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»Die Hochwasserschäden sind hausgemacht«

Traunreut. »Nach dem Hochwasser hab ich schon überlegt, ob ich überhaupt weitermache«, sagt Georg Reithmeier und meint damit seine Fischbecken bei Hörpolding, die bei dem Hochwasser im Juni stark beschädigt wurden. Er hat in den letzten Wochen viel Zeit und Arbeit investiert, um alles wieder in Ordnung zu bringen und um sein kleines Naturparadies auch weiterhin genießen zu können.

Jetzt wurde das Gelände wieder hergerichtet, ein neuer Zaun mit einer neuen Tür und frischem Blumenschmuck davor lässt es aussehen wie vor dem Hochwasser.

»Ich weiß schon, dass das hier Hochwassergebiet ist«

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Der Hobby-Fischzüchter sagt jedoch: »Bei mir war es nicht so schlimm mit dem Hochwasser, viel schlimmer betroffen sind da Leute, bei denen das Wasser im Wohnhaus war. Für mich ist das hier ja reines Freizeitvergnügen.« So hat er wie schon manches Mal zuvor wieder die Schäden des Hochwassers beseitigt und alles wieder auf Vordermann gebracht. »Ich weiß schon, dass das hier Hochwassergebiet ist, das hatten wir schon einige Male«, erzählt Georg Reithmeier.

Auch Anfang Juni sah er das Unheil schon kommen und räumte die Hütte an seinen Fischweihern aus. Das Fischfutter und Geräte brachte er zuhause in Sicherheit, andere Dinge stellte er höher und die Sitzbank vor der Hütte band er fest, damit sie ihm nicht wieder wegschwimmen konnte. Ganz so hoch wie 2002 stieg das Wasser diesmal nicht, der Höchststand blieb 15 Zentimeter unter dem damaligen, aber in die Hütte lief es trotzdem.

Der Schutzzaun, den er gegen den Kormoran über seine Fischbecken gespannt hat, wurde zum Teil weggerissen. In die Becken wurde eine tiefe Mulde gerissen, die er mit 100 Kubikmetern Kies wieder auffüllte. Die Holztür zum Grundstück ging kaputt, der Zaun wurde komplett umgelegt, der Blumenschmuck musste neu angepflanzt werden. »In dem Busch vor der Hütte war ein Nest einer Goldammer mit Jungen drin, das war nach dem Hochwasser weg. Und rund 100 Fische wurden auch weggeschwemmt«, berichtet Reithmeier, der die Fische zum eigenen Verzehr und für die Familie züchtet.

Manchmal kann man einen Eisvogel beobachten

So hat er sich am Radweg von Hörpolding nach Pertenstein ein kleines Naturparadies geschaffen, in dem sich nicht nur er gerne aufhält. Wenn er auf der Bank vor der Hütte sitze, könne er manchmal einen Eisvogel beobachten. Auch Zaunkönige seien oft zu Gast, und vor kurzem habe er sogar Aale in seinen Becken gefunden, die offenbar von der Traun aufwärts in die Fischwasser gewandert waren.

Gerne empfängt Reithmeier Besuch, etwa Mutter-Kind-Gruppen, die einiges über die Fischzucht erfahren und Fische beobachten können. Auch für seine Enkel ist das Gelände ideal, um die Natur zu entdecken, Tiere und Pflanzen kennenzulernen. Weniger begeistert ist er von dem Biber, der immer wieder mal vorbei schaut und unter anderem die Rohrkolben am Gewässerrand abfrisst.

Die Schäden sind von Menschenhand gemacht

»Aber die Schäden vom Hochwasser sind nicht Gott gegeben, sie sind schon von Menschenhand erzeugt«, ist er überzeugt. Seit in Pertenstein ein Stück oberhalb ein E-Werk am Mühlbach errichtet wurde, gebe es häufigere und heftigere Hochwasserschäden am weiteren Verlauf des Baches. Für das E-Werk sei der Bach tiefer gelegt worden. Er fasse jetzt etwa die dreifache Wassermenge im Vergleich zu vorher. Bei Hochwasser ergebe sich ein Rückstau an der Engstelle, das Wasser könne nicht mehr ablaufen, so dass die Gegend weitläufig überschwemmt werde. Schließlich sei ganz in der Nähe auch das Wasserschutzgebiet des Harter Brunnens.

Er habe schon bei der Planung des E-Werks auf die Probleme aufmerksam gemacht, aber seine Mahnung sei nicht gehört worden. »Ich betone ausdrücklich, dass ich die Nutzung der Wasserkraft durchaus bejahe«, meint Reithmeier, »aber es müssen entsprechende Schutzmaßnahmen ergriffen werden.« Nach den jüngsten Schäden hat er nun dem Wasserwirtschaftsamt einen Vorschlag unterbreitet für Schutzvorkehrungen. mix