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Deutschlandweit einmalige »solitäre Kurzzeitpflege« im Landkreis

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Traunstein: Deutschlandweit einmalige »solitäre Kurzzeitpflege« im Landkreis
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So soll das »Neue Atrium« in der Kreisklinik in Trostberg aussehen. (Grafik: Landratsamt)

Traunstein/Trostberg – Eine absolute Versorgungslücke schließt der Landkreis mit der deutschlandweit einmaligen »solitären Kurzzeitpflege«, die Patienten aus dem gesamten Landkreis aufnehmen wird. Die Einrichtung mit 30 Plätzen und der Kreisaltenheim-Gesellschaft als Betreiber wird an das Kreisklinikum Trostberg angegliedert. Im Frühjahr 2021 soll Baubeginn sein.


Im Kreissozialausschuss unter Vorsitz von Landrat Siegfried Walch betonte Kreisaltenheim-Geschäftsführer Markus Mayr am Dienstag, das Projekt sichere die nahtlose Versorgung von Patienten nach Entlassung aus dem Krankenhaus. Der Ausschuss nahm einstimmig Kenntnis von dem Bericht.

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Nicht immer könnten pflegende Angehörige für einen Pflegebedürftigen da sein, erläuterte Markus Mayr. Der Großteil der Betroffenen werde im eigenen Zuhause oder im häuslichen Umfeld von Angehörigen rund um die Uhr betreut – mit entsprechender körperlichen und psychischen Belastung. Um diesen Personenkreis zu entlasten, habe der Gesetzgeber die Kurzzeitpflege geschaffen. Pflegebedürftige hätten darauf beispielsweise nach Entlassung aus einem Klinikaufenthalt Anspruch, sofern sie mehr Pflege als üblich benötigen.

Der Geschäftsführer führte aus, die Stabilisierung der Versorgungssituation, das Vermeiden eines vorzeitigen Einzugs in ein Pflegeheim sowie die Unterstützung und Entlastung der Pflegenden seien Ziele der Kurzzeitpflege. Dazu gehöre auch die Nachsorge nach einem akuten Krankenhausaufenthalt. Unverzichtbar sei dabei, die gewonnene Genesung zu stabilisieren sowie ärztliche, medizinisch-pflegerische und therapeutische Maßnahmen fortzusetzen.

Wöchentlich rund 60 Anfragen für Kurzzeitpflege

Der Bedarf an Kurzzeitpflegeplätzen im Landkreis ist nach Worten Mayrs groß. Wöchentlich erreichten etwa 60 Anfragen die Kreisaltenheime. Anfragen in Pflegeeinrichtungen seien oft erfolglos, da in den Heimen häufig alle Plätze durch vollstationäre Pflege belegt sind. Deshalb habe der Landkreis eine Wirtschaftlichkeitsanalyse für eine solitäre Kurzzeitpflegeeinrichtung in Trostberg vorgenommen. Das Ergebnis: »Wir können sie wirtschaftlich führen, sofern wir alle Synergieeffekte der Kliniken Südostbayern am Standort Trostberg einbinden.«

Geplant seien 30 Plätze in insgesamt 30 Einzelzimmern, davon acht Zimmer mit rollstuhlgerechter Ausstattung. Im Betrieb könne die Einrichtung die behandlungspflegerische, therapeutische und zum Beispiel auch geriatrische Versorgung mit den Kliniken Südostbayern in »geradezu idealer Weise« wahrnehmen. Markus Mayr wörtlich: »Das ist eine einfach perfekte Situation, um schnell und vor allem patientengerecht reagieren zu können.« Der Patient habe kurze Wege und eine Bandbreite von Leistungen, die in der Klinik abgerufen werden könnten. Durch diese »einzigartige Konstellation« nehme der Landkreis die Dinge selbst in die Hand. Die neue Einrichtung wird in einem Ersatzbau des jetzigen Atriums entstehen, in dem außerdem Räume mit unterschiedlicher Nutzung realisiert werden.

Die Planungen erstrecken sich über das kommende Jahr. In den nächsten Planungsschritten würden alle Details geklärt, kündigte Markus Mayr an. So liefen gerade Gespräche, wie man das Raumkonzept optimieren könne. Binnen sechs Monaten werde es stehen.

In der Aussprache erwiderte der Landrat auf Frage von Dr. Lothar Seissiger (FW/UW) als Bauherr komme die kreiseigene Wohnbaugesellschaft in Betracht. Das Projekt erntete von vielen Kreisräten Lob, so auch von Waltraud Wiesholler-Niederlöhner (SPD). Sie regte an, etwas Ähnliches am Krankenhaus Ruhpolding vorzusehen. Dazu Landrat Siegfried Walch: »Ich bin der gleichen Meinung. Aber erstmal muss der Standort Trostberg funktionieren«. Irmingard Siglreithmayer (CSU) fragte nach eventuellen Abrechnungsproblemen. Der bayernweite Personalschlüssel für Kurzzeitpflege gelte auch für dieses Projekt, antwortete Markus Mayr.

Der Bedarf werde weiter wachsen, vertrat Marianne Penn (Bündnis 90/Die Grünen). Oft hätten die Pflegebedürftigen noch keinen anerkannten Pflegegrad. Die Patienten würden im Schnellverfahren eingestuft, gab Mayr Auskunft. Nach der ärztlichen Versorgung erkundigte sich Dr. Michael Hüller (Grüne). Die oft sehr frühzeitige Entlassung von Patienten durch Kliniken brachte Dr. Thomas Graf (ÖDP) aufs Tapet. Reha-Kliniken könnten sie aber nicht sofort aufnehmen.

Dr. Lothar Seissiger unterstützte, in solchen Fällen seien Angehörige meist überfordert. Neben deren Entlastung gelte es, die fachkundige Versorgung der Patienten zu gewährleisten: »Man darf den erzielten Heilerfolg nicht wieder aufs Spiel setzen.« kd

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