zehn bis zwölf Mal in Nepal. So genau hat er nicht mitgezählt. »Wir werden nie erfahren, wieviele Tote es bei der Katastrophe wirklich gab.« Viele Dörfer seien nur zu Fuß erreichbar und auch die Straßen seien oft in sehr schlechtem Zustand. »Da kommt man gar nicht hin. Die Toten werden, wie es im Hinduismus Brauch ist, verbrannt. Eine genaue Zahl wird da nie ermittelt werden.« Der 66-Jährige geht davon aus, dass in vielen Dörfern 80 bis 90 Prozent der Häuser zerstört sind. Das Tragische: Die Menschen hatten vorher schon wenig, jetzt haben sie nichts mehr. »Ich liebe dieses Land. Aber wenn ich eine Woche dort war, dann bin ich immer auch wieder froh, heimzufahren. Denn die bittere Armut der Menschen geht auf die Psyche.«

Deshalb will Burlefinger in seinem Engagement nicht nachlassen und die Nepalesen so gut es geht unterstützen. Wer helfen möchte, kann auf folgendes Konto spenden: Verein zur Förderung von Kindern in Nepal, VR-Bank Oberbayern, IBAN: DE64 7109 0000 0104 6361 80. KR