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Die erste Primiz in Grassau seit über 50 Jahren

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Ein langer Festzug begleitete den Primizianten teils über gestreute Blumen vom Kurpark zum Hefterstadel.
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Simon Tyrolt wurde unterstützt vom Grassauer Pfarrer Andreas Horn (links) und Monsignore Bernhard Schömann (rechts). (Fotos: T. Eder)

Grassau. Solch ein großes kirchliches Fest wie die Primiz von Simon Tyrolt hat es seit über 50 Jahren in Grassau nicht mehr gegeben. Wie stolz die Grassauer auf ihren Neupriester sind, wurde bei dem großen Festgottesdienst im Kurpark deutlich: Weit über 3000 Gottesdienstbesucher wohnten der festlichen Eucharistiefeier unter den Klängen der Blasmusik und des Kirchenchors bei idealem Wetter bei.


Zum ersten Mal durfte Neupriester Simon Tyrolt die Messe zelebrieren. Pfarrer Andreas Horn empfing die geistlichen Herren des Pfarrverbundes und des Achentals wie auch Konzelebrant Bernhard Schömann und den ehemaligen Grassauer Pfarrer Paul Voggenauer, unter dessen priesterlichem Wirken Simon Tyrolt bereits als Ministrant mitgewirkt hatte.

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Konzelebrant Monsignore Bernhard Schömann, ehemaliger Stiftspropst von Landshut und Leiter des Pastoralkurses, lobte Simon Tyrolt für dessen Wirken in Landshut. Viele Touristen seien immer wieder erstaunt, wie viele Zeugnisse des katholischen Glaubens es im Chiemgau noch gebe, so Schömann. Der einstige Kardinal Ratzinger und emeritierte Papst Benedikt XVI. habe den Chiemgau als liebliche Landschaft mit Bergen bezeichnet, auf deren Höhen Kirchen mit Kuppeln stehen, die wie hineingewachsen wirken, »ein wahrhaft christlich getauftes Land«, zitierte Monsignore Schömann. Die Beschreibung »christlich getauftes Land« habe ihm besonders gefallen.

Ob auch künftig von einem christlich getauften Land gesprochen werden könne, wenn Kirchen verschlossen blieben und keiner mehr das Evangelium verbreite und das Brot breche, bezweifelte Schömann. »Was sagt christliche Prägung aus, wenn nur mehr alle 50 Jahre ein Priester geweiht wird?«, fragte er und machte damit auf den Priestermangel aufmerksam. Dennoch sei die Bereitschaft der Bürger, mit Priestern das Gespräch zu suchen, weit größer als in den 70er Jahren. Wenn Simon Tyrolt seinen Dienst in der Gemeinde Wolfratshausen antrete, werde es nicht immer um den Glauben gehen, betonte der Prediger.

Wie schwer es sein werde, allen Erwartungen gerecht zu werden, machte er ebenfalls deutlich. »Wenn du alles erfüllen willst, was die Menschen erwarten, wirst du in kürzester Zeit ausgepowert und demotiviert sein. Wenn du nur im Beruf aufgehst, werden die Kontakte, aber auch die Einsamkeit zunehmen«, warnte Schömann. Der Priester sei kein spiritueller Weltmeister, keine Idealgestalt, kein Hochwürden und kein Pfarrherr. Der Priester sei ein Kind der Gesellschaft, die ihn umgebe, ein Mensch mit Schwächen, Fehlern und Sünden.

Drei Aspekte seien wichtig. Zum einen die »Neugierde auf die Menschen«, wie sie leben, was sie interessiert, bewegt und vor was sie Angst haben. Zum anderen das Leben lieben, sich selbst mögen, zu sich selbst ja sagen und die Menschen mögen. Auch die Frage nach Gott, wie man heute an Gott glauben kann, sei wichtig. Er wünschte Simon Tyrolt einen Beruf, der ihn an die Grenzen führt und ein spannendes Leben, christlich ausgedrückt, »ein Leben in Fülle«.

Nach der gemeinsamen Eucharistiefeier, Lesungen und Fürbitten, weihte Simon Tyrolt noch die Fahnenbänder, die zum Dank für die Unterstützung an die Vereine überreicht wurden. Neupriester Tyrolt dankte der gesamten Gemeinde, vor allem dem Primiziantenausschuss mit Pfarrer Andreas Horn und Klaus Zeisberger, die lange für das große Fest gearbeitet hatten. Er würdigte auch seine Weggefährten, allen voran Pfarrer Paul Voggenauer. Anerkennung zollte er den fleißigen Händen, die die wunderschöne Altarinsel gefertigt und den Blumenschmuck arrangiert hatten.

Nach der Messe wurde Aufstellung zum großen Festzug genommen, an dem sich neben den fast 30 Ministranten und geistlichen Vertretern des Achentals auch die Ortsvereine beteiligten. Angeführt von der Blaskapelle zogen so die Trachtenvereine, Schützenvereine, Feuerwehr, Pfadfinder, Blaue Bruderschaft, blumenstreuende Kommunionkinder und viele Fahnenabordnungen zum Hefterstadel. Hier wurden die Gäste und Mitwirkenden bei einem Stehempfang bewirtet und es bot sich auch die Gelegenheit des persönlichen Gesprächs. Die Ministranten, die teilweise Simon Tyrolt noch als einen der ihren kannten, überreichten weiße und gelbe Rosen. tb

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