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Der Zustrom der Asylbewerber reißt nicht ab

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Traunstein. Der Zustrom der Asylbewerber reißt nicht ab. Im Gegenteil: Das Landratsamt hat erst am Dienstag erfahren, dass die Zahl der Flüchtlinge im Landkreis Traunstein laut Prognose der Regierung von Oberbayern im nächsten Jahr auf 707 ansteigen soll. 296 Asylsuchende sind bereits hier.


Die Zahl der Flüchtlinge im Landkreis Traunstein hat sich seit Jahresanfang nahezu verdoppelt. Lebten bis dahin die Asylbewerber ausschließlich in den beiden Gemeinschaftsunterkünften in Engelsberg und Grassau, sind sie inzwischen auch in sogenannten dezentralen Unterkünften über den Landkreis verteilt untergebracht. Im Frühjahr hatte die Regierung von Oberbayern – um den Flüchtlingszustrom bewältigen zu können – eine dezentrale Unterbringung der Asylbewerber in den Landkreisen angeordnet.

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112 Asylbewerber leben inzwischen vor allem in früheren Gasthäusern im Landkreis Traunstein – 53 von ihnen in der Gemeinde Ruhpolding, 20 in der Stadt Traunstein, 14 in der Stadt Traunreut, 12 in der Gemeinde Schnaitsee, 8 in der Gemeinde Bergen, 5 in der Gemeinde Kirchanschöring. In der Gemeinschaftsunterkunft in Engelsberg befinden sich zurzeit 93 Flüchtlinge, in Grassau 91. Anfang Januar wird voraussichtlich eine dritte Gemeinschaftsunterkunft öffnen: Im früheren Gasthaus Berghof in Inzell sollen dann 68 weitere Plätze zur Verfügung stehen.

Flüchtlinge vor allem aus Nigeria, Senegal und Syrien

Die Zahl der Asylbewerber im Landkreis Traunstein soll laut Prognose bis Jahresende von aktuell 296 auf 381 ansteigen. Und im nächsten Jahr dann auf 707. In den vergangenen Monaten sind vor allem aus Nigeria, dem Senegal, Syrien und Tschetschenien viele Flüchtlinge in den Landkreis Traunstein gekommen.

Das sind die nackten Zahlen. Dahinter rumort es vielfach. Aktuell ist etwa in der Gemeinde Bergen die Aufregung groß – vor allem, weil die Gemeinde und der Verpächter erst am selben Tag erfahren haben sollen, dass Flüchtlinge in einem Gasthof in der Dorfmitte untergebracht werden. Das Landratsamt Traunstein, das für die dezentral untergebrachten Asylbewerber zuständig ist, wirbt um Verständnis.

»Wir schwimmen hier auch«, sagt Landratsamtssprecher Roman Schneider. Auch das Landratsamt würde oft erst wenige Tage vorher erfahren, wenn die Regierung von Oberbayern eine neue Gruppe von Flüchtlingen in den Landkreis Traunstein schickt. Die zuständigen Mitarbeiter hätten in der Regel keinen Vorlauf, würden oftmals auch fieberhaft nach neuen Unterbringungsmöglichkeiten suchen müssen. »Wir gehen darum oft auch aktiv auf die Besitzer von Objekten zu«, erläutert Schneider. Landrat Hermann Steinmaßl und seine zuständigen Mitarbeiter sind froh, dass es sich bislang vermeiden ließ, Flüchtlinge in Notunterkünften wie Turnhallen bringen zu müssen. »Ob uns das auch in Zukunft gelingen wird, ist nicht sicher.«

Der große Zustrom von Asylbewerbern bringt das Landratsamt auch personell an seine Grenzen. »Und zu der erhöhten Arbeitsbelastung kommt, dass sich die zuständigen Mitarbeiter oft auch noch am Telefon von aufgebrachten Bürgern beleidigen und beschimpfen lassen müssen.« Emotionale Ausbrüche, die doch auch erstaunen, wenn man weiß, dass es im Landkreis Traunstein weder heuer noch in den vergangenen Jahren Zwischenfälle mit Asylbewerbern gab.

»Die Leute sind nett und freundlich«

»Die Leute sind nett und freundlich«, bestätigt einer der zuständigen Mitarbeiter, der regelmäßig Kontakt zu den Asylbewerbern hat. »Die meisten sind vor dem Krieg in ihrer Heimat geflüchtet.« Wenn die Asylsuchenden dann mitbekommen, dass die Menschen wegen ihnen auf die Barrikaden gehen, dann seien sie oft eingeschüchtert, erzählt der Landratsamtsmitarbeiter.

Es liegt vermutlich in der Natur des Menschen, dass er das Fremde erst einmal skeptisch beäugt. Umso erwähnenswerter sind darum auch gelungene Initiativen, bei denen die Menschen mit offenen Armen auf die Asylbewerber zugehen. Wie zum Beispiel im »Café International«. Es öffnet am Sonntag um 15 Uhr im großen Saal der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde in Traunstein schon zum zweiten Mal und bietet Bürgern die Gelegenheit, mit Asylbewerbern ins Gespräch zu kommen.

Auch Landrat Hermann Steinmaßl versucht, die teilweise explosive Stimmung zu entschärfen. Er will, dass sich alle Bürgermeister aus dem Landkreis Traunstein und eventuell auch Vertreter der Kirchen an einen Tisch sitzen. »Seine Idealvorstellung ist es, dass die Asylbewerber gleichmäßig auf alle Gemeinden verteilt sind«, erklärt Roman Schneider. Und: »Im Prinzip muss jede Kommune damit rechnen, dass sie demnächst Asylbewerber als Mitbürger bekommen wird.« san