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»Die Brücke hat mit dem ISEK nichts zu tun«

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Die Alzbrücke ist für viele Stein des Anstoßes.

Seeon-Seebruck – Das sogenannte Integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK) für Seebruck lässt die Emotionen in der Bevölkerung hochkochen.


In der Kritik steht vor allem der seitens des Straßenbauamtes Traunstein schon länger im Gespräch befindliche Neubau der Alzbrücke, der im Zuge des Entwicklungskonzepts wieder aufgegriffen wurde. Die Kritiker vertreten die Ansicht, dass die Verkehrssituation an erster Stelle stehe, bevor man andere Projekte in Angriff nehme. Sie befürchten, dass es sich beim Bau einer neuen Brücke auf eine »Schnellstraßenbrücke« hinauslaufen könnte und favorisieren eine große Ortsumfahrung nördlich von Stöffling und dem Gewerbegebiet Seebruck.

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Die massiven Proteste – inzwischen wurden rund 300 Unterschriften gegen eine neue Alzbrücke rund 250 Meter flussabwärts gesammelt – veranlassten die CSU-Fraktion, in der jüngsten Gemeinderatssitzung ausführlich Stellung zur Seebrucker Ortsentwicklung zu beziehen. Jeder einzelne Gemeinderat äußerte sich dazu und machte deutlich, dass das ISEK eine Chance für Seebruck sei, die auch genutzt werden müsse.

Investor klagt gegen die Gemeinde

CSU-Fraktionssprecher Sepp Daxenberger erinnerte an die bisherigen ISEK-Veranstaltungen. Trotz eines ergebnisoffenen Dialogs habe es in der Bevölkerung offenbar Irritationen gegeben, sagte Daxenberger. Die Proteste, dass der Gemeinderat hinter verschlossenen Türen gehandelt habe, wies er entschieden zurück. Dass das ISEK unmittelbar mit dem Verkehr zusammenhänge, sei nicht von der Hand zu weisen. Das Entwicklungskonzept sei aber nicht bindend und über eine neue Alzbrücke werde in den oberen Stellen entschieden, betonte er. »Es wird immer Betroffene geben«, erklärte Daxenberger am Beispiel einer geplanten Bebauung. Wie mehrfach berichtet, wollte ein Chieminger Investor auf einem Grundstück im Bereich der sogenannten »Reimer Kurfe« neue Wohnhäuser bauen. Das Projekt wurde aber gestoppt, weil die Belange der Gemeinde Vortritt haben. Der Investor hat das Grundstück für teures Geld gekauft und sitzt seither auf dem »Schleuderstuhl.« Nach letzten Informationen hat der Investor sein Vorhaben aufgegeben und klagt gegen die Gemeinde.

Daxenberger bedauerte auch, dass im ISEK nur die Brücke gesehen werde und nicht das Gesamtprojekt und damit die Chance, Seebruck nach vorne zu bringen. Die Gemeinde habe bereits Vorleistungen erbracht und sich dafür auch schon Grundstücke gesichert. Den Ausbau der Uferpromenade und die Sanierung des Strandbad-Gebäudes, für die bereits Gelder im Haushalt eingestellt worden seien, nannte er als Beispiel.

Brückentrasse schon vor ISEK vorgeschlagen

Klartext sprach Daxenbergers Fraktionskollege, Michael Regnauer. »Die Brücke hat mit dem ISEK nichts zu tun. Das sind zweierlei Projekte«. Er bekannte sich aber klar zu einem neuen Brückenstandort. »Ich bin für die Reimerkurfen-Brücke«, sagte er. Er sehe darin im Zuge des Entwicklungskonzepts die einmalige Chance, Seebruck für die nächsten 80 Jahre voranzubringen, so Regnauer. Auch Andreas Dorn (FW) sagte, dass eine neue Brückentrasse klar vom ISEK zu trennen sei. Er erinnerte daran, dass die von Studenten entwickelten Brückentrassen noch vor der Entscheidung ins ISEK einzusteigen, vorgeschlagen worden seien.

Nach vorne schauen und Gräben durch das Entwicklungskonzept zumachen, lautete die Devise von Rudolf Mayer (FW). Um die Bedenken einer Alternativtrasse für die Brücke auszuräumen regte er an, einen Fachmann zu beauftragen, der sich mit der Materie auskennt und klipp und klar darlege, welche Ausführung zum Tragen kommen könnte. »Auch ich weiß nicht, welche Brücke mehr Schall verursacht«, erklärte Mayer. Hier bestehe ein riesiges Informationsdefizit, das neben den weiteren berechtigten Bedenken der Bürger aufgearbeitet werden müsse. Dass eine große Ortsumfahrung wesentlich mehr Landverbrauch und Umweltzerstörung zur Folge hätte, als die jetzt geplante Ortskernentlastung im Rahmen des Entwicklungskonzepts, davor warnten auch Josef Hölzl und Josef Freiwang (FW). »Der Landverbrauch wäre unverantwortlich«, so Freiwang. Durch das ISEK habe man jetzt eine einmalige Chance, um zu einer neuen Alzbrücke zu kommen, sagte Hölzl. Auch Radler könnten dann problemlos auf der alten Brücke die Alz queren – und eine Umfahrung als Alternative würde nicht weniger Verkehr bringen. Sollte eine neue Brücke gebaut werden, würde die Bestandsbrücke für Fußgänger und Radfahrer bestehen bleiben. Nach Ansicht von Christine Eglseer (CSU) würde es auch bei einer großen Lösung Betroffene geben. »Mir sind zwei schmälere Brücken lieber als eine große«, so Eglseer. Sabine Pfaffenzeller (FW) sagte, sie könne sich auch eine neue Brücke am angestammten Platz vorstellen. Franz Wörndl (CSU) und Stefan Berger (FW) plädierten ebenfalls dafür, das Entwicklungskonzept voranzutreiben und bestimmte Maßnahmen auch umzusetzen. »Information für die Bevölkerung ja, aber wir sollten auch Punkte im ISEK in Angriff nehmen«, so Berger.

Einiges könnte bewegt werden

Martin Bartlweber (FW) bedauert den Widerstand der Bevölkerung und vermisst eine positive Resonanz der Seebrucker. Mit dem ISEK habe man ein Instrument gewählt, wo auch die Bürger mit eingebunden werden. »Wir sollten die Umsetzung anpacken und nicht nur planen«, so Bartlweber. Nur Gegenwind zu bekommen, mache auch ihn mürbe, sagte Norbert Maier (FW). Er könnte sich vorstellen, den bisherigen Brückenstandort zu erhalten und einen Geh- und Radweg anzugliedern. Hans Huber (FW) äußerte den Wunsch, beide Brückenvarian-ten noch einmal zu untersuchen. »Mir geht das Ganze ohnehin viel zu schnell. Wir sollten das Rad zurückdrehen.« Andreas Niedermaier (FW) und die zweite Bürgermeisterin Martha Gruber erklärten, dass durch das geförderte Programm einiges bewegt werden könnte. Die Infrastruktur könnte verbessert und der Ort mehr Wertschätzung erfahren, so Niedermaier. Das Konzept zeige der Gemeinde alle Möglichkeiten auf, die machbar wären, sagte Gruber.

Ruth verteidigt den Gemeinderat

Ob der massiven Proteste von außen stellte sich Bürgermeister Bernd Ruth schützend vor den Gemeinderat. Es stimme ihn nachdenklich, dass dem Gemeinderat nachgesagt werde, was er mache, »is eh ned recht«. Die Aktionen der letzten Wochen und Monate, das Ganze vehement zu boykottieren und an den Stammtischen zu kritisieren, hätten auch die Nachbarorte Seeon und Truchtlaching verstimmt. Überall werde er darauf angesprochen, was denn in Seebruck los sei. Die Kritik von außen im Rahmen des Gesamtkonzeptes sei nicht konstruktiv. »Wir schauen auf Seebruck, aber zurückkommen tut nichts«, mahnte er. Es sei schade, dass sich alles nur auf die Brücke konzentriere und nicht auf die anderen ISEK-Bereiche. Er verwies auch auf eine touristische Studie, die Aufschluss darüber gibt, dass 80 Prozent der Gäste, die am Chiemsee Urlaub machen, Seebruck gar nicht kennen.

Die Rechtfertigung des Bürgermeisters rief bei den Vertretern der Bürgerinitiative ziemlichen Unmut hervor. »Uns jetzt den schwarzen Peter zuzuschieben, sei ungerecht«, erklärte Anneliese Plenk von der Bürgerinitiative, die sich klar gegen eine Neutrassierung der Brücke ausspricht. Gegenüber unserer Zeitung bedauerte sie, dass im Vorfeld mit den Anliegern nicht gesprochen worden sei. »Wir wurden überhaupt nicht gefragt und konnten uns nicht dazu äußern.« ga