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Die Erkrankung Demenz von vielen Seiten beleuchtet

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Um das Thema Demenz ging es bei einer Podiumsdiskussion im Klinikum Traunstein (von links): Dr. Winfried Teschauer von der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft, der Medizinische Direktor Dr. Stefan Paech, die Leitende Ärztin Dr. Marianne Gerusel-Bleck, Roswitha Moderegger von der Alzheimer Gesellschaft Berchtesgadener Land-Traunstein, Claudia Ebeling-Wimmer vom Trostberger Sozialdienst, die Geschäftsführende Oberärztin Mai Aumüller-Nguyen und Pflegedirektorin Manuela Großauer sowie die Moderatorin Verena Fuchs. Foto: Buthke

Traunstein – In Verbindung mit der Wanderausstellung »Was geht. Was bleibt – Leben mit Demenz« im Klinikum Traunstein (wir berichteten) fand auch eine Podiumsdiskussion zu dem Thema statt. Dr. Winfried Teschauer vom Landesverband Bayern der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft, erklärte, 40 Prozent der über 65 Jahre alten Patienten hätten eine kognitive Einschränkung, 20 Prozent seien dement. Sie hätten einen besonderen Betreuungsbedarf.


Wie Angehörige den Alltag mit an Demenz erkrankten Menschen erleben, zeigte zur Einstimmung in das Gespräch der Dokumentarfilm »Apfelsinen in Omas Kleiderschrank«, in dem ein Jugendlicher seine Gefühle und Erfahrungen mit seiner Großmutter, die an Alzheimer erkrankt ist, schildert.

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Besonderer Betreuungsbedarf

Demenzkranke hätten einen besonderen Betreuungsbedarf, betonte Dr. Winfried Teschauer. Deshalb sei es das Ziel des zweijährigen Projekts »Demenzsensibles Krankenhaus« der Kliniken Südostbayern AG, die Mitarbeiter zu sensibilisieren und auf einen Kenntnisstand zu bringen. Bundesweit einmalig sei dies als Pilotprojekt in der Notfallaufnahme der Kliniken geschehen.

Die Geschäftsführende Oberärztin der Geriatrischen Rehabilitation Trostberg, Dr. Mai Aumüller-Nguyen, sagte, es gebe 20 Formen von Demenz. Das Risiko einer Erkrankung steige mit dem Alter. Das Vergessen, wo der Autoschlüssel ist, gelte noch nicht als kognitiv beeinträchtigt, meinte die Leitende Ärztin der Akutgeriatrie Ruhpolding, Dr. Marianne Gerusel-Bleck. Das sei erst dann der Fall, wenn alltagsrelevante Funktionen nicht mehr durchgeführt werden könnten.

Demenzpatienten stellen laut Gerusel-Bleck besondere Anforderungen an den stationären Alltag im Krankenhaus. Alterstraumata, zum Beispiel durch Sturz, erforderten eine fachübergreifende (interdisziplinäre) Betreuung durch ausgebildete Pflegekräfte und ehrenamtliche Helfer, die solche Aufgaben übernehmen, die das Personal zeitlich nicht leisten könne. Die Pflege und Betreuung erfordere im klinischen Alltag eine enorme Sensibilität, weil der Demenzpatient in kurzer Zeit viele Menschen sehe. Dies führe bei ihm zu einer Unsicherheit.

Wenn nicht mehr nur einzelne Patienten mit Demenz behandelt werden müssten, komme man beim Personalschlüssel in ganz andere Größenordnungen, um die Patientensicherheit zu gewährleisten, sagte der Medizinische Direktor Dr. Stefan Paech. Dies betreffe auch die bauliche Ausstattung und Überwachungssysteme, zum Beispiel bei Sturzgefährdung oder Weglauftendenz. Man müsse sich überlegen, wie man die Station der Zukunft gestalte. Die Schulung der Mitarbeiter sei ebenso wichtig. Der Erstkontakt in der Notfallaufnahme sei eine wichtige Weichenstellung. Alles könne jedoch nicht von den Mitarbeitern gestemmt werden. Angehörige und Ehrenamtliche seien wertvolle Menschen, die sich im Krankenhaus Zeit nähmen.

Auch Dr. Teschauer hob den Beitrag der Angehörigen hervor, weil der Patient im Krankenhaus Geborgenheit durch eine Bezugsperson brauche. Angehörige sollten deshalb auch in die Behandlungsräume mitgehen, um Stresssituationen abzubauen.

Roswitha Moderegger, Vorsitzende der Alzheimer Gesellschaft Berchtesgadener Land- Traunstein und der Regionalgruppe Rosenheim, wies auf die Mitverantwortung der Angehörigen hin, denn das Krankenhaus habe zunächst keine Kenntnis über die Demenzerkrankung. Von Pflegedirektorin Großauer kam der Rat, alle wichtigen Informationen über den Patient aufzuschreiben. Die Notfallmappe des Landkreises helfe ungemein.

Damit die Weiterversorgung funktioniere, wird sehr oft der Sozialdienst eingeschaltet, weil Angehörige oft mit der Pflege daheim überfordert sind. Claudia Ebeling-Wimmer vom Sozialdienst Trostberg bedauerte, dass 60 Prozent der Leistungen nicht in Anspruch genommen würden.

Gesunde Ernährung und Sport helfen

Aus dem Publikum kam schließlich die Frage, wie man einer Demenzerkrankung vorbeugen könne. Ein gesundes Leben mit gesunder Ernährung und viel Bewegung, denn dies bedeute ein gesundes Herz und ein gesundes Herz wiederum ein gesundes Gehirn, stellte Dr. Aumüller-Nguyen fest.

Dr. Gerusel-Bleck riet, das Gehirn immer wieder zu trainieren, indem man zum Beispiel den Einkaufszettel oder Gedichte auswendig lernt. Ein Drittel der Demenzerkrankungen wären vermeidbar, stellte Dr. Teschauer fest. Besonders Bluthochdruck, Diabetes und Fettleibigkeit sollte man vermeiden. Bjr