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Die Chiemgauer Luft hält Gerd Huffert jung

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Die Chiemgauer Luft und die bayerische Mentalität halten den gebürtigen Berliner Gerd Huffert jung. (Foto: Rasch)

Traunreut – Er war Handelsvertreter, Großhändler, Verleger und hat eigene Glückwunschkarten-Serien entwickelt. »Eine Serie hat dazu geführt, dass ich in Traunreut gelandet bin«.


Der gebürtige Berliner Gerd Huffert, ehemaliger Unternehmer, wurde am Dienstag 90 Jahre alt und hat seinen Geburtstag mit der Familie und Freunden ausgiebig gefeiert. »Es ging bis halb zwei Uhr morgens. Schließlich wird man nur einmal 90«, erzählte er beim Besuch des Traunsteiner Tagblatts. Gefreut habe er sich auch über den Besuch von Bürgermeister Klaus Ritter und über eine »einzige« Glückwunschkarte von Landrat Siegfried Walch.

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Auch mit 90 Jahren sagt der Witwer – mit seiner Frau Anneliese war er 60 Jahre lang verheiratet: »Ich kann nicht klagen. Mir geht es gut.« Sein hohes Alter sieht und merkt man ihm nicht an. »Entweder macht das die Chiemgauer Luft oder es liegt an der bayerischen Mentalität«, mutmaßt sein Cousin, der gerade aus Berlin zu Besuch ist. Die Umgebung und die Mentalität waren für Gerd Huffert und seine damals junge Familie mit ausschlaggebend, von Berlin nach Traunreut zu ziehen. »Wenn umsiedeln, dann in eine Gegend, wo man auch Urlaub machen kann«, lautete seine Devise.

Gerd Huffert wuchs in Berlin auf und wurde mit 15 Jahren als Luftwaffenhelfer zum Kriegsdienst eingezogen. Mit 17 Jahren bekam er eine Anstellung als Vertreter. »Von da auf ging es mit mir dann vorwärts«, erinnert er sich. Zunächst sei er in einer Grußkartenfabrik gelandet, in der er als Handelsvertreter und Großhändler gearbeitet habe. Sein Verkaufsgeschick machte er sich zunutze und baute sich in Berlin eine Existenz als Verleger mit eigener Fabrikation für Grußkarten auf.

Auf der Suche nach einem Auslieferungslager in Süddeutschland wurde er Anfang der 1960er Jahre in der damals noch jungen Stadt Traunreut fündig; mit dem Ziel, später auch die Produktion samt Mitarbeiter von Berlin nach Traunreut zu verlegen. In der Liebigstraße 1 bot sich für ihn die Gelegenheit, ein vom Freistaat Bayern zur Verfügung gestelltes Lagergebäude aus der Munazeit zu erwerben. »Ich erinnere mich noch gut daran, dass unweit daneben ein gleiches Gebäude gestanden hat, das die Firma Heidenhain erworben hatte.

Mit Unterstützung seiner Frau baute er das einstige Auslieferungslager zielstrebig zu einer florierenden Druckerei für Grußkarten mit rund 40 Mitarbeitern aus. Arbeiten, wie zum Beispiel das Verpacken der einzelnen Grußkarten in Cellophan-Folien, wurden auch außer Haus in Heimarbeit vergeben. Bei den Sprüchen auf den Karten unterstützte ihn seine Frau. Ein Spruch etwa lautete: »Das Leben fängt ja heiter an, keine Haare, keine Zähne und kein Mann.« Stets auf der Suche nach Neuem entwickelte Gerd Huffert auch verschiedene Methoden auf dem Gebiet der Leuchtkarten. Sieben seiner kreativen Leuchtkarten ließ er sich auch schützen. Vor 17 Jahren schloss er seinen Betrieb.

Für seinen weiteren Lebensweg wünscht sich der Witwer und Vater von zwei Söhnen und vierfache Opa vor allem Gesundheit und Unabhängigkeit. »Ich möchte nie von jemand abhängig sein und so lange es geht in meinen eigenen vier Wänden wohnen. Hier fühl' ik mich wohl.« Seinem Berliner Dialekt ist er bis heute treu geblieben. ga

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