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»Die Energienutzung treibt uns um«

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Oberbürgermeister Manfred Kösterke erläuterte die ehrgeizigen Ziele in Sachen Energieeinsparung in Stadt und Landkreis, Thomas Gollwitzer vom Institut für Energietechnik Amberg legte die Möglichkeiten der Energieeinsparung und -effizienz in Betrieben dar. (Foto: Wittenzellner)

Traunstein. Über die Thematik »Energieeinsparung und -effizienz in den Unternehmen« informierten sich und diskutierten im großen Saal des Rathauses Traunstein Vertreter von Unternehmen, Wirtschaftsverbänden und den Behörden im Rahmen des »Wirtschaftsforums Traunstein«, das sich in regelmäßigen Abständen trifft. Dort werden Themen rund um die Wirtschaft der Großen Kreisstadt besprochen.


Oberbürgermeister mit ehrgeizigen Zielen

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Oberbürgermeister Manfred Kösterke machte die Schwerpunktthematik des Abends schon im ersten Satz deutlich: »Die Energienutzung treibt uns um.« Im Rahmen des Energienutzungsplanes des Landkreis Traunstein, den dieser mit dem Sonnenkreis Traunstein, Klima- und Energiekonferenz, erarbeitet habe, steckte er sich ehrgeizige Ziele. Will man doch den Strombedarf für Haushalte, Gewerbe und öffentliche Hand bis 2020 zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien decken.

Der Oberbürgermeister machte deutlich, dass man hier in der Stadt künftig noch stärker den Dialog mit der örtlichen Wirtschaft und den Behörden suche. Exemplarisch nannte er das Blockheizkraftwerk an der Brunnwiese, dessen Leitungen bis in die Ludwigstraße reichen. Hier könne man am Stadtpark vorbei auch beispielsweise über einen Anschluss des Landratsamtes, der Kreissparkasse bis hin zur Kohlbrennerschule die Versorgung ausweiten. Er hoffe in Sachen der Energieeinsparung auf eine »Initialzündung«. Habe doch eine Studie ergeben, dass für den Landkreis ein Einsparpotenzial in Höhe von rund 30 Prozent bestehe.

Im Fachvortrag ging Thomas Gollwitzer vom IfE Institut für Energietechnik Amberg auf die Chancen und noch nicht ausgeschöpften Potenziale der Energieeinsparung und -effizienz in den Unternehmen ein. Mit einer Reihe von praktischen Beispielen erläuterte er, dass hier durchaus noch »Luft nach oben« ist und sensibilisierte die Unternehmer für Investitionen, die sowohl für den Klimaschutz ein wichtiger Faktor seien, aber daneben auch ein enormes Einsparpotenzial für betriebliche Kosten eröffnen würden, wie er am Beispiel der extrem teuren Druckluft erläuterte.

Generell sei es wichtig, mehr dahin zu kommen, den benötigten Strom im Unternehmen auch selbst zu produzieren. Dem Fazit des Energiefachmanns Gollwitzer folgte der Hinweis, mehr den »energetischen Dreisprung« umzusetzen: »Energieeinsparung, Energieeffizienz und die Nutzung erneuerbarer Energien« seien für einen umweltschonenden und zukunftsweisenden Erfolg der Unternehmen unerlässlich.

Dass hier in der Region unter den Betriebsinhabern und Unternehmern in Energiefragen viel überlegt, getan und investiert werde, wurde auch an Diskussionsbeiträgen beispielsweise von Max Schneider, Geschäftsführer des Hagebaumarkt Traunstein, und Bernhard Sailer vom Hofbräuhaus Traunstein deutlich. Ersterer fragte nach den Chancen für Energieeinsparungen im Handel, Sailer betonte, dass es über die regionale Initiative »Energieeffizienzstammtisch« einen permanenten Austausch zwischen beteiligten Unternehmen gebe. Er habe in seiner Brauerei in den vergangenen beiden Jahren kumuliert rund 15 Prozent Stromeinsparungen realisieren können. »Es tut sich einiges in unserer Gegend«, so der Brauereibesitzer.

Christian Pusch, Kreissprecher der Wirtschaftsjunioren Traunstein, erfragte nochmals die Position der Stadt Traunstein bezüglich der Olympiabewerbung Münchens unter Einbeziehung des Landkreis Traunstein. Oberbürgermeister Kösterke betonte, dass er hier nur weitergeben könne, dass sich der Traunsteiner Stadtrat mehrheitlich für die Bewerbung ausgesprochen hat (wir berichten).

Durch Olympia deutlich nach vorne rutschen

Er kritisierte, es würden zum Teil falsch lautende Zahlen und finanzielle Belastungen, die man für den Landkreis Traunstein erwarte, immer wieder die Runde machen. Tatsache sei, dass der Anteil des Landkreis Traunstein für die Bewerbungskosten bei 394 000 Euro liege. Dieser sei im Etat des Chiemgau-Tourismus vorhanden beziehungsweise erbringbar. Unter mehreren Pro-Argumenten stellte er vor allem auch die Thematik »Infrastrukturprojekte« heraus: »Da können wir durch Olympia deutlich nach vorne rutschen«, betonte das Stadtoberhaupt. Er forderte nochmals eindringlich auf, dass sich möglichst viele Bürger beim anstehenden Bürgerentscheid über die Bewerbung beteiligen sollten.

In einer weiteren Frage aus dem Umfeld der Wirtschaftsjunioren ging es um eine bessere Nutzung des Bahnhofsbereiches. Der Oberbürgermeister ging hier auf die Pläne ein, auf der Westseite ein Handwerkerzentrum für die alpine Baukonjunktur zu errichten. Dort hat die Stadt Traunstein ja bereits vor einiger Zeit Flächen um das alte Bahnhofsgelände an der Güterhallenstraße erworben. Man suche jetzt auch noch die bestmögliche Nutzung des Gebäudes (ehemaliges Eberl-Gebäude), in dem neben dem städtischen Jugendtreff auch die Schule der Phantasie untergebracht werden soll. Daneben suche man nach einem Beherbergungsbetrieb und sei hier unter anderem mit dem Deutschen Jugendherbergswerk im Gespräch. In einer Machbarkeitsstudie, die man bis spätestens 2015 erwarte, sollen Chancen und Möglichkeiten erörtert werden, daneben führe man eigene Planungen durch. Auf der Bahnhofs-Ostseite gebe es die Frage der Entwicklung des Posthochhauses und der angrenzenden Bahnmeisterei. Dies seien jedoch Privatflächen.

Discounter wollen mehr Platz

Thomas Miller, Vorsitzender der Werbegemeinschaft Traunstein, regte eine Diskussion über den großflächigen Einzelhandel in Haslach und anderen Stadtrandregionen an. Innerstädtisch ist die Lage für den Einzelhandel noch recht gut, aber im Lebensmittelbereich habe man bereits Probleme. Ist doch in zentraler Lage der Edeka am Maxplatz inzwischen der einzige Lebensmitteleinzelhandel mit Vollsortiment. »Was sich am Stadtrand abspielt, wird sich auf die Innenstadt auswirken«, betonte Miller.

Stadtmarketing-Geschäftsführer Jürgen Pieperhoff betonte, dass sich derzeit alle namhaften Discounter bundesweit neu aufstellen würden und einen größeren Flächenbedarf anmeldeten. »Die wollen für ihre Strategien größere Flächen.« awi

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