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»Die jungen Leute wollen nicht alleine gelassen werden«

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Die dritten Traunsteiner Medientage wurden mit einer Podiumsdiskussion eröffnet. Mit Moderatorin Evi Dettl (von links) diskutierten Stefan Stadler vom Jugendzentrum Traunreut, Student und Gamer Jan Gündisch, Sebastian Ring vom JFF-Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis in München, Student und Gamer Max Hohlweck sowie Oberbürgermeister Christian Kegel.

Traunstein – Offiziell eröffnet wurden bei einer Podiumsdiskussion die dritten Traunsteiner Medienwochen von Oberbürgermeister Christian Kegel. Veranstaltet werden diese von Q3, dem Quartier für Medien, Bildung und Abenteuer, sowie der Stadtbücherei Traunstein. Auf Kinder, Jugendliche und Erwachsene warten bis 30. April in Traunstein und Traunreut rund 15 Veranstaltungen zu Internet, Radio, Trickfilm, Games, Lesevergnügen und vieles mehr.


»Die neue Welt der Medien bringt viel Positives mit, aber auch Negatives«, stellte Kegel in seinem Grußwort fest. Damit vernünftig umzugehen, müsse von Jung und Alt erlernt werden. Neben Kegel nahmen Sebastian Ring vom JFF-Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis in München, Stefan Stadler vom Jugendzentrum Traunreut und die beiden Studenten und passionierten Gamer, Max Hohlweck und Jan Gündisch, an der Podiumsdiskussion zum Thema »Game Over – eine Katze hat sieben Leben, ein Gamer Tausende« teil.

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Kommunikation über den »sozialen Raum Internet«

Laut Moderatorin Evi Dettl denke man bei dem Thema gleich an »Ego-Shooter-Spiele und aggressive Kinder«, aber das »Mensch ärgere dich nicht«-Spiel könne ja in Familien durchaus auch zu Aggressionen führen. Ärgerlich seien die vielen Vorurteile und Klischees, dass man als Gamer alleine in einem Keller sitze, Tag und Nacht Shooter-Games spiele, vereinsame und automatisch sozialschädliche Verhaltensweisen annehme, waren sich Hohlweck und Gündisch einig. In der Realität spiele man mit Freunden und kommuniziere auch über den »sozialen Raum Internet« ständig miteinander.

Bei »World of Warcraft« habe er es in acht Jahren auf 1800 Spielminuten gebracht«, erzählte Hohlweck. Er habe seine Zocker-Leidenschaft aber »total im Griff«. Ansonsten hätte er sein Abitur nicht geschafft und auch Probleme bei seinem Chemie-Studium.

Wenn man die 1800 Zockerstunden herunterrechne, seien dies »etwa 200 Stunden im Jahr, 40 in der Woche und fünf Stunden am Tag«, da relativiere sich das schon, meinte Sebastian Ring. »So viel hat meine Oma auch am Tag Fernsehen geschaut«. Es sei sicherlich falsch, Amokläufe allein auf brutale PC- und Konsolen-Spiele zurückzuführen, da müsse man tiefer an die Wurzeln herangehen, soziale Probleme ansprechen und sich vor allem mit den jungen Menschen beschäftigen, so Stefan Stadler. Es gelte, der Jugend in ihrer Freizeit attraktive Alternativen anzubieten, beispielsweise in den Sportvereinen, riet Ring. Im Jugendzentrum Traunreut schaue er genau darauf, dass die Spielerei nicht aus dem Ruder laufe, da gebe es klare Regeln, so Stadler.

Der beste Weg liege wie so häufig in der Mitte, meinte Kegel. »Die jungen Leute wollen nicht alleine gelassen werden, sie fordern Orientierung und erwarten das auch von uns«. Es wäre sicherlich falsch, Facebook oder andere neue Medien pauschal zu verurteilen, es sei aber sehr bedenklich, wenn man negative Inhalte reinstelle, ohne dafür die Verantwortung übernehmen zu müssen, so der Oberbürgermeister. Es gebe keine virtuelle Welt, dahinter stünden auch immer Personen, fügte Stadler an.

Bedauerlich sei laut Kegel, dass das großartige Kulturgut Sprache immer mehr verkümmere und es vor allem bei jungen Menschen keine gesunde Streit- und Diskussionskultur mehr gebe, bei der man sich mit einem Themenbereich intensiv auseinandersetze, sich seine eigene Meinung bilden und diese argumentativ vertreten müsse. Auch in den Medien werde man zunehmend mit reißerischen Schlagzeilen konfrontiert. Hohlweck gab zu, dass man als »Zocker« die Fähigkeit haben sollte, zu reflektieren, um die Dinge auch richtig einordnen zu können. Als Gamer habe man auch eine soziale Aufgabe, eine Verantwortung für die Mitspieler, denn man gewinne und verliere zusammen. Eltern würden ihre Kinder niemals während eines Fußballspiels vom Platz zerren, aber vom PC in einer »Gaming-Session« schon, kritisierte Hohlweck. Auch seine Mutter habe sich oft Sorgen gemacht, »bis ich sie einmal vor die Xbox gezogen habe«.

Beratungsstellen helfen bei Suchtproblemen

Die Frage von Walburga Mörtl-Körner, ob man mit Computerspielen auch eine ethisch-moralische Erziehung erzielen könne, wurde von Ring klar bejaht. Er schreibe darüber gerade eine Doktorarbeit. Bei schwerwiegenden Suchtproblemen gebe es Beratungsstellen und die Möglichkeit von Verhaltenstherapien, gab Ring zu bedenken. mmü