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Die eigene Freundin zweimal vergewaltigt?

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Traunstein – Die zweifache Vergewaltigung seiner damaligen Freundin in deren Wohnung in Neuötting leugnete ein 47-Jähriger am Dienstag vehement vor der Sechsten Strafkammer am Landgericht Traunstein. Er sprach von einvernehmlichem Geschlechtsverkehr. Die Initiative sei von der Frau ausgegangen.


Vorsitzender Richter Dr. Jürgen Zenkel überführte ihn jedoch schnell mehrerer Widersprüche zu früheren Aussagen und konfrontierte ihn mit einer »falschen Verdächtigung« der Lebensgefährtin. Die mahnenden Worte zum strafmindernden Wert eines Geständnisses ließen den Angeklagten unbeeindruckt. Der Prozess wird am 14. und 26. Januar, jeweils um 9 Uhr, fortgesetzt.

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Laut Anklage lernte sich das Paar im Internet kennen. Zwei Wochen später Ende 2014 zog der mehrfach inhaftierte Hartz- IV-Empfänger zu der gleichaltrigen Frau. Er wurde immer eifersüchtiger und kontrollierte sie ständig. Am 19. Februar 2015 kam es deshalb erneut zu einem Streit. Der Mann nahm der Freundin das Handy weg, löschte Kontakte und sperrte das Gerät, verschloss die Wohnungstüre und steckte den Schlüssel ein. Gegen 2.30 Uhr ging er zum Rauchen auf den Balkon. In dieser Zeit holte sich die Frau ihr Handy zurück. Der 47-Jährige entriss es ihr wieder, drückte an ihren Hals, schlug ihr ins Gesicht, bog ihr beide Arme zurück und schlug einen Arm ans Metallbett. Dann vollzog er gegen ihren Willen den Geschlechtsverkehr. Die Frau trug Hämatome, Schwellungen und Kratzwunden davon. Danach musste sie kochen und mit ihm essen. Die beiden legten sich wieder ins Bett. Da kam es zu der zweiten Vergewaltigung.

Nach der Verlesung der Anklage zeigte der Vorsitzende Richter dem Angeklagten Fotos beim Abheben von 400 Euro am 18. Februar 2015 – er hatte die Lebensgefährtin bezichtigt, das Geld abgehoben zu haben. Angesichts dieser Lüge riet der Vorsitzende Richter mit Verweis auf die Glaubwürdigkeit dem Angeklagten zu einem Geständnis, auch, um der Frau eine Aussage zu ersparen.

Nach Rücksprache mit seinem Anwalt erklärte der Angeklagte, an jenem Abend habe er mit seiner Freundin »eine Meinungsverschiedenheit ausdiskutiert«. Danach habe man Sex gehabt, den die Frau gewollt habe. Gewalt habe er nicht ausgeübt. »Wir wollten nach Hessen. Sie hat sich von ihrer Chefin überreden lassen, doch zu arbeiten. Ich war sauer.« Bei der Polizei hatte er davon nichts erzählt. Viele weitere Widersprüche versuchte er zu erklären – die Verletzungen der Frau von der Katze oder durch »Rumbalgen« mit ihm auf dem Sofa. »Ich habe sie nicht vergewaltigt. Ich hab' sie geliebt.«

Ganz anders schilderte die Frau die Beziehung. Seinen Einzug in ihre Wohnung habe sie nicht aufhalten können. Er sei sehr eifersüchtig gewesen, etwa völlig unbegründet auf einen männlichen Kollegen. Er habe Internetkontakte überwacht und Dinge gelöscht. Bei ihrem Chef habe er sich hinter ihrem Rücken beschwert, sie arbeite zu viel. Zu einem Arzt sei er mitgegangen – »damit ich mich krankschreiben lasse«.

Der Hartz-IV-Empfänger habe geprahlt, reich geerbt zu haben und habe Häuser kaufen wollen. Gelebt habe er von ihrem Geld. Ein einziges Mal habe er eingekauft. Sie habe gewollt, dass er auszieht. Zu den Vergewaltigungen kurz darauf bestätigte die Frau alle Vorwürfe der Anklage, teils unter Tränen. Die Kammer musste die Anhörung einmal unterbrechen, damit sich die Frau wieder beruhigen konnte. Sie berichtete von anhaltenden Problemen, gesundheitlich wie psychisch. Sie sei weiterhin in Behandlung. kd