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Die Bewirtschaftung der Almen dem Klimawandel anpassen

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Eine Verlängerung der Weidezeiten auf den Almen forderte Siegfried Steinberger von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft in Grub (links) bei der Jahresversammlung des Verbandes der Forstberechtigten im Chiemgau; daneben die Geschäftsführerin des Verbandes Maria Stöberl und der Vorsitzende, Landrat Hermann Steinmaßl. (Foto: Giesen)

Ruhpolding. Der Verband der Forstberechtigten im Chiemgau ist »der größte gemeinsame Verband im Alpenraum, der die Interessen der Almbauern vertritt«, sagte der Vorsitzende des Verbandes, Landrat Hermann Steinmaßl, bei der Jahresversammlung im Hotel Zur Post in Ruhpolding. Im nächsten Jahr beginne eine neue Förderperiode in Brüssel, erklärte Steinmaßl. Die Gelder würden neu verteilt, sodass ein starker Verband und die Vernetzung der Interessenverbände unbedingt nötig seien.


In den letzten Jahren hatte es Gespräche mit dem Bund Naturschutz gegeben, um eine Annäherung der Standpunkte zu erreichen. Steinmaßl äußerte sich positiv über den Meinungsaustausch mit Hubert Weiger und Vertretern der Almbauern und Forstleute auf der Haaralm im letzten Sommer (wir berichteten). Es sei zwar eine kontroverse Diskussion gewesen, aber überall seien auch Parallelen in der Auffassung erkennbar gewesen.

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Nicht nachvollziehbar sei die Kritik des BN am neuen Waldgesetz, dass nämlich das Waldgesetz ein »Freibrief« für Rodungen im Bergwald sei. Das sei »völlig absurd«, bekräftigte auch die Geschäftsführerin des Vereins der Forstberechtigten, Maria Stöberl, da der Großteil des Bergwalds Staatsforst sei und daher Rodungen ohne Erlaubnis unmöglich seien. In Bayern gibt es rund 40 000 Hektar geförderte Lichtweide, davon je 20 000 in Oberbayern und im Allgäu. Durch die Weiderechtskommission seien die Überschneidungen mit aktiv bepflanzten Schutzwaldsanierungsflächen überprüft worden, so Stöberl. Resultat ist, dass es rund 24 Hektar Überschneidungen in ganz Bayern gibt, jeweils eine Alm im Landkreis Berchtesgadener Land und Traunstein.

Zu den Aufgaben in der Geschäftsstelle sagte die Geschäftsführerin, es sei »ein grandioser Schachzug« des Ehrenvorsitzenden Leonhard Schmucker gewesen, die Geschäftsstelle im Landratsamt einzurichten. Dadurch sei die Beratung der Mitglieder und die Vertretung der Berechtigten bei Ortsterminen viel einfa-cher.

Landtagsabgeordneter Klaus Steiner berichtete von den großen Herausforderungen im Landtag und dem »ständigen Abwehrkampf«, um die Forst- und Weiderechte zu schützen. In Bayern müsse die Landwirtschaft nicht mehr »ökologisch werden«, denn hier sei das bereits auch die konventionelle Landwirtschaft. Hier gebe es keine Agrarindustrie wie in an-deren Bundesländern und so gelte es zum Beispiel bei den Vorschriften zur Tierhaltung oder bei Zwangsstilllegungen ständig, weitere Forderungen abzulehnen und zu bekämpfen.

Nach den Worten von Klaus Steiner sei der Vorsitzende des Bund Naturschutz, Professor Hubert Weiger, zwar beim Treffen auf der Haaralm sehr umgänglich gewesen; aber er begegne ihm landesweit auf vielen anderen Veranstaltungen und da seien vom Naturschutz oft unakzeptable Forderungen zu hören, zum Beispiel »den Wolf rudelweise einzuführen«, denn das sei das Ende der Almwirtschaft, so Steiner. Ruhpoldings Bürgermeister Claus Pichler meinte, schnell könne sich die jetzige positive Lage umkehren. Daher empfahl er, mit den Verantwortlichen und Abgeordneten zu reden, damit sie auch »ihre Vertreter im Europäischen Parlament ins Gebet nehmen« und in die richtige Richtung hin beeinflussen.

Positiv wie immer fiel der Kassenbericht von Josef Höflinger aus. Größeren Raum nahm der Vortrag »Klima- und Strukturwandel erfordern eine Anpassung in der Bewirtschaftung von Almflächen« von Siegfried Steinberger ein. Er arbeitet an der Landesanstalt für Landwirtschaft in Poing-Grub bei München und führte im letzten Jahr eine detaillierte wissenschaftliche und praktische Untersuchung zur Effektivität der Bewirtschaftung von Almen durch. Das Institut beschäftigt sich vor allem mit Weidehaltung und Grünlandsanierung. Dabei war ein wichtiges Untersuchungsobjekt im letzten Jahr die auf 1300 Meter Höhe gelegene Haaralm auf der Hörndlwand im Gemeindebereich von Ruhpolding.

Der Referent wies anhand umfangreicher Untersuchungen nach, dass wegen der Klimaerwärmung eine Vorverlegung des Weidebetriebs auf den Almen von rund drei Wochen »zwingend erforderlich« sei. Die bisherige Regelung des Beginns der Weidezeit am 10. Juni sei durch den früheren Vegetationsbeginn einfach zu spät. (»Die Viecher müssen drauf warten, dass ihnen das Gras ins Maul wächst – nicht das Gras drauf warten, dass es die Viecher fressen«). Als weiteres Ziel auf der Haaralm gab Steinberger die Anzahl von 120 Weidetieren an und nicht, wie bisher 80 oder 90 Tiere. Im Anschluss an das Referat sagte Ludwig Böddecker, der die Haaralm seit 35 Jahren bewirtschaftet, dass Siegfried Steinberger mit seiner Untersuchung ihm erst die Augen geöffnet habe, »wie weit es auf der Alm schon gefehlt« habe.

Michael Hinterstoißer vom Almwirtschaftlichen Verband Oberbayern bekräftigte, dass die Untersuchungen die Erfahrungen des Vereins bestätigt hätten. Man kämpfe im Übrigen derzeit darum, dass eine Raufutterprämie eingeführt werde, zumindest in Bayern. Außerdem wies Hinterstoißer auf die Hauptalmbegehung hin, die am 31. Juli, in Grassau stattfinden wird. gi