weather-image
26°

Die Gelder sind »gut angelegt«

3.0
3.0
Bildtext einblenden
Öffentlicher Startschuss für die Umsetzungsphase des Konzepts der »Integrierten ländlichen Entwicklung« (ILE) durch Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (vorne) zusammen mit allen Bürgermeistern, dem Landrat und der heimischen Landtagsabgeordneten, von links: Herbert Häusl, Ursula Haas, Hans Schild, Siegfried Walch, Hans-Jörg Birner, Karl Lanzinger, Konrad Schupfner, Michaela Kaniber und Martin Fenninger. (Foto: Eder)

»Und er sah, dass es gut war«, könnte man den Besuch von Landwirtschaftsminister Helmut Brunner in den Gemeinden Waging und Kirchanschöring überschreiben. Der Minister sah das große Rückhaltebecken bei Ebing als Ergebnis des »boden-ständig«-Projekts innerhalb der Teilnehmergemeinschaft Waginger-Tachinger-See, die benachbarte Streuobstwiese im Rahmen der Ökomodellregion, die ausgemagerte Wiesenfläche als Ausgleichsfläche der Gemeinde Waging und den neuen Bioladen in Kirchanschöring, angestoßen im Rahmen des örtlichen Konzepts »Leben und Wirtschaften in Kirchanschöring«. Zum Abschluss wurde der Minister dann noch über die Hauptprojekte des neu installierten ILE-Programms informiert. »Ich habe mich davon überzeugt, dass unsere Gelder gut angelegt sind«, stellte der Minister abschließend fest und lobte ausdrücklich die gedeihliche Zusammenarbeit der Kommunen untereinander.


Der Kirchanschöringer Bürgermeister Hans-Jörg Birner sah den Ministerbesuch als eine Art Startschuss für die Umsetzungsphase für das ILE-Programm, das inzwischen von allen teilnehmenden Gemeinden beschlossen worden ist. Birner selbst ist von der Steuerungsgruppe zum Vorsitzenden gewählt worden, seine Stellvertreterin wurde die Tachinger Bürgermeisterin Ursula Haas. Diese »Integrierte ländliche Entwicklung« (ILE) und das in monatelanger Arbeit dazu entwickelte Konzept (ILEK) wollen über gemeindeübergreifende Planungs- und Handlungsansätze die Kräfte innerhalb der Region bündeln und beispielsweise, wie Birner ausführte, die folgenden Projekte anpacken: ein multifunktionales Kernwegenetz, Lehrfelder für regionale Kulturpflanzen, Flächenmanagement speziell für den Einzelhandel in den Orten sowie die Anlage von Feld-, Wald- und Gewässerrändern.

Anzeige

Minister Brunner sprach er ein großes Lob aus. Auch wenn vieles »unheimlich zäh« vorangehe, so nehme doch die Sensibilität der Menschen zu. All diese Maßnahmen seien nicht als »Schnellschuss« zu verwirklichen, sondern würden sich über Jahre hinziehen. Von daher griff er auch die Feststellung von Alfons Leitenbacher, dem Chef des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Traunstein, auf, dass dabei intensive Beratung unverzichtbar sei. Leitenbacher hatte die Seenberater erwähnt und damit die Hoffnung verbunden, dass deren befristete Anstellungen verlängert würden. Gerade sie seien gefordert, den Landwirten zu vermitteln, ihre Verantwortung wahrzunehmen.

Bei der Besichtigung des Rückhaltebeckens bei Ebing erläuterten Franz Knogler von der BBV-LandSiedlung und Planer Anton Lenz die Maßnahme, die dazu diene, bei Starkregen die Wassermassen zurückzuhalten, die aus einem Einzugsgebiet von rund zwölf Hektar kommen. Durch das langsame Versickern des Wassers werde viel Phosphat zurückgehalten – was das reichliche Algenwachstum im Becken anschaulich zeigte. Möglich geworden seien Maßnahmen wie diese – davon gibt es bereits sechs in der Region, fünf weitere sind in Planung – durch intensive Gespräche mit den Landwirten, sagte Planer Lenz. Zunächst sei es zäh gelaufen, »aber plötzlich geht was. Und wenn hier in 20 Jahren die Obstbäume blühen, gibt das ein wunderbares Bild.«

Station zwei des Ministerbesuchs war das neue Geschäft von Michael Steinmaßl, dem »Bio-Michi« in Kirchanschöring. Der junge Mann hat zusammen mit seiner Familie den gut vier Hektar großen Betrieb der Eltern zu einem biologischen Gemüsebau-Betrieb umgewandelt und verkauft seine und die Produkte der Region schon seit sieben Jahren selber.

Steinmaßl betonte die Bedeutung der Regionalität. Ob biologisch oder konventionell – für ihn ist der regionale Kreislauf der Lebensmittel das Wichtigste, »der Weg in die Zukunft«. Und man solle »die anderen Märkte in Ruhe lassen«. Es sei nicht einzusehen, warum etwa die Milch aus Deutschland in die gesamte Welt exportiert werden müsse.

Mit seiner Betonung von Regionalität rannte er bei Brunner offene Türen ein. Die beiden Trends bio und regional sollten miteinander verbunden sei, so der Minister. Es entspreche nicht der Bio-Philosophie, Lebensmittel über Tausende von Kilometern zu transportieren.

Beim abschließenden Treffen beim Saliterwirt in Kirchanschöring stellte Bürgermeister Birner fest, man sei in der Region stolz darauf, »dass wir in den letzten Jahren zu einer so dynamischen Einheit, zu so einem konstruktiven Miteinander gefunden haben«. Für viele Projekte sei es nur dann möglich, eine Lösung zu finden, wenn man in der Region zusammenarbeite.

Die Zusammenarbeit der Gemeinden untereinander, so meinte Minister Brunner, sei wohl von dem »gemeinsamen Leidensdruck intensiviert« worden, der durch »die mangelhafte Wasserqualität des Waginger Sees und die Vorgaben der EU-Wasserrahmenrichtlinie« hervorgerufen worden sei. Die bereits verwirklichten Maßnahmen trügen zwar zu einer Verbesserung bei, dazu reiche aber eine Einzelmaßnahme nicht aus, »auch nicht mit massenhaft Geld«. Das werde ein längerer Prozess werden, zu dem viele Maßnahmen notwendig seien.

400 000 Euro seien bisher für die einzelnen Projekte geflossen, resümierte Minister Brunner. Das Geld sei gut eingesetzt. Die hier geleistete Arbeit verdiene Respekt und Anerkennung, sie könne möglicherweise eines Tages modellhaft dafür werden, wie man eine Region entwickeln kann. Alles, was hier heute geplant werde, komme letztendlich den kommenden Generationen zugute. he