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Die Grassauer Totenkapelle wird restauriert

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Das Deckenfresko in der Totenkapelle zeigt die Darstellung des »guten Todes«, wobei ein kleiner Engel die Seele des Sterbenden einfängt. (Foto: T. Eder)

Grassau – Die Totenkapelle, ein kleiner Nebenraum der Kirche soll in nächster Zeit aufwändig restauriert werden. Hierfür beantragte das Ordinariat München einen gemeindlichen Zuschuss von 7800 Euro. Dabei kostet die Restaurierung rund 156 000 Euro. Einhellig stimmte der Marktgemeinderat dem Zuschuss in seiner jüngsten Sitzung zu.


Nördlich des Haupteingangs des großen Kirchenportals befindet sich die Kriegergedächtniskapelle, die früher als Totenkapelle eine besondere Bedeutung hatte. Der quadratische Raum mit Sternrippengewölbe entstand im 15. Jahrhundert und wurde um 1700 wahrscheinlich nach den Vorstellungen des damaligen Pfarrers Matthias Winkler ausgemalt.

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Der bekannte Kirchenmaler Jacob Carnutsch aus Prien übernahm damals die kunstvolle Gestaltung. Geprägt ist der kleine Raum durch das Gewölbefresko mit der Darstellung des »guten Todes«. Zu sehen ist ein Sterbender auf dem Totenbett, umringt von seinen Angehörigen und dem Priester. Umgeben ist das Fresko von acht Kartuschenfresken mit schriftlicher Erklärung von Macht und Wirkung des Todes. Dies zusammen soll eine barocke Abwandlung des spätmittelalterlichen Totentanzes darstellen.

Skelettdarstellungen wie auch gemalte Totenschädel deuten auf die Vergänglichkeit des Menschen hin. Auch ein kleiner Altar ist zu sehen. Dieser ist in grau-schwarz gehalten und ähnlich gestaltet wie die Altäre im Haupthaus. An der Südwand über dem Eingang ist zudem ein halbrundes Gemälde, das jedoch bei normalem Licht kaum mehr erkennbar ist.

Auch gotische Fresken sollen sich an Wänden befinden, die aber übertüncht wurden. Als Zufluchtsort und Ort der Besinnung hatte die Kapelle früher eine Bedeutung. Nicht nur der Tod und die Vergänglichkeit werden hier dargestellt, sondern auch die Zuversicht auf ein Leben nach dem Tod. Hierfür steht der kleine Engel am Deckenfresko, der symbolisch die Seele als Rauchwolke einfängt. Über der Totenkapelle soll sich der Überlieferung nach auch eine nicht zugängliche Schatzkammer befinden.

Die Grassauer Pfarrkirche gehört zu den kunsthistorisch wertvollsten Kirchenhäusern des Chiemgaus. Über viele Jahre hinweg wurde die Kirche mit erheblichen Kosten saniert. Nun steht die Totenkapelle an, deren Bedeutung mit den Jahren etwas verloren ging. Nachdem die Gedenktafeln an die Kriegsopfer aus der Kapelle entfernt und an der Kirchenaußenwand angebracht wurden, kann nun auch die Totenkapelle selbst restauriert werden.

Dafür setzt das Ordinariat einen Kostenrahmen von zirka 156 000 Euro an. Es wird voraussichtlich ein Drittel der Kosten tragen. Vom Bezirk erhofft sich der Bauherr einen Zuschuss von 32 000 Euro und vom Bayrischen Denkmalpflegeamt weitere 35 000 Euro. Der Landkreis soll sich in gleicher Höhe wie die Gemeinde, nämlich mit 7800 Euro an der Sanierung beteiligen. Laut Jantke sei die Kirche nicht nur von kulturhistorischem Wert, sondern auch für den Tourismus wichtig. In Anbetracht der Bedeutung der Totenkapelle stimmte der Rat dem Zuschuss zu. tb