»Die Blockflöte vom Ruf eines Kinderspielzeugs befreien«

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Nahezu unglaublich ist die Auswahl an verschiedensten Flöten, die man im Musikhaus Fackler erhält. Es gibt sie in verschiedensten Tonarten, aus Plastik ebenso wie aus verschiedensten Hölzern oder als Hybrid, also mit Plastikkopf und Holz-Unterstück.
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Aller Anfang ist schwer, aber (von links) die siebenjährigen Zwillinge Ida und Rasmus sowie ihre sechsjährige Schwester Greta Weber aus Traunstein macht der Unterricht »richtig viel Spaß«, wie sie der Zeitung gegenüber verrieten. (Fotos: Hohler)

Traunstein – Was haben die biblischen Hirten, Johann Sebastian Bach und Led Zeppelin gemeinsam? – Die Blockflöte. Und genau diesem Instrument widmet sich einer von zahlreichen Gedenktagen, der heutige Internationale Tag der Blockflöte. Generationen von Grundschülern haben mit diesem Instrument die Grundlagen der Musik erlernt. Die einen haben es gehasst, die anderen lieben es auch als Erwachsene noch.


Dabei gibt es die Blockflöte in unglaublicher Vielfalt von Tonarten und Material, wie ein Besuch im Musikhaus Fackler verdeutlicht. Die Preisspanne liegt zwischen 10 und etwa 4000 Euro – je nach Ausführung: Sopranino, Sopran, Alt, Tenor, Bass, Großbass und Subbass. In Europa etablierte sich die Blockflöte, die aus einem Holzblock gebohrt und gedrechselt wird, von der Renaissance bis ins 18. Jahrhundert, wo sie von der Querflöte verdrängt wurde. Erst in den 1920ern wurde sie wieder entdeckt.

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Auch wenn klassische Stücke wie etwa Bachs Brandenburgische Konzerte eher für Altflöten geschrieben waren – heutzutage ist der meistgespielte Klassiker die Sopranflöte, erklärt Karl Fischer jun.. Und weil auch 70 Euro für ein gutes Anfängerinstrument manchen Eltern zu viel Geld sind, gibt es inzwischen auch Plastikflöten – »die kosten ungefähr ein Drittel«, so Fischer »und müssen nicht schlecht sein. Kleine Kinder blasen manchmal noch recht feucht an, da ist das Plastik gar nicht so dumm.« Allerdings sei Holz bei längerem Spiel angenehmer an den doch sehr sensiblen Lippen.

Fürs Orchester muss es Hartholz sein

Während die meisten Anfängerflöten aus Weichholz wie Ahorn oder Birne sind, sind höherwertige Instrumente – etwa für den Einsatz in Orchestern – aus Hartholz wie Rose oder Ebenholz. »Wenn man sich gegen Cembalo und Geiger behaupten muss, braucht man etwas lauteres mit mehr Obertönen«, erklärt Fischer.

Er selbst hat noch keine Blockflöte gebaut – mehr Herausforderung bieten Querflöten. »Das ist eine Mischung aus Silberschmied, Feinmechaniker und Werkzeugmacher«. Fischers Steckenpferd sind jedoch die Harfen, und auch sein Neffe Thomas baut. Der Holzblasinstrumentenmachermeister Karl Fischer gehört zur fünften Generation der Familie, die 1875 das Traunsteiner Fachgeschäft gründete. Noch heute sind sechs der 19 Mitarbeiter Familienmitglieder.

Gefragt sind Blockflöten besonders zum Schulanfang und vor Weihnachten, wie Fischers Nichte Verena Rehrl erklärt: »Da verkaufen wir schon mal 15 bis 30 Flöten am Tag«. Kein Wunder: »Sie ist günstig und leicht zu transportieren – das ist beim Klavier deutlich schwieriger. Und später gibt es im Ensemble Alt-, Tenor- oder Bassflöte.« In den vergangenen zehn Jahren seien die Verkaufszahlen aber zurückgegangen – wegen des Generationenwechsels bei den Lehrern, so Fischer. »Für die alten Lehrer war die Blockflöte Standard, aber junge Lehrer tun sich das nicht mehr an.«

Knackpunkt ist der Wechsel zum solistischen Spiel

Auch Irmgard Steib, Blockflötenlehrerin an der Musikschule Traunstein, registriert das nachlassende Interesse. Sie und ihre Kollegin Ulrike Eiring seien jedoch immer ausgebucht. Der Anfangsunterricht sei relativ einfach, aber »beim Wechsel zum solistischen Spiel geben die meisten Kinder auf.« Sie lege aber von Anfang an Wert auf sauber gespielte Töne und die richtige Technik, Atmung und Artikulation. Sie selbst habe die Blockflöte im Rahmen ihres Studiums an der Wiener Hochschule für Musik und darstellende Kunst kennengelernt. »Ich wusste sofort, das ist meins, dieses Instrument ist meine große Liebe.« Und eben jene wolle sie ihren Schülern vermitteln.

Und dann »etwas Gescheites« lernen?

Schade finde sie die Idee, mit der Flöte nur anzufangen, um dann »etwas Gescheites« zu lernen, etwa Saxophon oder Trompete. Wirklich hoffnungslose Fälle gebe es übrigens sehr selten. Auch wenn sie auf »einem richtigen Instrument« von Anfang an besteht, Plastikköpfe hält auch sie für Anfänger für sinnvoll, besonders »bevor sie mit dem Zahnwechsel durch sind«.

Was man mit einer Blockflöte noch alles machen kann, zeigen nicht nur Beispiele aus der Rockmusik wie etwa Led Zeppelin mit »Stairway to Heaven« – auch heute gibt es Gruppen wie etwa »Wildes Holz«, drei studierte Profi-Musiker, die in der Besetzung Kontrabass, Gitarre und Blockflöte antreten, die Blockflöte »vom schäbigen Ruf eines Kinderspielzeugs zu befreien«.

Morgen in der evangelischen Kirche

Wer sich selbst überzeugen will, kann sich Irmgard Steibs Blockflötenorchester anhören. »Das sind 14 Frauen im Alter zwischen 15 und 74 Jahren. Wir hatten schon ein paar kleinere Auftritte, im Sommer planen wir ein ganzes Konzert. Wir spielen alles von Renaissance über Barock bis zu Ragtime.« Zu hören sind sie am morgigen Sonntag um 9.30 Uhr im Gottesdienst in der evangelischen Kirche in Ruhpolding. coho

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