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Die gesteckten Ziele zum größten Teil übererfüllt

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Der Chef des Forstbetriebs Berchtesgaden, Dr. Daniel Müller (links), und Revierleiter Georg Berger hatten bei der Bilanz-Pressekonferenz direkt am Falkensee allen Grund zur Freude: Die für das Geschäftsjahr 2016 gesteckten Ziele wurden zum größten Teil übererfüllt. (Foto: Bauregger)

Inzell – Der Leiter des Forstbetriebs Berchtesgaden der Bayerischen Staatsforsten, Dr. Daniel Müller, hatte für seine Bilanz-Pressekonferenz einen sehr idyllischen Platz, direkt am Falkensee, gewählt: Die malerische Naturkulisse dort passte zu den Zahlen und Fakten für das Geschäftsjahr 2016, denn zum größten Teil wurden die gesteckten Ziele übererfüllt. Allerdings wurden statt der geplanten Menge von 93 000 Festmeter nur knapp über 80 000 Festmeter Holz eingeschlagen, um den Markt zu entlasten, der durch den höheren Holzanfall infolge des Frühjahrssturmes »Niklas« unter Druck geraten war. Mit einem Schutzwaldanteil von 63 Prozent an der Gesamtfläche des Forstbetriebs wird die Pflege und Fürsorge für diese Waldgebiete auch in Zukunft die wichtigste Aufgabe des Forstbetriebes bleiben.


Wie Dr. Müller erläuterte, betreut der Forstbetrieb Berchtesgaden eine Fläche von 28 400 Hektar auf der 22 500 Hektar Wald stehen. 14 100 Hektar davon sind Schutzwald. Für das Geschäftsjahr 2016 (1. Juli 2015 bis zum 31. Juni 2016) war geplant, 93 000 Festmeter Holz, mit einem Puffer von 50 000 Festmetern, einzuschlagen. Tatsächlich betrug der Einschlag, wegen der bereits erwähnten Gründe, nur 80 375 Festmetern. Der Einschlag an Buchen lag im Vorgriff auf künftige Sturmszenarien über dem Plan von 10 000 Festmetern, da diese widerstandsfähiger gegen solche Schadereignisse sind. Fichten und Tannen wurden hingegen weniger geerntet, da diese nach Stürmen ohnehin vermehrt anfallen.

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Der Schädlingsbefall war, auch aufgrund einer insektizidfreien Bekämpfung des Borkenkäfers, nicht so massiv, wie er nach dem trockenen Sommer und Herbst 2015 erwartet worden war. Die Anfallsmenge lag insgesamt nur moderat höher als im Mittel der vergangenen sechs Jahre. Aus zeitlich unterschiedlich gemachten Erhebungen der zurückliegenden zehn Jahren umgerechnet, beträgt der Holzzuwachs in den Waldgebieten 143 000 Festmeter pro Jahr, bei einer angenommenen »Irrtumsfehlerquote« von nur 1,7 Prozent.

Höherer wirtschaftlicher Erfolg als im Vorjahr

An Erträgen erwirtschaftete der Forstbetrieb Berchtesgaden im vergangenen Geschäftsjahr 8,27 Millionen Euro. Dieser Betrag liegt, wie Dr. Müller sagte, in erster Linie bedingt durch den geringeren Einschlag und niedrigere Holzpreise, etwa 600 000 Euro unter dem des Vorjahres. Obwohl die Personalkosten gleichgeblieben sind, wurden auch die Kosten für den Aufwand von 7,4 Millionen Euro im Jahr 2015 auf 6,68 Millionen Euro gesenkt, da unter anderem weniger für den Ernteaufwand ausgegeben werden musste. Der wirtschaftliche Erfolg wird in der Bilanz mit rund 1,59 Millionen Euro ausgewiesen und fällt somit um etwa 600 000 Euro höher aus als 2015. Dies liegt auch daran, dass heuer Fördermittel des Freistaates in Höhe von 800 000 Euro für die Behebung der Hochwasserschäden aus dem Jahr 2013 verbucht wurden.

An erster Stelle der Ausgabenposten stehen der Aufwand für die Schutzwaldsanierung, für Pflegemaßnahmen und Erholungsleistungen in Höhe von 769 000 Euro, von denen dem Forstbetrieb wiederum 746 000 Euro in Form von Fördermitteln zuflossen. Auf einer mehr als doppelt so großen Fläche wie eingeplant, widmete sich der Forstbetrieb heuer der Jungwuchspflege, und 50 Prozent mehr der Flächen als im Plan vorgesehen wurde durchforstet oder bepflanzt. Das Waldnaturschutzjahr 2016 war auch Grund für die vielen Aktionen zu diesem Thema. Neben Exkursionen mit Studenten und Professoren der Universitäten aus Wien und Dresden zum Thema Bergwaldbewirtschaftung gab es Aktionen zur Förderung der Eibe, Artenschutzprojekte für Birk- und Auerwild sowie Amphibien und es wurden Quellmoore gepflegt. Als weiteres Zukunftsziel sieht Dr. Müller den dauerhaften Erhalt von starken, alten Bäumen, die 2017 auch für die einzelnen Forstreviere benannt werden sollen.

Hochwertiges Wildfleisch für den heimischen Markt

In Bezug auf die Jagd informierte Dr. Müller über eine »Rekordstrecke« bei Rehwild. Hier wurde das Ziel zu 121 Prozent erfüllt. Bei der Gamswildjagd gab es eine ziemlich genaue Punktlandung und beim Rotwild eine Unterfüllung des Abschussplanes von 16 Prozent. Insgesamt wurden 1528 Stück Schalenwild erlegt. So konnte laut Dr. Müller der heimische Markt auch wieder mit sehr hochwertigem Wildfleisch versorgt werden. Ohne die Personalkosten investierte der Forstbetrieb Berchtesgaden in den fünf Wintergattern und der großen Wildfütterung am Hintersee etwa 45 000 Euro für Futtermittel. Bei den Jagderfolgen steht laut Dr. Müller nicht nur der Umfang der »Strecke« im Vordergrund, sondern in erster Linie die Vegetation. Eine besonders intensive Bejagung findet nach seinen Worten in den so genannten Einserzonen etwa im Bereich der Weißwand, am Antoniberg oder am Vorderstaufen statt, also überall dort, wo Verkehrswege geschützt werden müssen. In der Dreierzone etwa im Bereich Murkar am Frillensee wird hingegen offenbar 364 Tage im Jahr gar nicht gejagt. Zudem wird an insgesamt 130 Stellen im Gesamtbereich die Verjüngung ständig kontrolliert. Der Verbiss etwa an der Weißtanne ging innerhalb von zehn Jahren von 17 Prozent auf 6 Prozent zurück.

Mehr Personal im Jahr 2017: Zwei Ausbildungsplätze

Nach einem Rückgang beim Personalbestand in den vergangenen Jahren kündigte Dr. Müller für das neue Geschäftsjahr eine moderate Mehrung an. Neben einem bereits eingestellten Revierjäger werde es zwei Ausbildungsplätze für eine Bürokraft und einen Forstwirt geben. Wichtigstes Ziel bleibe es weiterhin, den Personalbestand so zu gestalten, dass alle Kräfte flexibel eingesetzt und diese auch ganzjährig ausgelastet werden können. Eine weitere wichtige Aufgabe für 2017 ist die umfangreiche Waldinventur. Sie wird alle zehn Jahre in den Revieren durchgeführt und dauert voraussichtlich ein ganzes Jahr. Die Inventarisierung des Bestandes erfolgt an 2500 Punkten im Gebiet des Forstbetriebes und ist Grundlage für die langfristige Planung. Neben weiteren Maßnahmen zur Schutzwaldsanierung an der Weißwand und am Vorderstaufen werden die bereits erwähnten Arten- und Naturschutzprojekte weitergeführt und Naturschutzpatenschaften, etwa zur Pflege von Biotopen und besonderen Arten, betriebsintern eingerichtet. wb