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Die größte und schönste Linde im Landkreis

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Chieming. Die Linde auf dem Golfplatz des Golfclubs Chiemgau Chieming bei Kötzing ist, so versichert Georg Unterhauser vom Landratsamt, die größte und schönste Linde im Landkreis Traunstein. Aber, so hat jetzt eine Untersuchung ergeben, sie ist in die Jahre gekommen und ein wenig morsch geworden. Unterhauser hat in seiner Eigenschaft als Kreisfachberater für Gartenkultur und Landespflege den Baum mit modernen Methoden, einem Schalltomographen und einem Resistographen, untersucht und dabei festgestellt, dass er innen schon stark angefault ist. Aber, so seine Botschaft: »Der Baum wird sicher noch stehen, wenn wir längst nicht mehr sind.«


Baum soll um zehn bis 15 Prozent gekürzt werden

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Allerdings sollten, so seine dringende Empfehlung an Grundstücksbesitzer Peter Siglreitmaier und den Golfclub als Pächter, etliche Maßnahmen getroffen werden, um der Linde den Alterungsprozess leichter und problemloser zu machen. Dazu schlug Unterhauser vor, den 34 Meter hohen Baum um zehn bis 15 Prozent zu verkürzen. Dadurch würde die »Segelfläche« der Krone deutlich reduziert, der Wind würde dem Baum weniger zusetzen. Auch sollte man den mächtigen Seitenast fixieren, da hier durchaus die Gefahr bestehe, dass er abbricht. Zu alledem wäre es zu empfehlen, so Unterhauser, dass das Pflaster in der Umgebung des Baums reduziert oder zumindest teilweise geöffnet würde, damit der Baum mehr Wasser bekommt, das derzeit aufgrund des dichten Pflasters größtenteils einfach vorbeifließt, ohne dass etwas versickern kann.

Die wichtigste Methode, das Innenleben eines Baumes zu bestimmen, ist die sogenannte Schalltomographie. Dabei werden von allen Seiten aus über Sensoren Schallwellen durch den Baum geschickt. Die Geschwindigkeit, mit der diese Schallwellen durch den Baum »jagen«, wird von einem Computer aufgezeichnet: grüne Linie bedeuten eine hohe Geschwindigkeit, damit festes Holz, also guten Zustand, bei gelben Linien ist die Holzfestigkeit eher mäßig, und sind die Linien rot, ist das Holz schlicht und einfach »defekt«. Zum Senden der klopft Unterhauser mit einem Hämmerchen je zehn Mal auf die Sensoren.

Sind die Schallwellen gesendet und aufgezeichnet, beginnt der Computer einen Rechenvorgang, an dessen Ende wiederum ein farblich abgesetzter »Schnitt« durch den Baumstamm steht. Die Linde von Kötzing hat einen Durchmesser von zwei Metern und hat einen Umfang von rund sechs Metern; der Stamm wurde von 13 mit Kabeln verbundenen Sensoren umfasst. Der farbige Schnitt am Computer-Bildschirm ergab das von Unterhauser schon vorausgesehene Bild: sehr viel Rot (Stammfäule) im inneren Bereich und nach einer kleinen gelben Zwischenschicht ein grüner Außenrand, der, so Unterhausers Fazit, noch eine ausreichende Standfestigkeit bedeute. Das müsse man sich wie ein Rohr vorstellen, erklärt er: Selbst wenn der Baum im Inneren hohl wäre, würde trotzdem die durchschnittlich 40 Zentimeter starke Außenwand den Stamm aufrechterhalten.

Die Stärke dieser Außenwand kann man mit Hilfe eines Resistographen fast auf den Zentimeter genau ermitteln. Demnach hat die Linde von Kötzing auf der einen Seite etwa 34 Zentimeter gesundes Holz, auf der anderen Seite sogar noch zehn Zentimeter mehr.

»Der Baum ist so eine Art Wahrzeichen«

»Wir sind noch im grünen Bereich«, fasst Unterhauser seine Messergebnisse zusammen. Besitzer Peter Siglreitmaier und zahlreiche Golfspieler, die sich natürlich dafür interessierten, was da geschah, vernahmen dies mit Erleichterung. Denn – das kam in vielfacher Weise heraus – die Golfspieler lieben ihre Linde. Und von daher zweifelt Siglreitmaier auch nicht daran, dass das notwendige Geld für die Sanierung des Baums – maximal etliche tausend Euro – sicherlich aufgebracht werde. »Der Baum ist so eine Art Wahrzeichen«, so Siglreitmaier.

Unterhauser sieht den Zustand der Linde keineswegs tragisch. Seiner Größe und Ausdehnung nach dürfte der Baum wohl durchaus schon um die 350 Jahre alt sein. Wegen seiner Größe und seines hohen Alters ist er zum »Naturdenkmal« erklärt worden, eine Ehre, die im Landkreis maximal 15 weitere Bäume teilen. Das heißt, er darf nicht gefällt und an ihm darf nichts verändert werden. he