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Die Ära »beim Kusn« geht zu Ende

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Seit 1879 war das Gasthaus zum Boden ein Anziehungspunkt für Einheimische und Gäste. (Foto: Wegscheider)

Inzell – Es wird etwas fehlen in Inzell, wenn das Gasthaus zum Boden zum Ende des Monats seine Türen schließt. Über viele Jahrzehnte war die beliebte Gaststätte ein Anziehungspunkt für Einheimische und Gäste, doch diese Ära geht nun zu Ende und wird wohl bald Geschichte sein.


Seit 1879 gab es das Gasthaus »beim Kusn«. Besitzer und Betreiber Hans Holzner hat den Betrieb mit seiner Frau Anneliese 1986 in der vierten Generation der Familie übernommen. Nun ist er im Rentenalter, und auch aus gesundheitlichen Gründen wird er die Arbeit in der Gaststätte nicht mehr weiterführen.

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Darüber hinaus kann es auch mal stressig werden in der Küche bei viel Andrang, und das ist als reiner Familienbetrieb kaum mehr zu stemmen. Seine Frau steht ihm mit Rat und Tat zur Seite, doch einen Angestellten wollen sich die Holzners nicht mehr leisten. Nachfolger aus Familienkreisen gibt es nicht, und so haben sich Hans und Anneliese Holzner entschlossen, das Gasthaus zu verkaufen und ins Nebengebäude zu ziehen.

Viele Besucher werden sich an die besonderen Schmankerl erinnern, die auf der Speisekarte standen. Serviert hat diese jahrelang Leni Seehuber, die von 1951 bis 1988 als Bedienung tätig war. Sie gehörte schon fast zum Inventar – das ist in der heutigen Zeit nicht mehr alltäglich, da muss das Arbeitsklima schon passen. Danach sorgten sich vorrangig Anni Strohmayer und Wirtstochter Alexandra um das Wohl der Gäste.

Mit etwas Wehmut blickt Chefin Anneliese Holzner auf die letzten Tage zurück. »Gerade am Samstag beim Burschenkranzl hat man wieder gemerkt, wie es doch Spaß macht im Gasthaus. Und in den letzten Monaten haben noch viele Gäste den Weg zu uns gefunden. Auch durch die vielen Stammtische hat es viele unterhaltsame Gespräche gegeben und es wurde nie langweilig«, so die Wirtin.

Doch insgesamt hat sich doch die Zeit geändert, und auch das Verhalten der Leute. So gab es laut Anneliese Holzner speziell mit dem Bau der Ferienwohnungen ein anderes Verhältnis zum Essengehen – viele Gäste haben sich die Mahlzeiten in der Wohnung selbst zubereitet. »Dennoch war es immer eine schöne Zeit«, würdigt sie die treuen Gäste. Gutscheine können nur noch bis 30. November eingelöst werden. Danach sind die Pforten geschlossen. Vielleicht findet sich ja ein Nachfolger, der die Gaststätte weiter betreibt. Dies wäre ganz im Sinne von Anneliese und Hans Holzner, die sich auf ihr wohlverdientes Leben nach dem langjährigen Gaststättenbetrieb freuen. hw