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Die Biotonne kommt

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Spätestens zum 1. Januar 2015 soll es auch im Landkreis Traunstein eine Biotonne geben. Darin sollen dann Abfälle aus der Küche, Gartenabfälle und eventuell bisher eigenkompostierte Dinge landen – aber kein Grüngut. (Foto: dpa)

Traunstein. Zur gesetzlichen Pflicht wird die Biotonne und damit das getrennte Sammeln von Bioabfällen zum 1. Januar 2015. Spätestens dann soll sie auch im Landkreis Traunstein umgesetzt werden. In diesem Zusammenhang laufen bereits die Vorbereitungen. Gestern beauftragte der Umweltausschuss in seiner jüngsten Sitzung die Mitarbeiter des Landratsamtes, alles für die neue Biotonne vorzubereiten. Anschließend soll im Ausschuss über die Details der Umsetzung diskutiert werden.


Der Landkreis werde um die Gesetzesänderung hinsichtlich Biomüll nicht herumkommen, so Landrat Hermann Steinmaßl. Die Fragen jedoch seien: »Wie wollen wir sammeln? Wo verwerten wir?« Im Rahmen einer abfallwirtschaftlichen Gesamtstudie habe der Landkreis auch das Thema »Bioabfall« von einem Ingenieurbüro untersuchen lassen. Die Ergebnisse wurden gestern vorgestellt. Demnach würden sich bei wirtschaftlicher Verwertung die Müllgebühren insgesamt nicht erheblich erhöhen. Das Aufkommen an Biomüll im Landkreis liege bei geschätzten 12 000 Tonnen pro Jahr.

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Neue Biogasanlage auf Gelände des ZAS geplant

Der Zweckverband Abfallverwertung Südostbayern (ZAS), dem auch der Landkreis Traunstein angehört, wird künftig auf dem Gelände seines Heizkraftwerks in Burgkirchen eine Biogasanlage errichten, die biogenen Abfälle aus den Haushalten in seinem Verbandsgebiet in einer Vergärungsanlage aufbereiten, Energie und Fertigdünger erzeugen sowie Abfallprodukte im Heizkraftwerk verbrennen. Der Umweltausschuss nahm die Konzeptstudie einstimmig zur Kenntnis und beauftragte den Landrat und die Traunsteiner Verbandsräte, sich für die Realisierung des Projekts beim Zweckverband einzusetzen.

Werner Bauer vom beauftragten Münchner Ingenieurbüro erklärte anschließend weitere Punkte aus der Studie. So sei für den Transport des Biomaterials die Straße der Bahn vorzuziehen, da dies »flexibler und günstiger« ist. Dies rief in der Diskussion viele Redebeiträge auf den Plan. Bauer blieb jedoch dabei. Man habe alles durchgerechnet.

Bioabfall aus dem Landkreis Traunstein werde dann von kleineren Sammelfahrzeugen in der Müllumladestation Weiderting auf Großraumfahrzeuge umgeladen und zum ZAS gebracht. Für eine Vergärungsanlage sei in Burgkirchen das notwendige Areal vorhanden samt Halle, Tiefbunker und Waage.

Die Biomasse solle energetisch und stofflich verwertet werden. Bauers Favorit war das Gewinnen von Gas. Letztlich soll aus den Bioabfällen der Haushalte Biomethan, also »Erdgas« werden. Es sei lokal nutzbar, könne gespeichert werden, sei spitzenlast- und grundlastfähig. »Die zentrale Bioabfallverwertung am Müllheizkraftwerk Burgkirchen besticht durch ökologische und ökonomische Vorteile.«

Experte empfiehlt: Kostenlose Standardtonne

Nach Bauers Meinung sollen in der Biotonne nur Abfälle aus der Küche, Gartenabfälle und eventuell bisher eigenkompostierte Dinge landen – kein Grüngut. Wer weiter selbst Kompost gewinnen wolle, könne dies natürlich tun. Zu empfehlen sei eine für die Bürger kostenlose Standardtonne mit 80 oder 120 Liter Volumen. Größere Gefäße wie eine 240-Liter-Tonne sollten gebührenpflichtig sein.

Das Ganze mache Sinn, die Vorteile wögen die Nachteile auf, unterstrich Landrat Steinmaßl. »Gas geben« – das forderte gestern sein Stellvertreter Sepp Konhäuser, SPD. Er habe von keinem der Mitgliedslandkreise bislang Widerspruch vernommen.

Bedenken von weiteren Kreisräten hinsichtlich Schwermetallen im Endprodukt Dünger versuchte Werner Bauer auszuräumen. Er widersprach damit einem Gutachten, das ein anderer Sachverständiger vor zwei Jahren präsentiert hatte. Der Kompost oder Fertigdünger müsse laut Bauer nun zahlreichen gesetzlichen Vorgaben genügen.

Auf der Tagesordnung stand gestern auch die gesamte Abfallwirtschaft, die von Dr. Birgit Seeholzer vom Landratsamt vorgestellt und vom Umweltausschuss einstimmig akzeptiert wurde. Die Referentin informierte über große Erfolge des Landkreises mit seinen 36 Wertstoffhöfen in 35 Gemeinden. 2012 wurden die Müllgebühren von vorher 217 Euro im Jahr für eine 120-Liter-Tonne auf 128 Euro gesenkt.

Elektrogeräte werden ab April angenommen

Starke Schwankungen gebe es beim Preis für Altpapier und Altmetalle. Der erwartete Rückgang bei der Altglasmenge habe sich nicht realisiert. Neu zum 1. April 2013 sei, dass die Wertstoffhöfe auch Elektrogeräte annehmen – Radios, Handys oder Computer: »Die Metalle sind inzwischen so wertvoll, dass sich das Sammeln und Wiederverwerten lohnt.« kd