weather-image
16°

Diakonisches Werk bekommt das alte Lehrerhaus

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Eine heilpädagogisch-therapeutische Wohngruppe für Jugendliche will das Diakonische Werk Traunstein im alten Lehrerhaus in Kammer unterbringen. Die Mehrheit des Traunsteiner Stadtrates hat dem Vorhaben in nichtöffentlicher Sitzung gegen die Bedenken der Anlieger zugestimmt.

Traunstein. Das Diakonische Werk Traunstein wird das alte Lehrerhaus in Traunstein übernehmen und dort eine heilpädagogisch-therapeutische Wohngruppe für Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren einrichten. Das hat der Traunsteiner Stadtrat in nichtöffentlicher Sitzung gegen die Stimmen einiger CSU-Stadträte beschlossen.


Die Entscheidung wird voraussichtlich in der nächsten öffentlichen Stadtratssitzung bekannt gegeben. Zuvor gelte noch die Geheimhaltungspflicht, teilte die Stadt Traunstein auf Anfrage unserer Zeitung mit und gab keine weiteren Auskünfte zu dem Thema.

Anzeige

Als bekannt wurde, dass die Diakonie Interesse an dem alten Haus hat und dort eine Wohngruppe einrichten will, haben Nachbarn und Anwohner heftig protestiert. Sie befürchten, dass zum Beispiel drogenabhängige Jugendliche aufgenommen werden, von denen Gefahr für die eigenen Kinder ausgehen könnte. In einer Versammlung im Kammerer Pfarrsaal hatten Oberbürgermeister Manfred Kösterke und die Stellvertretende Vorsitzende des Diakonischen Werkes Traunstein, Margarete Winnichner, versucht, die Bedenken zu zerstreuen. Der Erfolg war eher bescheiden und die Skepsis vieler Anwohner ist geblieben.

In einem Gespräch mit der Traunsteiner Tagblatt schloss Margarete Winnichner gestern definitiv aus, dass drogenabhängige junge Menschen in die Wohngruppe aufgenommen werden. Das Konzept sehe vor, dass man nur sechs und nicht, wie ursprünglich vorgesehen, acht Personen in der Gruppe betreuen werde. Dennoch werde es eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung geben.

Schulreferentin Christa Fuchs hatte bis zuletzt zu erreichen versucht, dass das Lehrerhaus für den Eigenbedarf der Stadt erhalten bleibt. Sie argumentierte unter anderem, dass die Stadt Räume für die Mittagsbetreuung in Schule und Kindergarten benötigt. Die erste Planung, Platz für die Mittagsbetreuung im Pfarrheim zu schaffen, wurde verworfen. Der Aufwand, die dort frei werdende Wohnung umzubauen, wäre zu groß gewesen. Außerdem hat das Jugendamt erklärt, die Räume seien zu klein und deshalb für die Mittagsbetreuung nicht geeignet. Christa Fuchs bedauerte, dass das Liegenschaftsamt keine weiteren Vorschläge gemacht hat. Lediglich den Turnraum in der Schule hat es ins Gespräch gebracht; dieser werde jedoch zum Turnen benötigt.

Das alte Lehrerhaus wurde von der damals noch selbstständigen Gemeinde Kammer mit dem Ziel gebaut, günstigen Wohnraum für die Lehrer im Ort zu schaffen und damit den Bestand der Kammerer Schule langfristig zu sichern. Lehrer haben schon lange nicht mehr in dem Haus gewohnt; vielmehr hat es die Stadt günstig an Wohnungssuchende vermietet. Während das Erdgeschoß schon seit mehr als zwei Jahren nicht mehr bewohnt wird, sind die Mieter im ersten Stock Anfang vergangenen Jahres ausgezogen.

Die Bausubstanz ist schlecht und es besteht erheblicher Sanierungsbedarf. Ob die Stadt oder die Diakonie das Gebäude sanieren und so umbauen werden, dass es für die geplante neue Nutzung geeignet ist, muss offensichtlich noch entschieden werden. -K.O.-

Mehr aus der Stadt Traunstein