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Die Abwärtsspirale in Ruhpolding ist gestoppt

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Die Zahl der Betten wird in Ruhpolding von Jahr zu Jahr geringer. Vermieter haben oft nur über die Erhöhung des Preises eine Möglichkeit, Geld zu verdienen.

Ruhpolding – Von einem »sehr positiven Tourismusjahr 2014/2015« sprach Ruhpoldings Tourismusdirektor Markus Stuckmann bei der Jahreshauptversammlung des Verkehrs- und Kulturvereins im Hotel Zur Post. Trotz der weiterhin zurückgehenden Zahl der Gastgeber scheint der Abwärtstrend der letzten Jahre gestoppt, was ein deutlicher Zuwachs an Gästen zeige.


Die Zahl der Gäste stieg von 101 430 im vergangenen Jahr auf 107 571 in 2015, was einen Zuwachs von sechs Prozent bedeutet. Auch die Zahl der Übernachtungen konnte gegenüber dem Vorjahr von 592 117 auf 592 141 immerhin stabilisiert werden, so Stuckmann. Trotzdem bleibe das »touristische Produkt Ruhpolding noch ein sehr fragiles Konstrukt«, denn viele günstige Faktoren halfen in diesem Jahr, das gute Ergebnis zu erzielen wie der »Jahrhundertsommer« und bessere Bedingungen im Winter als in den Jahren zuvor. Auch die Fülle von Veranstaltungen habe zu dem guten Ergebnis beigetragen, so Stuckmann. Insgesamt sei die Tendenz auf jeden Fall positiv und die Stimmung im Ort habe sich verbessert.

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Steigerung der Qualität ist große Herausforderung

Der Erfolg im abgelaufenen Tourismusjahr sei vor allem der Erfolg der aktiven und engagierten Gastgeber und Leistungsträger im Ort, sagte der Tourismusdirektor. Denn sie setzten die Theorie in der Praxis um und bildeten beim Gast das entscheidende »Urlaubserlebnis und Gefühl«, das der Gast mit nach Hause nehme. Die »Qualitäten im touristischen Sinn verbreiten sich immer mehr«, stellte Stuckmann fest, man müsse jetzt konsequent den vor knapp drei Jahren begonnenen Weg fortsetzen.

Als Herausforderungen der nächsten Jahre nannte er erneut die Steigerung der Qualität. Bei geringer werdender Bettenzahl bestehe nur über die bessere Qualität und damit auch die Erhöhung des Preises die Möglichkeit, Geld zu verdienen. Als Ort mit kleinteiliger Betriebsstruktur habe eine Niedrigpreisstrategie oder das Setzen auf möglichst viele Gäste keine Chance. Besonders im Hotelsektor, aber auch sonst sollte das Angebot an Gästebetten zunehmen, außerdem sollte das touristische Profil im Ort gestärkt werden.

Hauptthema war die Extra-Karte

Der Vorsitzende des Verkehrs- und Kulturvereins, Martin Haßlberger, stellte fest, dass der Verein derzeit 290 Mitglieder hat. Bei acht Beiratssitzungen des Vorstands sei ein Hauptthema im ersten Jahresdrittel die neue Extra-Karte gewesen, wobei unterschiedliche Standpunkte von Vermietern und Freizeitbetrieben unter einen Hut gebracht werden mussten. Man einigte sich für die Jahre 2016/2017 auf einen erhöhten Beitrag von 2,20 Euro pro Übernachtung, wobei die Leistungsträger prozentual bezahlt werden. Es gibt keine neuen Attraktionen für die Karte, was aber nach Ablauf der zwei Jahre geändert werden könne. Für konstruktive Vorschläge sei der Verein immer dankbar, so Haßlberger.

Der Vorsitzende berichtete, dass sich die Finanzsituation des Vereins seit 2014 erfreulich entwickelt habe. Früher sei der Verein finanziell immer gut gestellt gewesen, aber seit er das Jugendheim Josefshaus übernommen habe und auch bei der Unternbergbahn eingestiegen sei, hätten sich Schulden angehäuft. Im Jahr 2014/2015 konnten nun erstmals wieder schwarze Zahlen geschrieben werden. »Wir sehen Aufwind«, freute sich Haßlberger, auch darüber, dass mit dem neuen Leiter des Josefshauses, Peter Schwarz, so wie mit dessen Vorgänger, Stefan Lehmann, alles gut laufe. Das Haus konnte zwischen 6000 und 7000 Übernachtungen verbuchen. Ziel des Vereins sei es, 2017 schuldenfrei zu sein.

Einnahmen durch Stand am Münchner Christkindlmarkt

Seit längerer Zeit habe der Verein keine Einnahmen außer den Mitgliedsbeiträgen mehr, berichtete Haßlberger. Durch die Betreuung des Glühweinstands beim Münchener Christkindlmarkt, den der Verkehrsverein und mehrere andere Ruhpoldinger Vereine betreuen, seien heuer allerdings Sondereinnahmen zu erwarten.

Der Vorsitzende berichtete auch von dem Wunsch vieler, die drei Tourismusvereinigungen, Vekehrs- und Kulturverein, Wirtschaftsverband und die Interessengemeinschaft Tourismus Ruhpolding (ITR), zusammenzuschließen. Eine Diskussion darüber kam jedoch bei der Versammlung nicht zustande.

Der Kassenbericht von Schatzmeister Wolfgang Heigenhauser bestätigte im Detail die im Aufwärtstrend befindliche Finanzlage des Vereins. 2013 sei noch ein Verlust von 12 000 Euro zu verzeichnen gewesen, 2014 dagegen ein Vereinsgewinn von über 13 000 Euro. Auch das Jahr 2015 sehe ähnlich positiv wie 2014 aus, so Heigenhauser.

Bürgermeister Claus Pichler würdigte besonders die Bemühungen des Vereins um die Weiterentwicklung der Extra-Karte. Die jugendlichen Gäste im Josefshaus seien für ganz Ruhpolding gut, denn sie bedeuten ja auch potenzielle künftige Gäste für den Ort. Auch er ermutigte die Verantwortlichen, eine Fusion der drei Vereine voranzutreiben, was auf jeden Fall von der Gemeinde unterstützt werde.

»Selten so eine emotionale Veranstaltung gesehen«

Der Bürgermeister berichtete auch von der Aufstellung des 26 Meter hohen Christbaums aus Ruhpolding auf dem Münchner Christkindlmarkt. »Ich habe selten so eine emotionale Veranstaltung gesehen«, kommentierte Pichler die verschiedenen Kommentare zum Baum in vielen Medien. Der Baum sei von den Münchnern zusammen mit dem Forstbetrieb und Vertretern der Gemeinde ausgesucht worden. Wegen des extrem trockenen Sommers und durch den Transport habe der Baum zwar gelitten, sei aber jetzt auf dem Marienplatz besonders schön, was inzwischen auch von vielen bestätigt wurde.

Der Leiter der Touristinfo, Herbert Ringsgwandl, wies auf die Chiemgau-Team-Trophy hin, die große Langlaufveranstaltung zwischen Ruhpolding, Inzell und Reit im Winkl am 31. Januar 2016. Auf 43 Kilometern präparierter Loipen können sich Teilnehmer jeden Alters auf verschieden langen Strecken versuchen. Bei der Wertung werden das kreativste und das größte Team ausgezeichnet, außerdem die Mannschaft mit den am meisten gelaufenen Kilometern. gi

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