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»Die Guten sterben immer früh«

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Mit dem Stück »Mei bester Freind« gastierte das Chiemgauer Volkstheater im k1. Unser Bild zeigt (von links) Markus Neumaier, Michaela Heigenhauser, Andreas Kern (oben), Florian Kiml, Kathi Leitner und Flo Bauer (Foto: M. Heel)

Traunreut – Gediegene Unterhaltung bot das Chiemgauer Volkstheater bei seinem jährlichen Gastspiel im k1. Auf dem Programm stand heuer die Komödie »Mei bester Freind«, geschrieben und inszeniert von Bernd Helfrich, dem langjährigen Leiter des Theaters.


Held des Stücks ist der Bauer Sepp (Andreas Kern), eigentlich ein Mann in den besten Jahren, aber auch ein schrecklicher Hypochonder, der durch seinen Handy-Klingelton »Spiel mir das Lied vom Tod« an die Einnahme seiner unzähligen Tabletten, Pillen und Tropfen, die er gar nicht bräuchte, erinnert wird. Damit geht er seiner fürsorglich-liebevollen Frau Anna (Michaela Heigenhauser) und seiner resoluten, unternehmungslustigen Mutter Angelika beziehungsweise Oma Geli (Kathi Leitner) zwar gehörig auf die Nerven, aber darauf nimmt Sepp keine Rücksicht, überzeugt davon, dass »die Guten immer früh sterben«.

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Dramatisch wird es aber erst, als der Hausarzt Dr. Otto Kirschenhofer (Bernd Helfrich) vorbeikommt, um bei Sepps Mutter routinemäßig den Blutdruck zu prüfen. Sepp, der beim Doktor vor wenigen Tagen eine Vorsorgeuntersuchung durchführen ließ, möchte bei dieser Gelegenheit natürlich erfahren, wie es um ihn steht. Doch er wird vom Doktor auf Montag vertröstet, da würden die Ergebnisse dann vorliegen. Nur dumm, dass Sepp kurz darauf ein Telefongespräch des Doktors belauscht, in dem es um einen aussichtslosen Fall geht.

Überzeugt davon, dass er damit gemeint war und sein letztes Stündlein somit geschlagen hat, informiert Sepp seinen besten Freund, den Gastwirt und Metzgermeister Willi (Markus Neumaier), und bittet ihn, sich nach seinem Ableben um Haus und Hof und – vor allem – um seine Kutschpferde zu kümmern. Vor seiner Frau Anna hält er seinen baldigen Tod allerdings geheim, auch deswegen, weil deren Jugendbekanntschaft, der Berufsreiter Freddy Berger (Florian Kiml), gerade zu Besuch da ist und Sepp mächtig eifersüchtig macht. Doch nachdem er mit dem Bestatter Balthasar Kramer (Flo Bauer) die Beerdigungsformalitäten geregelt hat, entwickelt Sepp aus seiner anfänglichen Eifersucht einen Plan: Mit einem erfundenen Seitensprung möchte er erreichen, dass Anna auf ihn sauer ist und sich ihr Schmerz über seinen Tod so in Grenzen hält. Zum Glück taucht Dr. Kirschenhofer rechtzeitig wieder auf und erzählt Sepp, was es mit dem Telefonat auf sich hatte und dass er gesund ist.

Zügig inszeniert und bestens gespielt ließ das Stück keine Langeweile aufkommen, zumal das siebenköpfige Ensemble so spielfreudig wie glaubhaft agierte, allen voran Andreas Kern, der als eingebildeter Kranker seine Rolle mit Gusto ausfüllte. Sehr überzeugend war auch Kathi Leitner, die über ihre Rolle im Stück meinte »Eigentlich spui i mi selber …«, und als geschäftstüchtiger, leicht skurriler Bestatter fiel Flo Bauer angenehm auf, während der sonst eigentliche »Star-Akteur« Bernd Helfrich sich eher im Hintergrund hielt. sw