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Die Hoffnungen erfüllten sich nicht

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Dieses »Militärdiplom«, eine Urkunde vom 15. Juni 64 n. Chr., ist laut Kreisheimatpfleger Dr. Christian Soika die älteste exakt datierbare Urkunde Bayerns. Das Bronzetäfelchen wurde 1842 bei Geiselprechting gefunden. Die Suche nach dem zweiten Teil der Urkunde war bislang vergeblich.

Vachendorf – Der Weiler Geiselprechting kann mit einem besonderen Superlativ aufwarten: Hier wurde 1842 ein Teil eines sogenannten römischen Militärdiploms gefunden, das Kreisheimatpfleger Dr. Christian Soika in einer Publikation als die älteste exakt datierbare Urkunde Bayerns identifizierte.


Es ist ein Bronzetäfelchen mit einer eingearbeiteten Inschrift, die besagt, dass der ehrenhaft aus der römischen Legion entlassene Soldat Cattaus nach 25-jähriger Dienstzeit am 15. Juni 64 n. Chr. mit Übergabe dieser Urkunde das römische Bürgerrecht erhielt, mit dem zahlreiche Privilegien verbunden waren.

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Urkunde berechtigte zum Heiraten

So war dies zum Beispiel die Schenkung eines Stück Landes. Eine solche Urkunde berechtigte den Soldaten auch, offiziell seine Frau, mit der er vielleicht schon vorher zusammengelebt hatte, zu heiraten.

Diese »Militärdiplom« genannte Urkunde bestand ursprünglich aus zwei Tafeln, von denen heute nur noch eine vorhanden ist. Eine originalgetreue Kopie ist im Römermuseum Multerer in Grabenstätt zu besichtigen, das Original befindet sich bei der Archäologischen Staatssammlung in München.

Hoffnung auf weiteren Fund erfüllte sich nicht

Jetzt ergab sich die Gelegenheit, den wegen des Superlatives für Bayern bedeutenden Fundort in Geiselprechting archäologisch zu untersuchen und eventuell den fehlenden Teil der Urkunde zu finden, weil an der Fundstelle ein Bauvorhaben des heutigen Eigentümers anstand. Aber trotz der intensiven Nachschau mit Hilfe einer archäologischen Grabungsfirma erfüllte sich die Hoffnung des Kreisheimatpflegers nicht.

Auch von der schwarzen Erdschicht, die laut dem Bericht des 19. Jahrhunderts den Fundplatz umgab, fand sich keine Spur mehr. Auch wenn das Ergebnis der Nachforschungen Fragen offenlässt und die älteste bayerische Urkunde unvollständig bleibt, kann man die untersuchte Fläche nun als möglichen Fundort von der Denkmalliste streichen, was zumindest den Eigentümer freut, der nun ungehindert bauen kann. fb

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