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Die Almen sind artenreicher als der tropische Regenwald

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Der Grassauer Rudolf Falschlunger wurde für 45 Sommer auf der Moieralm geehrt. (Foto: T. Eder)

Grassau. »Die Politik kann die Leute nicht satt machen, sie möchte aber die Rahmenbedingungen für den wirtschaftlichen Erfolg der Landwirte schaffen«, betonte Festredner Robert Kloos in der Vollversammlung des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern (AVO) im Heftersaal. Er kam in Vertretung der ehemaligen Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner. Dabei wurden auch langjährige Almleute geehrt.


Laut Georg Mair, Geschäftsführer des AVO, war es zu Beginn des Jahres zu kalt und zu nass auf den Almen. Es folgte ein sehr heißer und trockener Sommer mit Wasserknappheit und frühzeitigem Almabtrieb. Er erinnerte aber auch an die gelungene Almbegehung, die nach 31 Jahren wieder auf Grassauer Gebiet stattfand. Beste Weideflächen, gut erschlossene Almen und dazu bestens renovierte Gebäude – alle noch mit funktionierendem Stall – wurden gesehen. Ein Rekordbesuch von über 1000 Almwanderern war diesem Tag beschieden.

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Zur Agrarpolitik 2014 bis 2020 betonte Mair, dass sich der Verein für eine Ausgleichszahlung in mindestens gleicher Höhe, wie auch für eine Weideprämie einsetze. Auch sprach er sich für mehr Investitionen im Berggebiet aus, wobei Kleinbetriebe von der Förderung nicht ausgeschlossen werden dürften. Wichtig sei die Raufutterfressprämie im Berggebiet, um dem rückläufigen Rinderbestand entgegenzuwirken. Als positiv bezeichnete er das Bundeswaldgesetz und betonte, dass die TBC-Untersuchungen wichtig seien, damit der gute Ruf der Almbauern gewahrt werde und auch weiterhin ein Beweis für TBC-freie Tiere bestehe.

Geschäftsführer Michael Hinterstoißer informierte, dass nach neuen Erkenntnissen die Almen artenreicher als der tropische Regenwald und somit Inbegriff der Artenvielfalt seien. Zum Almbestoß erklärte er, dass rund 150 Stück Viecher mehr aufgetrieben wurden, aber der Eigenviehbestand um 3,5 Prozent abgenommen, dafür der Fremdviehbestand um 8,6 Prozent zugenommen habe. Es sei bedenklich, dass das Vieh der Almbauern zurückgehe. Deshalb müsse man sich massiv für eine Raufutterfressprämie einsetzen. Ebenfalls bedenklich sei, dass die Lichtweidefläche abgenommen habe und rund vier Almen jährlich zuwachsen. 60 Unfälle auf den Almen habe es gegeben, bei Miesbach seien neun Kälber tödlich abgestürzt.

Nach Staatssekretär Kloos habe die Berglandwirtschaft eine besondere Herausforderung zu meistern und sei das Rückgrat der Bergregionen. Sie erhalte die wunderschöne Landschaft. Die Regierung werde weiterhin an der Seite der Bergbauern stehen, versicherte er. Man habe in Brüssel erreicht, dass seit 2013 Acker- und Grünland gleich bewertet werde und die Landwirte dafür eine einheitliche Prämie erhalten. Die Einheitsprämie für alle europäischen Staaten konnte verhindert werden. Damit hätte man ein Viertel der Prämien verloren. Eine kleine Umverteilung von vier Prozent nach Osteuropa werde es geben, 25 Prozent sollten es anfangs sein. Man wolle gemeinsam am Konzept von Ilse Aigner festhalten. Laut Kloos solle es auch eine Kennzeichnung für »Bergprodukte« geben, um mehr Wertschöpfung zu bringen und dem Verbraucher die Herkunft deutlich zu machen.

Von 173 Almen im Landkreis Traunstein sprach Landrat Hermann Steinmaßl. »Die Kulturlandschaft ist der Spiegel der Menschen, die sie gestalten und erhalten, und wir können stolz in diesen Spiegel blicken«, sagte er. »Das haben wir euch Almbauern zu verdanken. Ja zu den Almen, ja zur Almwirtschaft, setzen wir uns dafür ein«, rief der Landrat auf. Stolz zeigte sich auch Bürgermeister Rudi Jantke, und zwar auf die Zusammenarbeit in der Gemeinde, die auch bei der Almbegehung deutlich wurde. Stolz sei er aber auch auf die Almleute, die die Logistik der Ausrichtung der Almbegehung mit über 1000 Leuten gemeistert hatten und auch bei den Festtagen in Grassau viel zum Gelingen beitrugen.

Letztlich ehrte der Verein noch Almleute, die mindestens zehn Sommer auf der Alm verbracht und diese bewirtschaftet hatten. Aus Werdenfels war Alois Rieger da, der 60 Sommer auf der Wettersteinalm verbrachte und aus Grassau Rudolf Falschlunger, der sich 45 Sommer um die Moieralm kümmerte. Insgesamt wurden aus Grassau, Miesbach, Oberaudorf, Ruhpolding, Schleching, Tegernsee, Bad Tölz und Werdenfels 21 Almleute geehrt.

Der Verein dachte aber auch an die Hochwasseropfer und spendete 2000 Euro an den Wasser- und Bodenverband Staudach-Egerndach zu Händen von Georg Schwaiger und der Förderverein Ertl-Silbernagl legte nochmals 1000 Euro drauf. tb