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Die fantastische Zwergenwelt von Hörafing

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Maria Fuchsreiter vor ihrer Zwergenwelt mit dem Postboten-Zwerg in ihren Händen. (Foto: Mergenthal)

Teisendorf – »Das hat alles seinen Sinn«, betont Maria Fuchsreiter und erklärt: »Das hier ist das Fischerleben. Der eine hat einen Schuh erwischt. Und dieser Zwerg erfüllt bei kleinen Kindern therapeutische Zwecke. Er zeigt: So duad ma Kochei-Sitzn«. Das ist der hörafingerische Ausdruck für »auf dem Topf sitzen«. Die 48-Jährige hat sich schon als Kind in die »Zwergerl« verliebt und im Laufe der Jahre in Hörafing eine fantastische Zwergenwelt aufgebaut.


Ihre weit über 30 Zwerge, die heute im Handel größtenteils nicht mehr erhältlich sind, und einige dazu passende Plastik-Tierchen hat sie unter dem alten Nussbaum aufgebaut. Das historische elterliche Bauernhaus, das sie mit ihrem Bruder bewohnt, bildet die passende Kulisse dazu.

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Zwergerl-Schauen war für die Kinder das Höchste

In der nahe gelegenen Kumpfmühle habe es zu ihrer Kindheit einen Zwergerlpark gegeben, erzählt Maria Fuchsreiter. »Für uns Kinder war das ein absolutes Highlight, wenn wir mit Papa und Mama zum Zwergerl-Schauen gegangen sind.« Sie zeigt ein altes Foto, das sie als vier- oder fünfjähriges Mädchen vor diesen Zwergen zeigt. In den Ferien gingen auch ihre Cousinen und Cousins mit, sodass immer eine ganze Kinderschar von Hörafing zur Kumpfmühle pilgerte.

Ihre ersten Gartenzwerge brachte ihr dann, als sie zehn Jahre alt war, der Osterhase. Später, als sie in ihrer Verkäuferinnen-Lehre selber das erste Geld verdiente, kaufte sie sich einen Zwerg mit Baby, ein Schneewittchen und ein paar weitere Zwerge. »Jedes Jahr habe ich zum Geburtstag einen Zwerg bekommen«, erinnert sie sich. Ob Familienangehörige, Freunde oder Arbeitskollegen: Jeder wusste, womit er Maria Fuchsreiter eine Freude bereiten konnte.

Inzwischen sei sie eine Art »Gnadenhof für Gartenzwerge«, verrät die Hörafingerin. Immer wieder schenkten ihr Leute Zwerge, die sie für die eigenen, inzwischen herangewachsenen Kinder nicht mehr brauchen. »Mich freuen sie einfach«, erklärt sie. Nur »ordinäre Zwerge«, zum Beispiel halb nackte, lehne sie ab, doch alle schönen, liebevoll gestalteten Gartenzwerge fänden bei ihr Asyl. Die Zwergenliebe liegt übrigens in der Familie: Bereits ihre Großtante, eine Ordensfrau, kümmerte sich im Klostergarten der Barmherzigen Schwestern in München fürsorglich um einige geschenkte Zwerge.

Mit Begeisterung erläutert Maria Fuchsreiter die verschiedenen Szenen ihres Zwergengartens: Der Bergsteiger sei zwischenzeitlich abgestürzt gewesen, bedauert sie. Doch Zwerge regenerieren sich schnell: Nun hat sie den an einem Seil hängenden Kletterer wieder am Baumstamm befestigt. Zwei Zwerge symbolisieren das Handwerk, zwei andere haben sich in ein Schafkopf-Spiel vertieft. Der schaukelnde Zwerg daneben gefällt vor allem kleinen Kindern, weil sie ihn anschubsen können.

Auch ein hölzernes Zwergenhäuschen, das ihr ihre Mutter einmal zu Weihnachten maßanfertigen ließ, gehört zu ihrer märchenhaften Zwergenwelt. Darin machen es sich auch ihre zwei Katzen, denen es zwischen den Winzlingen mit roter Zipfelmütze recht gut gefällt, manchmal gemütlich. Vor dem Haus steht Schneewittchen, umgeben von ihren sieben Zwergen. Ein Zwergen-Postbote bringt die Zeitung, ein anderer liest.

Rechts davon hat sich eine komplette Musikkapelle aufgestellt. »Und das ist das Bierzeltleben, damit die Kapelle nicht allein ist«, ergänzt die 48-Jährige. Als 1988 die Fußball-EM in Deutschland war, installierte sie ihre »Fanmeile«. Die Bayern-Fahne, die für den FC Bayern steht, wird bei Deutschland-Spielen durch die Deutschlandfahne ersetzt. Den Abschluss des Zwergenreigens bilden die Szene »Waldleben« und ein Schwein als »Wachhund«.

»Ich möchte meine Zwergerl wieder«

Vergangenes Jahr gab es einmal ein »Zwergendrama«, wie Maria Fuchsreiter erzählt. Nach dem Dorffest in Hörafing waren einige Zwerge verschwunden. »Da war ich richtig traurig. Ich habe das ganze Dorf rebellisch gemacht. Ich habe gesagt: Von mir aus erklärt ihr mich für verrückt, aber ich möchte meine Zwergerl wieder«. Einige Tage später standen sie wieder an ihrem Platz.

Der Zwergenmama tun ihre Lieblinge leid, wenn sie im Schnee frieren müssen. Darum ziehen sie an Allerheiligen um in ihr Winterquartier im alten Stall. Die Kinder von Fuchsreiters Cousine, Anna (12) und Andreas (9), packen als »Zwergenhelfer« beim Waschen mit an und Anfang Mai beim Aufstellen im Freien. Im Winter lässt Maria Fuchsreiter das Schweinchen beim Stallfenster heraus schauen. Viele kleine Kinder wollen deshalb, wenn sie mit der Mama im Auto unterwegs sind, immer beim alten Hof vorbei fahren und das Schweinchen bewundern. vm