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Die Hauptsaison für Pilzsammler hat begonnen

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Die zur Kappenmitte hin leicht ins Lila wechselnde Farbe ist charakteristisch für den Amethystpfifferling. (Foto: Oberkandler)

Das Wetter ist heuer ideal für das Pilzwachstum. Die Hauptsaison für Pilzsammler hat aber erst begonnen. Wer in diesen Tagen auf Schwammerlpirsch geht, der hat beste Aussichten auf reiche Beute; zumindest aber auf eine g’schmackige Pilzmahlzeit. In den kommenden Wochen bis mindestens in die erste Oktoberhälfte hinein herrscht in den Wäldern die größte Pilzvielfalt.


Das ist in den Monaten April bis August anders. Die Saison beginnt Mitte April in den Auwäldern an den heimischen Bächen und Flüssen. Dort findet man allerdings nur Morcheln. Weiter geht es Anfang Mai in Parks und lichten Wäldern mit den Maischwammerln, die viele mit Wiesenchampignons verwechseln. Die nächsten Arten, die in den Wäldern im Landkreis auftauchen, sind Anfang Juni die Hexenröhrlinge und die Sommersteinpilze. In einem Waldstück unweit von Traunstein fand ein Sammler heuer schon am 1. Juni einige Steinpilze (wir berichteten).

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Pfifferlinge werden immer seltener

Und dann geht’s weiter mit einem der begehrtesten Speisepilze: dem Pfifferling bzw. Reherl oder Eierschwammerl. Diese sind zwar im nördlichen Landkreis in den letzten Jahrzehnten immer seltener geworden; heuer hat der Berichterstatter aber von mehreren alten Sammlern gehört, dass sie wieder vermehrt die begehrten kleinen, gelben Schwammerl gefunden haben.

Über den Rückgang der Reherl gibt es die verschiedensten Theorien: Von der Luftverschmutzung, der Überdüngung, der intensiven Bewirtschaftung der Wälder bis zum Vordringen des Springkrauts reichen die Gründe, die man vermutet. Die Beliebtheit der Reherl kommt vor allem daher, dass man sie praktisch nicht verwechseln kann und dass sie nicht von Maden befallen werden. Ihre Farbe verrät sie überdies schon von Weitem, so dass selbst Menschen, die keinen Blick für Schwammerl haben, sie nicht übersehen können.

Man braucht nicht weit zu fahren, um reiche Beute zu machen: Die Bergwälder im Landkreis Traunstein lohnen einen Pirschgang: Zinnkopf, Teisenberg, Hochplatte und die Berghänge südlich von Ruhpolding bergen interessante und ergiebige Schwammerlplätze.

Wenn man dann, ob im nördlichen Landkreis oder in den Bergen, ein Platzerl entdeckt hat, sollte man sorgfältig zu Werke gehen und die brüchigen gelben Gewächse vorsichtig aus dem Boden drehen. Selbstverständlich sollte es sein, dass man sie gleich an Ort und stelle säubert und in einem luftigen Korb verstaut. Anfänger, die vor der Pirsch ein Schwammerlbuch zu Rate ziehen, sind vielleicht irritiert, wenn sie vom »echten« Pfifferling lesen. Keine Angst: Man kann ihn ruhig mit dem »falschen« Pfifferling oder dem Trompetenpfifferling verwechseln. Sie sind ebenfalls essbar. Und viele, die glauben, »echte« Reherl gefunden zu haben, sind auf ein Nest mit sogenannten Amethystpfifferlingen gestoßen. Deren Grundfarbe ist zwar auch hellgelb; je nach Standort wechselt sie aber bis in tiefe Lilatöne hinein.

Bevorzugt findet man Reherl im Nadelwald. Der »echte« Pfifferling versteckt sich gerne unter Blaubeerstauden oder am Fuße von Farnen. Verrottete Fichtenäste bilden ebenfalls ein ideales Substrat für den begehrten Pilz. Auch der Übergang zwischen Wiese und Wald lohnt oft die Suche. Wenn man dann wirklich Erfolg hatte und eine schöne Portion im Korb hat, fehlt eigentlich nur noch eines zum wahren Glück eines Schwammerlsuchers: ein paar Steinpilze. Sie zu finden, ist der Höhepunkt jeder Pirsch. Leider sind auch Steinpilze bei uns von Jahrzehnt zu Jahrzehnt seltener geworden.

Nur mitnehmen, was man wirklich kennt!

Vor einem seien aber alle gewarnt, die dieser Beitrag ermuntert hat, selbst das Körberl zu nehmen und in den Wald zu gehen: Nur mitnehmen, was man wirklich kennt! In den letzten Wochen wuchsen in unseren Chiemgauer Hochwäldern massenhaft Gallenröhrlinge, die Steinpilzen und Maronen zum Verwechseln ähnlich sehen. Nur ein einziger dieser Pilze kann eine Schwammerlsuppe ungenießbar und gallebitter machen. Und um alles, was eine Knolle hat, sollten Laien ohnehin einen großen Bogen machen. Wer sich nicht sicher ist, ob er einen Steinpilz, Maronenröhrling oder Gallenbitterling gefunden hat, der kann gefahrlos einen Geschmackstest machen: Ein winziges Stückchen Pilz auf der Zunge genügt, um einen Gallenröhrling zu erkennen. Vergiften kann man sich damit nicht. K.O.