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»Die Ökumene wird vor Ort gelebt«

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Im Beisein von Oberbürgermeister Christian Kegel trug sich Dr. Heinrich Bedford-Strohm ins Goldene Buch der Stadt ein. Weitere Bilder stehen im Internet unter www.traunsteiner-tagblatt.de.
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Fast immer in großer Einigkeit: EKD-Ratsvorsitzender Dr. Heinrich Bedford-Strohm (rechts) diskutierte mit dem Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück (links). Die Moderation im Großen Rathaussaal übernahm Reinhart Knirsch. (Fotos: Wittenzellner)

Traunstein – Das Reformationsjubiläumsjahr 2017 wirft bereits jetzt seine Schatten voraus. Im Großen Saal des Traunsteiner Rathauses diskutierten gestern Mittag der Evangelische Landesbischof und EKD-Ratsvorsitzende Dr. Heinrich Bedford-Strohm mit dem Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück aus Hörzing, über die Chancen der Ökumene – aber auch darüber, wo scheinbar immer noch unüberwindbare theologische Grenzen liegen. Schnell zeigte sich, dass die beiden in ihren ideologischen und theologischen Überzeugungen nahe beieinander liegen.


Bereits vor Beginn der Veranstaltung wurden die Gäste musikalisch begrüßt. Die Alphornbläser aus Siegsdorf spielten vor dem Traunsteiner Rathaus auf. Bedford-Strohm schaffte es schnell, die Herzen der rund 100 Anwesenden vor dem Rathaus zu gewinnen. Sei es bei seinem nicht ganz geglückten, amüsanten eigenen Alphorn-Blasversuch oder bei der persönlichen, lockeren Begrüßung der Besucher, die zu der Veranstaltung gekommen waren. Anschließend ging es für den Ratsvorsitzenden der EKD zum Eintrag in das Goldene Buch der Stadt Traunstein. »Es ist uns eine sehr große Ehre, sie heute bei uns zu haben«, betonte Oberbürgermeister Christian Kegel freudig.

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100 Jahre evangelische Eigenständigkeit

Der evangelische Dekan Peter Bertram betonte in seinen historischen Ausführungen im voll besetzten Rathaussaal, dass evangelisches Leben und Traunstein zusammengehören. Dies gelte auch für die vor Ort gelebte Ökumene: »Sie ist vielfältig und bunt.« Er gab einen kurzen geschichtlichen Abriss über die Entwicklung der evangelischen Kirchengemeinde in Traunstein. Habe man doch 1854 mit einer kleinen Hausgemeinde mit 35 Gottesdienstbesuchern begonnen. Nach mehreren Versuchen sei 1872 offiziell gestattet worden, den Großen Saal des damaligen Rathauses zeitweise mit zu benutzen. Im September 1915 – vor jetzt 100 Jahren – habe man dann die königliche Genehmigung für die offizielle evangelische Eigenständigkeit erhalten.

In der von Reinhart Knirsch moderierten Podiumsdiskussion ging es vor allem um die Frage, wie viel Gemeinsames und wie viel Trennendes zwischen den beiden Amtskirchen besteht. Bedford-Strohm schilderte, dass ihm an der katholischen Lehre insbesondere die Liturgie, aber auch die Sinnlichkeit der Gottesdienste (»hören, sehen, riechen«) gefalle. Daneben schätze er deren Selbstverständnis als Weltkirche. Besonders gefalle ihm auch, dass es in der katholischen Kirche Ministranten gäbe, die es in seiner Kirche nicht gibt.

Präsident Alois Glück antwortete, dass ihm auf der evangelischen Seite besonders die Gesprächskultur und Offenheit in der Diskussion imponiere. »Auch beim bewussten Umgang mit dem Wort Gottes haben wir viel lernen können.«

Beide waren sich einig, dass man den Weg der Ökumene weiter bestreiten müsse: »Wir sind alle ausgerichtet auf die weltweite Kirche Jesu«, sagte der evangelische Geistliche Bedford-Strohm.

Viele Beispiele einer guten Zusammenarbeit

Der Katholik Glück machte deutlich, dass die Christen gerade auch in ihrer Außenwirkung beurteilt würden, wie sie miteinander umgehen. Dies gelte gerade auch in sozialen und karitativen Fragen für bedürftige Menschen in der Gesellschaft. In der Region gäbe es viele gute Beispiele einer erfolgreichen und guten Zusammenarbeit von Christen verschiedener Konfessionen. Auch sein evangelischer Gesprächspartner sprach von »vielen tollen ökumenischen Freundschaften allerorts.«

Gleichzeitig machten beide deutlich, dass in der Frage des gemeinsamen Abendmahls nach wie vor viele offene Fragen bestünden, die noch der Klärung bedürften. Man könne aber auch ohne Abendmahl- beziehungsweise Eucharistiefeier einen »vollen Gottesdienst« feiern. »Da spüre ich, dass Christus da ist«, sagte der EKD-Ratsvorsitzende. Er habe aber Hoffnung, dass sich auf der Lehr- und institutionellen Ebene etwas bewege.

Glück sagte, dass man die Ökumene nicht nur an Fragen einer gemeinsamen Eucharistiefeier festmachen solle. Gerade Papst Franziskus gehe hier neue Wege in Fragen der »Vielfalt und Einheit«, was auch seine Einbeziehung von Freikirchen in den Gesamtprozess zeige, die insbesondere auch in Südamerika ein rasantes Wachstum erfahren.

Mutmachend betonte Glück, dass man in der Ökumene schon vieles erreicht habe. Seien diese Bestrebungen doch erst seit rund 50 Jahren vorhanden, wogegen die davorliegenden 450 Jahre seit Beginn der Reformation mehr von Abgrenzung und Spannung geprägt gewesen seien.

Im Anschluss an die Podiumsdiskussion traf sich der Bischof mit dem aktiven Pfarrkapitel. Später folgte dann am Abend die zentrale Festveranstaltung im Wilhelm-Löhe-Zentrum der Diakonie in Traunreut (wir berichten noch darüber). awi