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Der Ziacherer aus Waging

Waging am See - Willi Schneider, der Lenzn-Willi von Egg bei Waging, ist am Mittwoch im Alter von 75 Jahren verstorben. Von Beruf Zimmerer, später beim Traunsteiner Stadtforst beschäftigt, war er der Ziachspieler der Region schlechthin. Hohe Auszeichnungen wurden ihm zuteil, überall in Bayern, auch in Österreich und darüber hinaus war er bekannt und hat er gespielt. Ihm ist es unter anderem zu verdanken, dass die Ziach in der Volksmusik den Stellenwert einnimmt, den sie heute hat.

Geboren wurde Willi Schneider im Lenzn-Anwesen in Egg; in dieser Ortschaft hat er zeitlebens gewohnt mit seiner Frau Luise und den Kindern Hildegard sowie den Zwillingen Willi und Luise. Viele Jahre arbeitete er als Zimmerer, war zwischendurch auch Wirt im »Schwemmbräu«.

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Nach einem schweren Arbeitsunfall, bei dem er sich eine Armverletzung zugezogen hatte, die ihn lange Zeit vom Musizieren abhielt, veränderte er sich beruflich und arbeitete im Forstbetrieb der Stadt Traunstein. Sein Leben aber war die Musik, wobei nicht weit dahinter auch seine Leidenschaft für die Jagd kam. Seine musikalische Karriere begann er als Tubist bei der Musikkapelle Waging. Nebenbei aber erarbeitete er sich - mehr oder weniger heimlich - die Ziach und folgte damit dem Beispiel seines Vaters, des Lenzn-Jackl, der ein guter Ziacherer war, seinem Sohn aber sein wertvolles Instrument nicht in die Hand geben wollte. Willi Schneider brachte sich selbst bei, was man wissen und können muss, war ein aufmerksamer Beobachter und mit einem phänomenalen Gehör und enormer Auffassungsgabe und außerordentlichen Musikgedächtnis ausgestattet. Schnell entwickelte er seinen eigenen Stil, der ihn geradezu zu einer Ikone der Ziachmusik machte. Im Jahr 2005 war Willi Schneider in Wildbad Kreuth mit einem Ehrenpreis der Hanns-Seidel-Stiftung ausgezeichnet worden. Das war Dank und Anerkennung für rund 40 Jahre Einsatz für die »diatonische Harmonika«.

Seine alljährlich von ihm und seinen Freunden in Waging veranstalteten Ziach-Treffen trugen dazu bei, neue Anhänger für dieses Instrument zu gewinnen und der Harmonikamusik einen festen Platz in der Volksmusik zu geben. Willi Schneider war gern gesehener Gast dort, wo Stimmung gefragt war: auf Hochzeiten, Geburtstagen. Er war Mitglied der heute bereits legendären »Mühlberger Buam«, und er organisierte fünf überaus erfolgreiche Ziacherertreffen im Waginger Kurhaus. Mit einem »Ziachdreffa« 2000 in Otting beendete er seine Tätigkeit als Organisator, wenn man absieht, dass er bis zum Schluss - ebenfalls erfolgreich und sehr gut - die Schafkopfrennen des Trachtenvereins organisiert hat.

Wenn er nicht Musi spielte, war er auf der Jagd unterwegs oder mit seinen Hunden auf entsprechenden Treffen. »Er war Jäger aus Leib und Seele«, sagt Schorsch Schneider. Zugleich war er bei den Böllerschützen und ein Biathlon-Fan, der sich kaum ein Ereignis in der Region entgehen ließ.

Schon vor etwa fünf Jahren hatte er mit schwerer Krankheit zu kämpfen. Vor etwa zwei Jahren starb seine Frau Luise, was ihn sehr getroffen hat. Sie hatte ihm den Rücken frei gehalten. Fast ein Jahr lang hat er nicht mehr gespielt. Eine erneute schwere Krankheit zwang ihn aufs Sterbebett. he