weather-image
24°

»Die Aktion ist jetzt in guten Händen«

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Konstanze Reichert-Kegel (links) übernimmt die Führung der Aktion »... die im Dunkeln sieht man nicht«, die Charlotte Wamsler vor fast 30 Jahren ins Leben gerufen hat. (Foto: Artes)

Traunstein – Seit rund 30 Jahren gibt es die Aktion »... die im Dunkeln sieht man nicht«, die Charlotte Wamsler ins Leben gerufen hat. Jetzt übergibt sie die Führung an Konstanze Reichert-Kegel, die Ehefrau von Oberbürgermeister Christian Kegel, die die Aktion weiterführen möchte, wie es ihre Vorgängerin über Jahrzehnte gemacht hat: »Es gibt keine Notwendigkeit, ein gelungenes Werk zu verändern.«


Seit 1985 gibt es die Aktion, mit dem Ziel, bedürftigen Traunsteiner Bürgern zu helfen, erzählt Charlotte Wamsler im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt. In den Jahren zuvor waren ihrem Mann, dem damaligen Oberbürgermeister Rudolf Wamsler, im Rahmen von Firmenjubiläen, Geschäftseröffnungen oder bei anderen Gelegenheiten immer wieder Spenden überreicht worden. Bereits damals übergab Charlotte Wamsler immer wieder finanzielle Mittel an Bürger, von deren Notlage sie von der Stadt, der Arbeiterwohlfahrt, dem VdK oder von kirchlichen Verbänden erfahren hatte.

Anzeige

1985 blieben die Geldspenden allerdings aus, sodass zum Beginn der Adventszeit nur sehr wenig Mittel vorhanden waren, erzählt Charlotte Wamsler weiter. Mit Unterstützung unserer Zeitung startete sie damals einen Aufruf, um Spenden für Not leidende Menschen in der Stadt zu sammeln. »Damit habe ich offene Türen eingerannt«, erinnert sie sich. Nur eine Woche später war genug Geld zusammengekommen, sodass Charlotte Wamsler Bedürftige besuchen konnte, »um ihnen eine Freude zu machen«.

Einen Teil der jährlichen Weihnachtsbesuche unternahm Charlotte Wamsler heuer zusammen mit ihrer Nachfolgerin Konstanze Reichert-Kegel. Etwa 40 Bedürftige haben die beiden in den letzten Tagen besucht. »Ich bin tief beeindruckt, dass auch in Traunstein so viel Armut gibt«, so Konstanze Reichert-Kegel. Außerdem gebe es sehr viel Einsamkeit. »Die Menschen wollen auch mal nur reden«, erzählt sie weiter. Die Besuche in der Adventszeit seien für viele ein »wichtiger Zeitpunkt; sie wissen 'da kommt jemand'«, so Reichert-Kegel weiter. Vielen Bedürftigen ginge es nicht um das Geld – das Gefühl ernst genommen zu werden, sei vielen wichtiger.

Konstanze Reichert-Kegel ist beeindruckt von ihrer Vorgängerin: »Es ist bewundernswert, wie Frau Wamsler mit den Menschen umgeht, mit wie viel Empathie und Herzblut sie immer dabei ist.« Sie musste nicht lange darüber nachdenken, ob sie die Führung der Aktion übernehmen möchte. »Ich bin Religionslehrerin. Da kann ich nicht immer nur von Nächstenliebe reden, ich muss auch etwas praktisch tun«, so Konstanze Reichert-Kegel. Schon länger habe sie mit dem Gedanken gespielt, sich in Traunstein zu engagieren. Die Übernahme sei eine gute Gelegenheit gewesen, in ein soziales Projekt einzusteigen. »Ich möchte ein bisschen etwas, das mir an Gutem widerfährt, an andere weitergeben.« Ein weiterer Grund war, dass »so etwas Sinnvolles nicht einfach aufhören darf«.

»Die Aktion ist jetzt in guten Händen. Ich habe keine Bedenken«, sagt Charlotte Wamsler. Vor allem alters- und gesundheitsbedingt hat sie die Führung übergeben. Die Besuche seien immer sehr anstrengend. »Einerseits das Herumfahren, dann Treppe rauf, Treppe runter. Aufzüge gibt es ja nicht überall«. Aber auch mental sei es immer wieder eine Herausforderung gewesen.

Besonders dankbar ist die Initiatorin all denjenigen, die sie in den letzten Jahren unterstützt haben. Die Zusammenarbeit mit den Menschen, Firmen, Vereinigungen und Organisationen sowie mit der Stadt hat immer hervorragend funktioniert. »Ohne die Unterstützung, wäre es nicht möglich gewesen, so vielen unverschuldet in Not geratenen Menschen, zu helfen«, fasst Charlotte Wamsler ihre Arbeit der letzten Jahre zusammen.

Ihre Nachfolgerin möchte die Arbeit jetzt genau so weiterführen, denn Konstanze Reichert-Kegel sieht keinen Grund, etwas zu verändern. »Allerdings muss ich erst mal in diese Aufgabe reinwachsen und ein Jahr mitmachen. Dann werde ich sehen, wo es noch Potenzial gibt«, so die Ehefrau des Oberbürgermeisters. »Und wenn es Probleme gibt, kann sie sich jederzeit an mich wenden und ich helfe weiter«, sagt Charlotte Wamsler auch weiterhin ihre Unterstützung zu. Julia Artes