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»Des is a Erste-Klass-Gfui«

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Brauchtumskenner Siegi Götze aus Marquartstein hat sich in den vergangenen Jahrzehnten vor allem als Ansager von Volksmusik-Veranstaltungen einen Namen gemacht.

Grassau. »Des is a Erste-Klass-Gfui«, sagt Siegi Götze. Er ist also durchaus ein wenig nervös, denn nach fast 40 Jahren auf der Bühne wird der Brauchtumskenner aus Marquartstein erstmals selbst verfasste Mundartgedichte und -geschichten präsentieren. Die Veranstaltung mit der »Hirschberg Zithermusi« ist am Donnerstag, 18. September, um 20 Uhr im Klaushäusl zwischen Grassau und Rottau.


Seit 1976 steht Siegi Götze auf der Bühne, einen Namen hat er sich vor allem als Ansager von Volksmusik-Veranstaltungen gemacht. Er greift dabei auf die Erlebnisse und Gedanken anderer zurück, auf Texte etwa von Ludwig Ganghofer oder Ludwig Thoma. Jetzt wird er erstmals seine eigenen Ansichten kundtun. »Ich war bisher ein Transporteur von Gedanken, jetzt bin ich Schaffender«, bringt es Siegi Götze auf den Punkt.

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Der Anstoß dazu, die eigene Erlebniswelt aufs Papier zu bringen, kam von außen. Bei einer von der Euregio initiierten »Boarischen Schreibstubn« forderte ihn die Pinzgauer Schriftstellerin Gerlinde Allmayer zum Schreiben auf. »Da war ich immer noch der Auffassung, dass ich das nicht kann«, erinnert sich der Marquartsteiner. Doch dann brachte er in zehn Minuten eine Geschichte fertig, die er jetzt auch im Klaushäusl vorstellen wird: »Mein Großvater und i« heißt sie. Bei Allmayer kam die Geschichte gut an – und für Siegi Götze war das Erlebnis eine Initialzündung.

Plötzlich, ohne viel zutun, brachte er weitere Erlebnisse aus seiner Kindheit, über die Großmutter etwa oder die alte Dorfkramerin, aufs Papier. Die Texte wird er bei der Veranstaltung im Klaushäusl in einem ersten Block präsentieren. Darüber hinaus widmet sich Götze noch anderen Themen: den Frauen und der Natur zum Beispiel. »Lockere philosophische Sachen« nennt das der Marquartsteiner selber. Die Geschichte »Mensch, du werst oid« beschäftigt sich etwa mit dem Älterwerden.

Er habe sich schon immer über die Sprache identifiziert, sagt Siegi Götze. Mundart und Dialekt seien früh seine Begleiter gewesen. »Wenn ich mich recht erinnere, dann habe ich mein erstes Mundartgedicht in der Abschlusszeitung der Schlechinger Volksschule geschrieben, zum Ende des Schuljahres 1961.« Der Schulbus sei damals im dichten Schneetreiben stecken geblieben und er selbst fast »zugeschneibt« worden. Ein Jahr später, in der Berufsschule, habe er dann einen »Bairischen Krimi« erfunden. Später habe er beim Marquartsteiner Bauerntheater Dialektpflege betrieben und Mundarttage veranstaltet.

»Vereine zur Förderung der Bairischen Sprache gab es damals noch nicht, und ich wurde so manches Mal als Unverbesserlicher hingestellt, der versucht, eine tote Sprache am Leben zu halten«, erinnert sich der Marquartsteiner. »Heute weiß ich, dass ich gar nicht so falsch dran war.« Unter anderem hat er für sein Engagement die Bezirksmedaille verliehen bekommen.

Jetzt, in der Rente, geht Siegi Götze einen Schritt weiter und verfasst eigene Texte. »Die eigenen Worte haben eine ganz andere Kraft«, stellt er fest. Mit seinen Texten will er andere auch animieren – zum Selberschreiben, zum Nachdenken. »Das gesprochene Wort verweht, das geschriebene hat Verbindlichkeit«, resümiert der Marquartsteiner.

Die Leute im Klaushäusl, sagt er, dürften ruhig auch mitbekommen, dass er Lampenfieber habe, das erste Mal etwas Eigenes zu präsentieren. Er sei gespannt, wie seine Gedichte und Geschichten ankommen werden. Es sei eben dieses Gefühl aus der ersten Klasse, als man sich fragte: »Was sagt jetzt der Lehrer dazu?«

Im Klaushäusl wird Siegi Götze von der »Hirschberg Zithermusi« begleitet, die auf drei Zithern und Kontragitarre feine Landler, schmissige Polkas und »temperierte Boarische« spielen werden. Gediegene alpenländische Volksmusik und feine Mundart – wer das mag, der ist am Donnerstag, 18. September, im Klaushäusl richtig. Karten für die Veranstaltung gibt es unter der Telefonnummer 08641/5467. san