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Die Fronten beim Thema Güterhalle sind verhärtet

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Fünf Monate ist es her, dass sich die Traunsteiner Bürger gegen eine Sanierung der Güterhalle und für den Neubau eines Jugendzentrums ausgesprochen haben. Doch bislang ist zumindest nichts passiert, was sichtbar wäre. Ein großer Diskussionspunkt in der ganzen Thematik sind die beiden Strommasten. Eine Versetzung würde laut Stadt rund 360 000 Euro kosten. (Foto: Reiter)

Traunstein – Fünf Monate ist es her, dass die Bürger in Sachen Jugendzentrum abgestimmt haben: Es soll nicht in die sanierte Güterhalle kommen, sondern neu gebaut werden. Die Initiatoren des Bürgerbegehrens kritisieren nun, dass in der Zeit deutlich zu wenig gemacht worden sei, um das Ganze auch zu realisieren. Die Stadt wiederum betont: »Dieser Vorwurf ist falsch.«


Ganz konkret führt die Stadt aus, dass unmittelbar nach dem Bürgerentscheid »gegen die Sanierung der Güterhalle und für einen Neubau des Jugendzentrums im Bahnhofsareal« mit den möglichen Grundstücksbesitzern gesprochen worden sei. »Konkrete Erwerbsmöglichkeiten haben sich daraus aber bisher nicht ergeben«, teilt die Stadt auf Nachfrage schriftlich mit.

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»Erheblicher finanzieller Aufwand«

Außerdem habe man sich die Grundstücke im Besitz der Stadt angesehen, also den Pendlerparkplatz und das Güterhallengelände. Der Pendlerparkplatz komme aus mehreren Gründen nicht in Frage: erstens sei er öffentlich gefördert worden, sodass Gelder in erheblicher Höhe zurückgezahlt werden müssten; zweitens zeige die hohe Auslastung des Parkplatzes die Notwendigkeit, diesen Parkplatz zu erhalten; und drittens liege das Grundstück sehr nahe an der bestehenden Wohnbebauung. Ärger mit Nachbarn wäre vermutlich vorprogrammiert, so die Stadt.

Des Weiteren habe die Stadt mit der Deutschen Bahn bezüglich des Güterhallengeländes Kontakt aufgenommen. Diese stimme einem Abriss aber nur zu, wenn die Strommasten versetzt würden. Die Stadt spricht von einem »erheblichen finanziellen Aufwand von mindestens 360 000 Euro«.

Auf Nachfrage bei der Deutschen Bahn teilt ein Pressesprecher mit, »dass die Stadt leider noch nicht genauer über ihre weiteren Planungen für das Grundstück informiert hat«. Nur wenn feststehe, wie das Gelände nach dem Abriss der Güterhalle genutzt werde, »kann auch eine konkrete Planung gemacht werden, ob die vorhandenen Masten versetzt werden müssen und wo die neuen Masten aufgestellt werden können«. Nach derzeitigem Erkenntnisstand gehe die Deutsche Bahn allerdings davon aus, dass einem Abbruch der Güterhalle ohne vorheriges Versetzen der Oberleitungsmasten aus Sicherheitsgründen nicht zugestimmt werden kann. Dass die Deutsche Bahn hier mitsprechen kann, liegt daran, dass die Güterhalle zu einem Drittel auf Bahngelände steht.

Die Bahn hat seinerzeit das Grundstück an die Stadt verkauft, mit folgenden vertraglichen Vereinbarungen: »Auf der Fläche stehen zwei Oberleitungsmasten, die dort weiter stehen bleiben können (dingliche Sicherung). Wenn die Masten im Zusammenhang mit einer Umnutzung der Immobilie umgesetzt werden müssen, trägt der neue Besitzer bzw. Veranlasser der Umnutzung die Kosten.«

»Was wollen wir mit der Bauruine?«

Trotz dieser sprechen sich Isabelle Thaler und Konrad Baur, zwei der Initiatoren des Bürgerbegehrens, klar für einen Abriss der Güterhalle aus. »Selbst wenn es 360 000 Euro kosten sollte, dann sind das 360 000 Euro für die Stadtentwicklung Traunsteins«, sagt Konrad Baur. Er ist allerdings fest davon überzeugt, dass ein Abriss auch ohne das Versetzen der Masten möglich ist. »Da muss die Stadt nur besser verhandeln«, betont er. Und Stadträtin Isabelle Thaler (CSU) ergänzt, dass der Abriss der Güterhalle der Wille der Bürger sei. Sie könne nicht verstehen, dass einige ihrer Gremiumskollegen immer noch an dieser hängen: »Die Traunsteiner Bürger haben sich klar gegen die Sanierung der Güterhalle ausgesprochen. Was also wollen wir nun mit der Bauruine anfangen?«, fragt sie.

Isabelle Thaler befürchtet, dass die Stadt die Bindefrist aussitzen möchte – denn der Bürgerentscheid ist nur ein Jahr bindend. Danach könnte der Stadtrat, wenn sich dafür eine Mehrheit findet, die Sanierung der Güterhalle für das Jugendzentrum wieder aufgreifen. – Eines steht in der ganzen Debatte jetzt schon fest: Auf ein neues Jugendzentrum wird man wohl noch länger warten müssen. Klara Reiter