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»Die Bahn als Geschenk des Freistaats annehmen«

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Traunstein. Die Traun-Alz-Bahn soll für Passagiere attraktiver und das Hauptverkehrsmittel zwischen Traunstein und Traunreut werden. Bahn und Busse des Regionalverkehr Oberbayern (RVO) werden besser aufeinander abgestimmt und vor allem vertaktet. Dies ist ein Kernziel des vom Landkreis Traunstein im März an ein Heidelberger Gutachterbüro vergebenen »ÖPNV-Gesamtkonzepts«. Gestern präsentierte Stephan Kroll von der »Nahverkehrsberatung Südwest« erstmals konkrete Vorschläge für diese Bahnstrecke.


Bei gleicher Abfahrtszeit: Bus streichen

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Einer lautete in der gestrigen gemeinsamen Sitzung des Kreisentwicklungsausschusses und des Kreisausschusses: »Nehmen Sie die Bahn als Geschenk des Freistaats an. Für den Bus muss der Landkreis zahlen.« Kroll riet, bei gleichen Abfahrtszeiten von Bahn und Bus den Bus zu streichen. Das würde laut Landrat Hermann Steinmaßl ungefähr eine Halbierung der Busfahrten nach sich ziehen.

Der Verkehrsplaner bezifferte die Einsparungsmöglichkeiten pro Tag allein durch das Streichen von parallelen Busfahrten bei zeitgleichen Zugfahrten zwischen Montag und Freitag mit rund 500 Kilometer, am Samstag mit 42 und am Sonntag mit 35 Kilometer. »Das sind 130 000 Kilometer im Jahr – die wir dem Busunternehmen RVO nicht wegnehmen, sondern umverteilen wollen.« Kroll empfahl: »Fahrt doch da, wo kein Zug fährt.«

Fahrgäste der Traun-Alz-Achse könnten künftig gemäß den Gutachterideen im Halbstundentakt zu ihrem geplanten Ziel kommen – entweder per Bus oder per Bahn. Die Bahn könnte nach Kroll vermehrt an Wochenenden fahren, die Feinerschließung durch Busse erfolgen. Kroll und sein Mitarbeiter Hartmut Jaißle erläuterten zahlreiche Details hinsichtlich zusätzlicher Haltestellen und Verbindungen, schränkten aber auch ein, das »Feintuning«, vor allem hinsichtlich des noch nicht eingearbeiteten Schülerverkehrs, sei noch nicht erfolgt.

»Nicht wild drauf los doktern«

Stephan Kroll kam mit seinen Vorschlägen in den Kreisgremien unter Vorsitz von Landrat Herrmann Steinmaßl zunächst sichtbar gut an. Einen Wermutstropfen schüttete Nicolaj Eberlein von der RVO-Zentrale München in die Diskussion. Er forderte, »nicht wild drauf loszudoktern«. Dass unter dem Strich Ersparnisse erreicht werden könnten, weise er zurück. Diese Gutachterthese sei »sehr gewagt«.

Etwas »innerhalb von vier Wochen aus dem Ärmel zu schütteln«, lehnte Nicolaj Eberlein für die RVO ab. Das Thema beinhalte »Dutzende von Unbekannten«. Den Bus »einseitig und unüberlegt zulasten der öffentlichen Hand zu stutzen« – das sei keine Lösung. Er werde zunächst seiner Planungsgruppe das Gutachterkonzept vorlegen.

Den zweiten Wermutstropfen goss Peter Högl als Vertreter der Bayerischen Eisenbahngesellschaft in das Gutachterkonzept. Die Abstimmung mit der RVO sei in der Vergangenheit »sehr zäh« gewesen. Derzeit laufe die Gesamtplanung für Oberbayern. Nicht jeder in München sei »glücklich über die Traun-Alz-Bahn«. Wörtlich sagte Högl: »Mancher in München wäre glücklich, wenn der Stecker gezogen werden könnte.«

Die intensive Diskussion der Kreisräte deckte gestern viele Eckpunkte auf, die noch zu beleuchten sind. Manche gaben der Bahn, andere dem Bus den Vorzug. Mehrere Gremienmitglieder forderten die Beteiligten auf, an einem Strang zu ziehen. Franz Parzinger, CSU-Bürgermeister von Traunreut, appellierte, nicht übereilt zu entscheiden: »Wir müssen uns die Zeit nehmen und gönnen, damit wir weiter kommen.«

Im Januar soll das Thema in den Kreistag

»Echte Sorge«, dass der begonnene Prozess wieder versanden werde, hatte Stephan Kroll angesichts der gestrigen Diskussion: »Ich habe keine Lust, Ihnen 30 Seiten Papier zu liefern. Nach einem Jahr verschwindet das Konzept im Papierkorb.« Der Landrat blieb bei der Zeitschiene, bis Januar mit dem Thema in den Kreistag zu ziehen. Die Fraktionen sollten ihre Stellungnahmen im Herbst abgeben. »Momentan gehe ich von einem Konsens aus«, so Steinmaßl.

Sein einstimmig akzeptierter Beschlussvorschlag war: Das Gutachterkonzept wird als Basis zur Kenntnis genommen. Bayerische Eisenbahngesellschaft, die Bürgermeister an der Bahnlinie und das Verkehrsunternehmen sollen sich in Gesprächen mit der »Feinabstimmung« befassen. kd