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Die Adventszeit soll eine »stade Zeit« sein

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Wie bei einem Adventskalender erklärt Siegi Götze aus Marquartstein unseren Lesern vom 1. bis zum 24. Dezember jeden Tag einen anderen Weihnachtsbrauch.
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Der Advent spielt sich für immer mehr Menschen zwischen Back-Marathon und Einkaufs-Wahnsinn ab. Dabei ist jetzt die »stade« Zeit, in der wir uns auf das Fest der Geburt Jesu vorbereiten sollen. Früher haben allerlei Bräuche die Menschen auf den Heiligen Abend hingeführt. Einige davon sind noch lebendig, andere fast vergessen. Brauchtumskenner Siegi Götze aus Marquartstein erinnert in der Adventsserie des Traunsteiner Tagblatts an die vielfältigen Weihnachtsbräuche und ihre Ursprünge. Zum Auftakt geht es um den Advent an sich.


Über Sinn und Bedeutung dieses Wortes machen sich in unserer säkularisierten Welt nur mehr wenige Menschen ernsthaft Gedanken. Sicherlich kennt man die landauf, landab stattfindenden Adventssingen, den Adventskranz, die diversen Adventsgestecke, die Barbarazweige, den heiligen Nikolaus und dergleichen mehr, aber als die im Kirchenjahr vorgesehene Vorbereitungszeit auf Weihnachten, in der man eigentlich in sich gehen und »einen Gang zurückschalten« sollte, nimmt ein nicht geringer Teil der heutigen Bevölkerung den Advent im eigentlichen Wortsinn kaum noch oder gar nicht mehr wahr.

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Ein Blick in das »Kleine Lexikon Christlichen Brauchtums« von Alfred Läpple, erschienen 1996 in Augsburg, hilft uns hier weiter. Dort heißt es: »Das aus dem Lateinischen kommende Wort Advent (adventus) bedeutet Ankunft: Erwartung der Ankunft des Herrn (adventus domini). Die Fülle des Advents erschließt sich

– als Rückblick in die Vergangenheit, als das Volk Israel, inspiriert durch eine Vielzahl messianischer Weissagungen im Alten Testament, auf den Messias und Erlöser ausschaute

– als gegenwärtige Begegnung mit Jesus Christus, der bereits gekommen ist, in seinem Wort, in seinem Sakrament, in seiner Güte und Menschenfreundlichkeit

– als Vorbereitung auf das zukünftige Kommen Jesu am Ende der Geschichte als Weltenrichter.

Mit dem Weihnachtsfestkreis, der am ersten Sonntag im Advent seinen Anfang nimmt und mit dem Sonntag nach dem Fest der Erscheinung des Herrn (Dreikönigsfest) im Gedenken an die Taufe Jesu durch den Täufer Johannes endet, wird das Kirchenjahr eröffnet.«

Eine Zeit der Besinnung wie auch der Überlegung

Weiter mahnt Läpple dann noch: »Die Adventszeit soll eine 'stade Zeit' sein – eine Zeit der Besinnung wie auch der Überlegung, warum sich die Menschen zu Weihnachten beschenken, weil zuerst Gott uns beschenkt.« Dass sich im Laufe der Jahrhunderte dann kirchliches und weltliches Brauchtum drumherum herausgebildet haben, wie auch bei anderen großen Festen im Jahreskreis, ist selbstverständlich.

Meist waren solche Vorbereitungszeiten, wie vor Ostern so auch vor Weihnachten, sogar Fastenzeiten, damit man danach das Fest umso bewusster und erfüllender erleben konnte. Es ist noch gar nicht so lange her, da wurde in bestimmten Bevölkerungskreisen sogar am Heiligen Abend noch bis zum Mittag gefastet. Zur Belohnung gab's dann aber nach der Christmette die so genannten »Mettenwürst« oder das Fleisch von einem geschlachteten Schwein.

Zu den bekannteren Adventsbräuchen, die auf uns gekommen sind, gehören unter anderem die Anfertigung eines Paradeisls, auch Paradiesbaum oder Apfelpyramide genannt, das Basteln des Adventskranzes und auch die Abhaltung von Adventssingen aller Art in weltlichen und sakralen Räumen. Die Aufstellung von selbst gebastelten oder gekauften Weihnachtskrippen in privaten Räumen oder öffentlichen Gebäuden, um das biblische Geschehen nachzuvollziehen, gehört ebenfalls zum Advent.

Einen festen Platz im Advent hat der heilige Nikolaus

Zum weltlichen Brauchtum zählt das Abschneiden der sogenannten Barbarazweige am 4. Dezember, weil die dann an Weihnachten blühen. Einen festen Platz im Advent hat seit alters her der heilige Nikolaus als der Gabenbringer, der ursprünglich mit seinem Krampus von Haus zu Haus ging, in verschiedensten Gegenden mit ebenso verschiedenartigen Begleitern wie zum Beispiel im Berchtesgadener Land mit den »Buttnmanndln«, dem Nikoloweibl und den Engerln.

Bis ins 15. Jahrhundert lässt sich der auch heute noch weithin geübte Adventsbrauch des »Klöpfelns« andernorts auch »Kletzeigehen« genannt, zurückverfolgen. Das viel jüngere und nicht so flächendeckend vorhandene »Frauentragen« erfreut sich in unseren Tagen wieder steigender Beliebtheit.

Advents- und Christkindlmärkte in Gemeinden und Städten mit Rahmenprogramm sind heute zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Perchtentreiben und ähnliche Anlässe haben dagegen ihre eigene Zeit – meist erst in den Rauhnächten nach Weihnachten. Zum Advent gehören sie keinesfalls. fb