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»Die Bücherei und die Leser werden mir fehlen«

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Die Leiterin der Stadtbücherei, Veronika Mühlbacher, tritt in die Freistellungsphase der Altersteilzeit ein. (Foto: Mix)

Traunreut – Die Bibliothekarin Veronika Mühlbacher verlässt die Stadtbücherei Traunreut nach 36 Jahren mit einem lachenden und einem weinenden Auge. »Die Bücherei und die Leser werden mir schon fehlen. Das war halt doch meine Bücherei und ich war immer gern hier«, betont die scheidende Leiterin, die in den Ruhestand geht. Gleichzeitig freut sie sich aber auch auf mehr Freizeit. Ab 1. August übernimmt Diemut Beer die Leitung der Stadtbücherei.


Veronika Mühlbacher hat das Glück, dass sie ein ganzes Arbeitsleben lang in ihrem Traumjob tätig sein konnte. Nach dem Studium war sie nur kurze Zeit in München tätig und kam am 1. April 1980 als Leiterin in die Stadtbücherei Traunreut. Damals war Bürgermeister Haberlander ihr Chef und die Bücherei befand sich ich im Untergeschoß des Gymnasiums. Einiges hat sich in den 36 Jahren seitdem verändert.

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»Kassetten waren damals der Hit«

Zu Beginn der Tätigkeit von Veronika Mühlbacher wurden drei Personen beschäftigt, davon zwei in Teilzeit. Im Bestand waren 14 300 Medien ausschließlich in Form von Büchern, Zeitschriften und Spielen und die Zahl der Ausleihen betrug rund 50 000 pro Jahr. Jetzt arbeiten sechs Personen in der Bücherei, davon fünf in Teilzeit, es gibt 35 000 Medien der verschiedensten Art und letztes Jahr wurden 156 000 Ausleihen registriert. Veronika Mühlbacher erinnert sich gut an so manche bedeutende Veränderung im Laufe der Zeit: 1985 kamen Kassetten zum Angebot, »die waren damals der Hit, heute sind sie längst ein alter Hut«. 1992 wurde die EDV eingeführt und die Stadtbücherei musste acht Monate geschlossen bleiben, ehe alles in die elektronische Datenverarbeitung übernommen war. Einen Einbruch bei den Besucherzahlen habe es 1995 gegeben, als die Jahresgebühr eingeführt wurde. Danach hätten sich die Zahlen aber rasch wieder erholt. 1996 wurden CDs ins Sortiment aufgenommen, 2001 entstanden die Internet-Arbeitsplätze und es wurden Hörbücher erstmals angeboten, 2005 kamen DVDs hinzu und der Kaffeeautomat, der sich bei vielen Stammkunden großer Beliebtheit erfreue.

Die Diskussion über eine neue Stadtbücherei kam im neuen Jahrtausend in Fahrt. Veronika Mühlbacher erinnert sich genau: »2010 kam der erste Beschluss für einen Neubau, 2011 wurde die alte Feuerwache als Standort festgelegt, später die Eichendorffstraße und wo sind wir jetzt?« 2013 kam der Umzug in die »vorübergehende« Bleibe am Rathausplatz, der von ihr und ihren Mitarbeitern in zwei Wochen komplett durchgezogen wurde. Dazu waren eine gute Logistik und ein minutiöser Plan für den Abbau der Regale mit allen Medien in den alten und den gleichzeitigen Aufbau in den neuen Räumen unabdingbar. Die Lage am Rathausplatz sei jetzt zwar sehr gut, doch der Platz reiche bei Weitem nicht aus. »Alles ist so beengt. Wir hätten noch viele tolle Bücher, die wir nicht präsentieren können und die deshalb im Magazin liegen«, erklärt Veronika Mühlbacher. Auch ist kein Platz mehr für Aktionen, wie sie früher mit großem Erfolg durchgeführt wurden.

In der alten Bücherei im Gymnasium wurden Autorenlesungen veranstaltet, Kinderpuppentheater-Aufführungen, Lesenächte für Kinder und so manches mehr, was nun auf beengtem Raum nicht mehr geht. »Die Leser vermissen das, es gehört zu einer leistungsfähigen Bücherei einfach dazu, dass man auch solche Veranstaltungen anbietet«, bedauert die Bibliothekarin. Für die 61-Jährige wäre ein Neubau nach wie vor die beste Lösung: »Eine Stadt wie Traunreut braucht eine Bücherei in einem ansprechenden Rahmen. Die Leser würden das sehr schätzen und wären dankbar dafür.« Ein wenig Wehmut verspürt die scheidende Leiterin schon, dass sie »ihre« Bücherei in diesem Übergangsstatus übergeben muss, hätte sie doch viel lieber eine neue, moderne, großzügige Stadtbücherei abgegeben.

Was ihr stets sehr am Herzen lag, ist die Leseförderung des Nachwuchses. Kindertagesstätten und Schulen seien immer willkommen in der Bücherei und es mache große Freude, wenn man die strahlenden Kinderaugen sieht und die Lust am Schmökern in den Büchern an die Kinder weitergeben kann.

Sie mag am liebsten Krimis und Psychothriller

Die Teisendorferin liest nicht nur von Berufs wegen sehr viel. Sie kann auch sehr schnell lesen und beginnt im Schnitt jeden zweiten Tag ein neues Buch. Auch Kinderbücher oder Fachbücher nimmt sie immer mal mit nach Hause, um danach den Kunden Empfehlungen abgeben zu können. Persönlich mag sie am liebsten Krimis und gut geschriebene Psychothriller oder erzählende Gartenbücher. Zu ihren Lieblingsautoren, die sie auch wärmstens empfehlen kann, gehören Donna Tartt und Jane Austen, »die kann man immer lesen«. Wenn sie nun nicht mehr in die Arbeit geht, will sie viel Zeit in ihrem Garten verbringen, natürlich weiterhin ausgiebig und in aller Ruhe lesen, wandern und in die Berge gehen. mix