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Deutlich weniger Vögel in den Gärten

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Der Feldsperling ist Überraschungssieger der »Stunde der Wintervögel«.

In den Gärten im Landkreis Traunstein sind zurzeit weniger Vögel zu beobachten als normalerweise um diese Jahreszeit üblich. Das ist das Ergebnis der vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) und seinem Partner, dem Naturschutzbund (NABU), deutschlandweit durchgeführten »Stunde der Wintervögel«. Die Anzahl der durchschnittlich pro Garten beobachteten Vögel lag heuer im Landkreis Traunstein nur bei 41, wo hingegen es im Vorjahr noch 49 waren. Hauptgrund ist der bisher so milde Winter, in dem die Vögel noch genügend Nahrung finden. Hinzu kommt aber auch die schlechte Brutsaison für viele Kleinvögel: Im nassen und kalten Frühjahr sind viele Bruten eingegangen.


»Das bedeutet aber nicht, dass die Vogelbestände grundsätzlich stark abnehmen«, so Dirk Alfermann von der LBV-Regionalgeschäftsstelle Inn-Salzach. Insgesamt zählten am Aktionswochenende von Bayerns größter wissenschaftlicher Mitmachaktion über 19 000 Naturfreunde mehr als 460 000 Vögel. Den Spitzenplatz sicherte sich dabei zum ersten Mal in neun Jahren überraschend der Feldsperling, so auch im Landkreis Traunstein. Dabei nahm der Bestand des Feldsperlings nicht zu, sondern der nahe Verwandte des Spatzen profitierte davon, dass die Vorjahresspitzenreiter Kohlmeise und Haussperling weniger häufig vorkamen«, erklärt Dirk Alfermann. So bekam die Kohlmeise (zweiter Platz) dieses Jahr keine Unterstützung durch Artgenossen aus dem Norden und der Bestand des Haussperlings (dritter Platz) erlebt weiter einen starken Rückgang, sodass er nicht mal mehr in jedem zweiten Garten zu sehen ist. Der erste Platz des Feldsperlings ist aber auch ein Indiz dafür, dass ihm, wie vielen anderen Feldvögeln auch, in der intensiv genutzten Agrarlandschaft immer mehr die Nahrungsgrundlage fehlt und er so zunehmend Futterstellen aufsucht. Doch nicht alle Rückgänge dieses Jahres können mit dem milden Winter erklärt werden: »Die verregneten Brutmonate im Mai und Juni 2013 sind sicherlich für einen kleineren Gesamtbestand der heimischen Vögel verantwortlich, was zum Beispiel am Resultat der sonst häufig vorkommenden Blaumeise (sechster Platz) zu sehen ist«, so Dirk Alfermann. Ernsthafte Sorgen macht den Naturschützern der Grünfink, der um zehn Prozent zurückging. Er ist im Landkreis Traunstein zwar immer noch der siebthäufigste Gartenvogel im Winter, aber sein leichter Abwärtstrend hat sich dieses Jahr erheblich verstärkt.

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»Der Grund dafür ist möglicherweise das in den vergangenen Jahren verstärkt beobachtete Grünfinkensterben, ausgelöst durch den einzelligen Erreger ,Trichomonas gallinae‘. Futter- und insbesondere Wasserstellen für Vögel sind gerade im Sommer ideale Ansteckungsherde, sodass ein kranker Vogel schnell andere Vögel infizieren kann«, so Alfermann.

Einige Vogelfreunde im Landkreis konnten sich auch an der Beobachtung des Grünspechts erfreuen. Der »Vogel des Jahres« wurde insgesamt 16-mal gezählt und belegt somit Platz 33.

Vom 9. bis 11. Mai findet die Schwesteraktion »Stunde der Gartenvögel« statt, bei der die Vögel im Mittelpunkt des Interesses stehen, die in Bayern brüten.