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Derzeit gilt bei Urlauben: »Je ländlicher, desto besser«

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Chiemgau: Urlaub nach der Corona-Zwangspause auf Campingplätzen und in Ferienwohnungen
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Urlaub am Waginger See ist ab Samstag wieder erlaubt. Besonders Campingplätze und Ferienwohnungen sind sehr beliebt und werden gut gebucht, wie der Geschäftsführer des Chiemgau Tourismus, Stephan Semmelmayr, im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt sagt. (Foto: Armin Weigel/dpa)

Die Vorfreude auf ihre »zweite Heimat« ist riesig. Seit elf Jahren kommt Familie Münch aus Baden-Württemberg auf den Huberhof in Truchtlaching. »Unser Sohn ist dort sozusagen groß geworden«, sagt Anja Münch mit einem Schmunzeln. Sie, ihr Mann Rainer und Elias, der mittlerweile 15 Jahre alt ist, haben für die zweite Pfingstferienwoche gebucht – und sind heilfroh, dass das angesichts der Ausnahmesituation in diesem Jahr klappt.


Die vergangenen Wochen waren für die Familie – wie vermutlich für die meisten – »sehr schwer«. Deshalb sei es schön, »endlich auslüften zu können«. Vor allem ihr Sohn habe unter der Isolation gelitten, sagt Anja Münch. »Für Kinder war das Ganze schon extrem. Keine Schule, kein Verein, keine Freunde. Sie waren ja praktisch von der Außenwelt abgeschnitten.« Doch das will die Familie aus der Nähe von Stuttgart nun hinter sich lassen. »Es wird herrlich. Das sind ganz tolle Gastgeber und wir freuen uns schon darauf, wieder auf dem Hof mithelfen zu können.«

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»Die meisten sind einfach froh«

Urlaub ist für viele die schönste Zeit im Jahr – und pünktlich zu den Pfingstferien wird einiges möglich, was vor drei Wochen noch undenkbar gewesen wäre. »Am meisten nachgefragt sind Campingplätze und Ferienwohnungen«, sagt Stephan Semmelmayr, der Geschäftsführer des Chiemgau Tourismus.

Mit 3000 Betrieben, 30.000 Betten und weit über vier Millionen Übernachtungen im Jahr ist er für die größte ländliche Tourismusregion in Bayern zuständig – was in dieser Krise von Vorteil ist. Denn derzeit gilt: »Je ländlicher, desto besser«, betont Stephan Semmelmayr. Deshalb sehe es mit den Buchungen zu Pfingsten im Chiemgau »durchaus gut« aus. Gefragt seien vor allem Ferienwohnungen, kleine Häuser und Campingplätze. »Das wird ganz klar am meisten nachgefragt.« Schwieriger sei es für große Häuser, »voll zu werden«, weiß Semmelmayr.

Auf die Stimmung unter den Vermietern angesprochen, sagte er: Die Freude sei groß, dass es nun endlich losgehe. »Endlich wieder arbeiten und mit Gästen zu tun zu haben!«. Darauf hätten die Vermieter wochenlang gewartet. »Die meisten sind einfach froh, öffnen zu können, auch wenn die Rahmenbedingungen es deutlich erschweren, rentabel zu wirtschaften.«

»Licht am Ende des Tunnels«

»Das Licht am Ende des Tunnels nähert sich«, sagt auch Eva Bernauer, die Waginger Touristik-Chefin. Nach der Durststrecke für die Gastronomie folge morgen die nächste Lockerung: Ab dem Pfingstwochenende dürfen Hotels, Ferienwohnungen/Pensionen sowie Campingplätze bei strikter Wahrung der Hygienevorschriften für Urlauber geöffnet werden. Aber auch bei Übernachtungen seien die geltenden Kontaktbeschränkungen einzuhalten: Eine Wohnung oder ein Zimmer beziehen dürfen nur Gäste, denen der Kontakt zueinander erlaubt ist – also Angehörige eines Haushalts oder Lebenspartner.

Insbesondere seien folgende Hygieneregeln zu beachten, so Bernauer: Die Wohneinheiten müssen über eigene Sanitäreinheiten verfügen. Beim Check-in sollen die Kontakte zwischen Mitarbeitern und Gästen auf das Notwendigste reduziert bleiben. Die Abstandsregel von 1,5 Metern zwischen Personen in allen Räumen ist einzuhalten. Dies gilt sowohl für Gäste wie auch für das Personal. In allen gemeinschaftlich genutzten Bereichen haben Personal und Gäste Mund-Nasen-Bedeckungen zu tragen. Davon ausgenommen ist der Außenbereich. Die Nutzung betriebseigener Schwimmbäder, Saunen, Wellness- und Fitnessbereiche ist derzeit untersagt, betont Eva Bernauer. Eine Übernachtung im Zelt ist bis auf Weiteres – zunächst in jedem Fall bis 14. Juni – auf Campingplätzen nicht erlaubt. Gäste müssen nämlich über eine eigene Sanitäreinrichtung »an Bord« verfügen.

Chiemgau: Urlaub nach der Corona-Zwangspause auf Campingplätzen und in Ferienwohnungen
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Strandbad am Waginger See (Archivbild: H. Eder)

Einkehr auf den Almen wieder möglich

»Die ersten Schritte der Lockerung sind geglückt und langsam kehrt Schritt für Schritt das Urlaubsgefühl zurück«, findet auch Gerhard Steinbacher, der Geschäftsführer der Inzeller Tourist-Info. Derzeit habe man zahlreiche Anrufe mit der Bitte um Auskunft, was denn im Urlaub alles möglich sei. »Die Gaststätten und Unterkünfte öffnen und die Freizeitbetriebe haben Hygienekonzepte entwickelt«, betont Steinbacher. Außerdem sei das Wandern und Radfahren mit einer Einkehr auf der Alm ebenfalls wieder möglich.

Das freut auch Almbauer Peter Flatscher: »Es war ein tolles Gefühl, unsere Alm zu öffnen und die ersten Gäste zu bewirten«, betont er. »Wir spürten, wie froh und zufrieden die Wanderer und Radfahrer waren, die Natur der Chiemgauer Berge wieder hautnah zu erleben und eine Brotzeit zu bekommen.« Zu den Corona-Vorschriften, die auch auf der Alm gelten, sagt Peter Flatscher von der Moar-Alm in Inzell: »Die Leute waren sehr vernünftig und verständnisvoll.«

Vieles sei nun neu, sagt auch Thomas Reitmaier vom Huberhof in Truchtlaching, der zu Pfingsten fast nur Stammgäste wie die Familie München aus Baden-Württemberg erwartet. »I gfrei mi narrisch«, betont der Vermieter, der es sehr schade findet, dass er seine Gäste heuer zur Begrüßung nicht drücken darf. »Das wird nicht leicht, aber wir bekommen das hin«, sagt er mit einem Lachen. KR/he

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