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Die Fanny soll unter die Haube

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Kellner Paul (Helmut Huber) darf die drei Damen – (von links Bärbel Meier, Regina Weistenfeld und Christa Stifter) – zu seinen regelmäßigen Gästen im Café zählen. (Foto: Eder)

Seeon-Seebruck – Wie gut, dass es Zeitungen gibt! Das ist eine Erkenntnis aus dem urkomischen Theaterstück »Der Rosenkavalier«, mit dem die Heimatbühne Seeon am Samstag im vollen Saal im Gasthaus Alter Wirt begeisternde Premiere feierte. Wie sonst hätte man in den Zeiten der Bonner Republik seine Heiratsannoncen veröffentlichen können? Eine weitere Erkenntnis war aber auch, dass das Ergebnis solch wohlformulierter Anzeigen nicht notwendigerweise glücklich und von Dauer sein muss. Dies musste die Fanny (Regina Weistenfeld), der »flotte Käfer mit der sexy Figur«, erfahren, die von ihren Freundinnen zu der Anzeige mehr oder weniger genötigt worden war.


Dass diese Vorgabe viel Raum lässt für Freundliches und weniger Freundliches über die Beziehung zwischen Mann und Frau und über die trügerische Wirkung des Scheins – das liegt auf der Hand. Und so entwickelte sich, befeuert von der sichtbaren Spielfreude des Ensembles, ein buntes, abwechslungsreiches und sehr lustiges Geschehen auf der Bühne; das Publikum hatte viel Gelegenheit zum herzlichen Lachen.

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Dramatik entwickelt sich in elf Bildern

In elf Bildern entwickelte sich das dramatische Geschehen von einer Schnapsidee am Stammtisch, besser gesagt seiner weiblichen Form, dem Kaffeekranzl, zu einem veritablen Krimi mit Betrügereien – sogar Polizisten und Pistolen kamen im Schlussteil ins Spiel. Diese Bilder, also die mitunter recht kurzen Szenen, wurden jeweils eingeleitet von passenden Musikstücken, die die Handlung mehr oder weniger subtil unterstrichen. Da war zum Beispiel der Udo-Jürgens-Schlager »Aber bitte mit Sahne« zu hören, wenn sich Fanny und ihre Freundinnen im Café trafen.

Auch optisch war Vielfalt geboten. Neben dem Hauptstrang der Handlung, der Suche nach dem geeigneten Heiratskandidaten, gab es gleich drei Nebenschauplätze, die sich im ersten Teil ständig im Hintergrund abspielten. Da war das junge, »meist verliebte Paar« (Tobias Weistenfeld und Anneliese Parzinger), das sich nach dem Motto »Was sich liebt, das streitet sich« entweder in enger Umarmung oder aber in distanzierter Trennung ständig im Café aufhielt. Dann war da der gegen sich selbst spielende Schachspieler, mit dem sich Regisseur Josef Mair seinen Beobachtungsplatz auf der Bühne sicherte – ein humoriger Blickfang. Und dann war da noch ein wahrhaft »bierseliger« Herr (Hermann Oberloher), der meist schlief, zur rechten Zeit dann aber aufwachte und auf ein passendes Stichwort hin ein passendes Lied grölte – zum Unmut der Damen im Café, die sich konzentrieren mussten, um eine ordentliche Heiratsannonce zustande zu bringen.

Und hier entwickelte sich nun der Hauptstrang der Handlung. Die weibliche Seite des Schauspieler-Teams hatte dabei vielerlei Gelegenheit, ihre Begabungen einzubringen. Die Rolle der Christa Meier von Sinnen war Christa Stifter wie auf den Leib geschrieben. Affektiert gab sie die von der Sekretärin zur Frau des Chefs aufgestiegene »Dame«. Barbara Meier war als Petra Tina Goldenblatt ein ruhigeres Gegenstück, die sich aber immer wieder erfolgreich ins Gespräch einzubringen wusste – war sie doch umfassend gebildet und informiert durch die regelmäßige Lektüre von Bunte und Co.

Und diese erfolgreich verheirateten Damen wollten nun Fanny ebenfalls unter die Haube bringen. Überzeugend stellte Regina Weistenfeld die zwiespältige Einstellung der Fanny zu diesem Spiel dar: Einerseits reizte sie die Idee einer Heiratsanzeige, aber als es dann ans Formulieren derselben ging, versuchte sie doch immer wieder die überschwänglichen Formulierungsabsichten ihrer Freundinnen zu dämpfen, und ähnlich erging es ihr dann, als die Herren antraten. Denn irgendwann war die Annonce draußen – und die Männer, vier ganz verschiedene Charaktere, kamen herein ins Café.

Da war als erster Kandidat Justus Redlich, Rechtspfleger von Beruf, ein Muttersöhnchen, so trocken wie seine Paragrafen: eine wunderbar gespielte Rolle für Bühnenneuling Günter Hoff. Ihm folgte der Lebenskünstler Hans Berger, der mit seinem Auftreten frischen Wind in die Szene brachte, mit seiner Fröhlichkeit und Unverfrorenheit alle ansteckte beziehungsweise empörte: Das war ein idealer Part für einen der Sympathieträger auf der Bühne, Martin Huber. Spontaner Abtrittsapplaus war ihm gewiss.

Ihm folgte der nette Landwirt, sehr einfühlsam dargestellt von Konrad Daxenberger; sein Pech: zu viele Kühe, zu wenig Bauerwartungsland, zu wenig Freizeit. Und schließlich kam dann noch der Anlageberater Alexander Süßholz an – mit einem ganzen Arm voller Rosen; er hieß nicht nur Süßholz, sondern war auch ein Meister im Raspeln derselben. Und er hielt auch mit seinen immensen finanziellen Mitteln nicht hinter dem Berg – die beobachtenden Damen im Hintergrund schmolzen ob dieses idealen Kandidaten dahin.

Heiratswunsch endet in Kriminalfall

Von daher ergab sich – zunächst – der vorauszusehende Verlauf der Angelegenheit. Dann aber geschah eine Menge verwirrender Dinge, nicht alles war Gold, was glänzte, und, wie gesagt, aus dem Heiratswunsch wurde ein Kriminalfall, zu dem aber hier nichts mehr weiter verraten werden soll. Kellner, so heißt es, wissen fast alles über ihre Gäste: Ganz in diesem Sinn erläuterte Servierer Paul (Helmut Huber) das Geschehen immer wieder mal zwischendurch, kommentierte und bewertete es.

Weitere Aufführungsterminen sind am kommenden Freitag und Samstag, am Freitag und Samstag, 20. und 21. November, sowie am Freitag, 27. November, jeweils um 20 Uhr, außerdem am Sonntag, 29. November, um 19 Uhr. Karten gibt es bei Petra und Fritz Linner, Telefon 08667/1222. he

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