weather-image
24°

Die Jagd am Schneckenberg wird immer schwieriger

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Bürgermeister Klaus Ritter, Claudio Beilhack vom Ordnungsamt, Jäger und Waldbesitzer trafen sich zum Ortstermin im Wald am Schneckenberg. ( Foto: Mix)

Traunreut – Der Wald am Schneckenberg zwischen Traunreut und Poschmühle ist ein beliebtes Naherholungsgebiet für viele Bürger aus der Stadt und wird gern genutzt für Spaziergänge und zum Joggen. Und viele Hundebesitzer lassen ihre Vierbeiner dort frei laufen. Für die Jäger, die dafür verantwortlich sind, dass der Verbiss in den Wäldern in Grenzen gehalten wird, ist es zunehmend schwieriger geworden, die Jagd in diesem Gebiet ordnungsgemäß auszuführen. Bürgermeister Klaus Ritter besprach bei einem Ortstermin mit Jägern und Waldbesitzern mögliche Maßnahmen, um die Situation zu verbessern.


Deutlich hervorgehoben wurde bei diesem Gespräch, dass der Wald am Schneckenberg im Privatbesitz mehrerer Waldbesitzer ist. Es gebe zwar ein freies Betretungsrecht für die Bürger, allerdings müssten die Rechte der Besitzer geachtet und respektiert werden. Förster Hans-Peter Heinisch erläuterte, warum die Jagd für den Wald so wichtig ist. Aufgrund des Klimawandels und der Erderwärmung müsse auf lange Sicht ein Waldumbau stattfinden, weg von den bisher vorherrschenden Fichten hin zu einem Klima-toleranten Mischwald, in dem auch Tannen, Buchen und Edellaubgehölze wachsen.

Anzeige

Gerade im Bereich Schneckenberg werde immer wieder ein erhöhter Verbiss der jungen Pflanzen durch Rehe festgestellt, sodass diese gar nicht hoch kommen können. »Die Belastung in diesem Gebiet ist nach wie vor zu hoch, es gibt zu viele Rehe, als dass die Naturverjüngung eine Chance hätte. Aus forstlicher Sicht ist deshalb die Jagd wichtig und notwendig, der Jäger muss für einen angepassten Wildbestand sorgen«, so der Förster. Die durch Anflug aufgehenden Pflanzen und auch von den Besitzern eingesetzte Bäume sollten sich frei entfalten können. Die Jagd sei zum einen im Sinne der Waldbesitzer, die für nachfolgende Generationen den Wald aufforsten und erhalten. Aber auch für die Bevölkerung sei es von Nutzen, wenn der Wald gepflegt und nicht auf lange Frist zerstört wird, weil keine Verjüngung möglich ist. Deshalb werde an die Spaziergänger appelliert, Rücksicht zu nehmen und Verständnis zu zeigen.

Bürgermeister Klaus Ritter will zunächst auf Aufklärung und Information setzen. Die Jäger werden am Schneckenberg verstärkt Broschüren des Bayerischen Jagdverbandes an Spaziergänger verteilen, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Darin ist unter anderem nachzulesen, welche Rechte und Pflichten Hundebesitzer im Wald haben, dass sie verpflichtet seien, »mit der Natur und Landschaft pfleglich umzugehen und auf die Belange der Eigentümer und Nutzungsberechtigten Rücksicht zu nehmen«. Schilder mit der Bitte, Hunde anzuleinen und im Wald nicht frei laufen zu lassen, wurden bereits im Wald am Schneckenberg aufgehängt, dennoch gibt es noch immer Unvernünftige. Etwa ein halbes Jahr lang will das Stadtoberhaupt nun abwarten, ob sich die Situation verbessert. »Wenn dies nicht der Fall ist, müssen wir andere Maßnahmen ergreifen und ein Anleingebot in diesem Waldstück erlassen«, so Klaus Ritter. Ein weiterer drastischer Schritt, auf den er aber gerne verzichten würde, wäre ein totales Hundeverbot in diesem Bereich mit empfindlichen Strafen bei Nichtbeachtung.

Ein weiteres Problem neben den freilaufenden Hunden war Thema der Ortsbesichtigung: Es finden sich im ganzen Wald verteilt immer wieder gefüllte Tüten mit Hundekot. Die Stadt Traunreut hat über 30 Hundetoiletten im Stadtgebiet und auch an den Eingängen zum Wald am Schneckenberg aufstellen lassen, damit die Hinterlassenschaften der Tiere entsorgt werden können. Es sei aber nicht Sinn der Sache, dass diese gefüllten Plastiktüten dann einfach in den Wald geworfen werden und dieser mit den nicht verrottenden Tüten verdreckt wird, so Claudio Beilhack vom Ordnungsamt. Dafür stünden die Hundetoiletten bereit oder man müsse die Tüten daheim im Hausmüll entsorgen. Claudio Beilhack betonte: »Was wir brauchen, ist eine Symbiose zwischen Waldbesitzern, Jägern und Bürgern. Schließlich sollen unsere Nachkommen auch noch was vom Wald haben.« Konrad Winkler, Stellvertretender Vorsitzender der Jagdgenossenschaft Stein, wies darauf hin, dass die Waldbesitzer die Pflicht hätten, den Wald im Sinne des Gemeinwohles zu schützen und erhalten.

Ein Waldbesitzer erklärte bei der Gelegenheit auch die Bedeutung der farbigen Klammern an der Spitze junger Bäumchen. Sie würden am Haupttrieb angebracht, um diesen vor Verbiss zu schützen, und sollten nicht mutwillig entfernt werden. mix